Lausanne: Bestohlene ortet Diebe – Polizei bleibt untätig
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LausanneBestohlene ortet Diebe – Polizei bleibt untätig

Einer Waadtländerin wird das iPhone gestohlen. Als die Familie das Gerät per GPS lokalisiert, alarmiert sie die Polizei. Die kann allerdings nichts unternehmen.

von
vro
Die Handyortung soll verlorene Geräte wieder mit ihren Besitzern vereinen. Wird es jedoch gestohlen, sind der Polizei manchmal trotz GPS-Lokalisation die Hände gebunden.

Die Handyortung soll verlorene Geräte wieder mit ihren Besitzern vereinen. Wird es jedoch gestohlen, sind der Polizei manchmal trotz GPS-Lokalisation die Hände gebunden.

Smartphone-Besitzer bauen darauf, im Falle eines Diebstahls ihr Handy per GPS-Ortung aufspüren und die Diebe überführen zu können. In der Realität ist das aber nicht ganz so einfach, wie ein aktueller Fall zeigt. Einer Waadtländerin wurde vor einem Monat das iPhone geklaut. Die Handy-Ortung zeigte am nächsten Tag, in welchem Gebäude sich das Gerät befand. Die Mutter der Bestohlenen rief daraufhin die Polizei und bat um Hilfe. Die Beamten erklärten ihr, dass sie zuerst eine Anzeige erstatten müsse. Das tat die Familie umgehend, schreibt «Le Matin».

Doch trotz der Anzeige rückte die Polizei noch immer nicht aus. «Ich war sehr frustriert, sie hatten alles, um das Gerät zu finden, haben aber nichts gemacht», sagt die Mutter zur Zeitung. Sie habe eigentlich gedacht, dass die Beamten über ihre Hilfe erfreut seien. «Sie hätten einen Dieb mit allen Smartphones erwischen können, die er gestohlen hat. Das wäre ein guter Fang gewesen.»

Wird der Eintritt verweigert, braucht es eine Bewilligung

Doch den Beamten sind die Hände gebunden. «Befindet sich das Gerät an einem öffentlichen Ort, haben wir die Möglichkeit zu reagieren», sagt Anne Plessz, Sprecherin der Polizei in Lausanne. «Ist es hingegen in einer Wohnung, haben wir nicht das Recht, dort einzudringen.» Deshalb habe man auch im Fall der bestohlenen Waadtländerin nicht eingreifen können.

Bei anderen Polizeikorps bestehen ähnliche Regeln. In Genf beispielsweise ist man jedoch etwas flexibler. «Eine Patrouille geht vor Ort, um die Lage abzuklären», sagt Sylvain Guillaume-Gentil, Sprecher der Kantonspolizei Genf. Dank der Ortungs-App könne sie das Gerät klingeln lassen. Dann bleibt den Beamten jedoch nur die Möglichkeit, an der betroffenen Tür zu klingeln. «Verweigert die Person darin den Eintritt, brauchen wir die Bewilligung einer höheren Instanz», so Guillaume-Gentil.

Staatsanwalt entscheidet

Im Kanton Neuenburg reagieren die Beamten ähnlich. Im vergangenen Juni konnten Polizisten ein verschwundenes Smartphone lokalisieren, indem sie an sämtlichen Türen eines Gebäudes horchten.

Bei der Stadtpolizei Zürich haben sich ebenfalls bereits rund ein halbes Dutzend Personen gemeldet, die ihr gestohlenes Gerät in einem Gebäude oder in einer Strasse orten konnten. Gegen mehrere der mutmasslichen Diebe wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Die Polizei könne aber nur dann ohne Auftrag der Staatsanwaltschaft in Privaträume eindringen, wenn Gefahr in Verzug sei, erklärt Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich.

Es wurden schon Diebe wegen solchen Hinweisen verhaftet

Im Fall eines Handydiebstahls sei dies jedoch nicht der Fall. «Wenn sich ein Gerät in einer Wohnung befindet, heisst das ja nicht, dass der Bewohner es auch gestohlen hat.» Seien die Hinweise jedoch konkret und nachvollziehbar, stünden die Chancen für einen Hausdurchsuchungsbefehl relativ gut. In einer ersten Phase klingelt die Polizei in der Regel an der betroffenen Türe. Ist der Bewohner bereits wegen Diebstahls aktenkundig, besorgen sich die Beamten je nach Situation aber auch direkt einen Hausdurchsuchungsbefehl.

Auch die Kantonspolizei St. Gallen konnte dank der Lokalisierung von Geräten bereits Diebe verhaften. Wichtig sei, dass Bestohlene erstmals eine Anzeige machen, sagt Sprecher Hanspeter Krüsi. Wird das Gerät in einer Wohnung geortet, liege die Entscheidungsgewalt nicht bei den Polizisten. «Um hineinzugehen, brauchen wir einen Hausdurchsuchungsbefehl vom Staatsanwalt», so Krüsi. Dieser entscheide von Fall zu Fall.

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