14.07.2020 17:07

Geld gegen Corona«Besteuert uns. Besteuert uns. Besteuert uns» – fordern Superreiche

Regierungen weltweit sollen die Steuern für Wohlhabende erhöhen. Das verlangen über 170 Superreiche in einem offenen Brief. Mit dem Geld soll man die Corona-Krise bewältigen.

von
Dominic Benz
1 / 8
Superreiche aus mehreren Ländern tun sich zusammen, um gegen die Corona-Krise zu kämpfen.

Superreiche aus mehreren Ländern tun sich zusammen, um gegen die Corona-Krise zu kämpfen.

KEYSTONE
Sie fordern ihre Regierungen auf, die Steuern für reiche Menschen wie sie zu erhöhen. Dazu gehören Jerry Greenfield, Mitgründer des US-Glace-Herstellers Ben & Jerry’s, …

Sie fordern ihre Regierungen auf, die Steuern für reiche Menschen wie sie zu erhöhen. Dazu gehören Jerry Greenfield, Mitgründer des US-Glace-Herstellers Ben & Jerry’s, …

… und die Disney-Erbin Abigail Disney (rechts).

… und die Disney-Erbin Abigail Disney (rechts).

KEYSTONE

Darum gehts

  • Superreiche rund um den Globus fordern für sich und andere Wohlhabende Steuererhöhungen.
  • Das Geld sollen die Regierungen nutzen, um die Corona-Krise zu bewältigen.
  • Die Superreichen haben ihre Forderung in einem offenen Brief geschrieben.
  • Immer mehr Wohlhabende unterzeichnen den Brief.

Millionäre und Milliardäre aus diversen Ländern wollen ihr Geld für den Kampf gegen die Corona-Krise einsetzen. Die Superreichen fordern ihre Regierungen auf, die Steuern für reiche Menschen wie sie zu erhöhen. In einem offenen Brief an den «Guardian» schreiben sie daher: «Besteuert uns. Besteuert uns. Besteuert uns.»

Zu den Personen, die den Brief unterzeichnet haben, gehören Jerry Greenfield, Mitgründer des US-Glace-Herstellers Ben & Jerry’s, und die Disney-Erbin Abigail Disney. Die Liste der Namen wird immer länger. Mittlerweile sind es rund 100 Superreiche aus den USA, Spanien, Frankreich, Deutschland oder Grossbritannien. Schweizer Namen sind nicht aufgeführt.

«Sofort. Substanziell. Dauerhaft.»

Im Brief halten sie weiter fest, dass die Auswirkungen dieser Krise noch Jahrzehnte dauern würden. Daher drohten Hunderten von Millionen Menschen Armut und Verlust des Arbeitsplatzes. Millionäre würden bei «der Heilung unserer Welt» eine entscheidende Rolle spielen.

«Wir füllen keine Regale für Lebensmittelgeschäfte auf und liefern keine Lebensmittel von Tür zu Tür. Aber wir haben viel Geld», so die Superreichen weiter. Und dieses Geld werde jetzt dringend benötigt. Daher müssten die Steuern für wohlhabende Menschen erhöht werden. «Und zwar sofort. Substanziell. Dauerhaft.»

Einfach Geld zu spenden, ist laut den Unterzeichnern keine Lösung. Die Krise könne man nicht mit Wohltätigkeit lösen – egal, wie grosszügig sie sei. «Regierungschefs müssen die Verantwortung dafür übernehmen, die benötigten Mittel aufzubringen und fair auszugeben.»

Plus 14 Prozent

Mehr Schweizer Millionäre

Die Reichen werden reicher. Vor allem gestiegene Aktienkurse trieben das Vermögen der Dollar-Millionäre weltweit 2019 gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent auf insgesamt 74 Billionen US-Dollar. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens Capgemini. Zudem gab es auf der Welt 19,6 Millionen Menschen, die über ein anlagefähiges Vermögen von mehr als einer Million Dollar verfügten – 8,8 Prozent mehr als 2018.

An der Spitze stehen die USA, gefolgt von Japan, Deutschland und China. Diese Länder stehen zusammen für nahezu 62 Prozent der Vermögenden weltweit. Die Schweiz nimmt in dieser Aufstellung den siebten Rang ein: Die Zahl der Dollar-Millionäre stieg um 13,9 Prozent auf 438’000. Ihr Gesamtvermögen stieg um 14,1 Prozent.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
143 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Wetter

15.07.2020, 17:22

Jede Wette: Martullo und Blocher haben garantiert nicht unterschrieben.

Naive.Bevölkerung

15.07.2020, 15:25

Wir haben die Erbschaftssteuer ab 2 Mio. abgelehnt. Die Mehrheit glaubt wohl, sie würden auch soviel erben. Wir lassen es zu, dass Milliardäre mit einem mickrigen Betrag pauschalbesteuert werden. Etwa wie wenn jemand, der 100'000 verdient, 1 Franken Steuern bezahlen würde. Auf Ebene Weltgemeinschaft schaut jedes Land, dass es legale Steuerschlupflöcher schafft. Ganz, ganz wenige profitieren gigantisch, derweil die 99,9 % drauf zahlt. Die ganz breite Masse der Bevölkerung trägt mit hohen Steuern und Gebühren diese Ausfälle.

Chris

15.07.2020, 10:26

Schon bei der erfindung des kapitalismus war klar, sobald die reichen prozentual weniger steuern bezahlen als die armen, geht der kapitalismus bach ab. Warum hält sich kein land daran?