Zürich: Besuch des Fraumünsters kostet nun Eintritt

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ZürichBesuch des Fraumünsters kostet nun Eintritt

Damit sich Besucher das Fraumünster in Ruhe ansehen können, müssen sich Gruppen voranmelden und pro Person 2 Franken bezahlen. Auch Einzelpersonen werden zur Kasse gebeten.

von
jen
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Über 500'000 Touristen besuchen jährlich das Fraumünster in Zürich.

Über 500'000 Touristen besuchen jährlich das Fraumünster in Zürich.

Keystone/Alessandro Della Bella
Deshalb hat die Kirchgemeinde neue Regeln erlassen, damit wieder Ruhe einkehrt in der Kirche.

Deshalb hat die Kirchgemeinde neue Regeln erlassen, damit wieder Ruhe einkehrt in der Kirche.

Keystone/Alessandro Della Bella
Die maximale Gruppengrösse wird beschränkt und die Guides müssen sich bei der Kirche weiterbilden. Zudem werden Einzelpersonen nun zur Kasse gebeten.

Die maximale Gruppengrösse wird beschränkt und die Guides müssen sich bei der Kirche weiterbilden. Zudem werden Einzelpersonen nun zur Kasse gebeten.

Keystone

Nachdem sich Besucher über den Lärm im Fraumünster beschwert hatten, hat die Leitung entschieden, dass Guides ihre Führungen flüsternd durchführen müssen. Nun ergreift das Fraumünster weitere Massnahmen, um die Ruhe in der Kirche zu gewährleisten, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Neu müssen sich Gruppen voranmelden, mindestens zwei Franken pro Teilnehmer bezahlen und sie bekommen ein Zeitfenster zugeteilt.

Aber nicht nur das: Auch bei Einzelbesuchern werden jetzt Regelungen eingeführt. Touristen, die die Kirche besuchen wollen, werden auf der Seite des Kassenschalters von einer Aufsichtsperson angesprochen und zum freiwilligen Kauf einer Infobroschüre für zwei Franken gebeten. Wenn die Touristen die Krypta unter dem Kirchenchor anschauen wollen, die nun öffentlich zugänglich ist und ein kleines Museum beinhaltet, müssen sie eine Broschüre kaufen und einen Audioguide gegen Gebühr ausleihen.

Pilotprojekt soll ausgeweitet werden

«Das Konzept ist noch nicht ausgereift und es ist aufwendiger als gedacht», sagt Kirchenpfleger Hans-Hinrich Dölle. Denn für die neue Regelung müssen ständig drei Mitarbeiter anwesend sein, die die Besucher leiten und ansprechen. Diese müssen sich einiges anhören. Denn einige Besucher fühlen sich durch das Lenkungssystem belästigt.

Trotzdem will das Fraumünster das Konzept beibehalten. Auch das Grossmünster wird nachziehen. Die beiden Kirchengemeinden sehen die Regelung im Fraumünster als Pilotprojekt. Die Massnahmen seien in beiden Kirchen notwendig, da der Besucherstorm stetig ansteige. Es kam schon vor, dass sich an einem Tag 2000 Besucher die Zürcher Münster ansahen. Vor allem die grossen Gruppen – manchmal bis zu 60-köpfige-Reisegruppen – bereiteten Probleme.

Zweifel bei Zürich Tourismus

«Die Idee, dass sich Gruppen ab fünf Personen vorher anmelden müssen, hilft sicherlich, wieder mehr Ruhe ins Fraumünster einkehren zu lassen», sagt Ueli Heer, Mediensprecher von Zürich Tourismus. Dennoch begrüssen sie es, wenn möglichst viele Toruisten das Fraumünster besuchen: «Wenn wegen der neuen Richtlinien grössere Gruppen um den Besuch des Fraumünsters gebracht würden, wäre dies schade.»

Hans-Heinrich Dölle bestreitet nicht, dass das neue Projekt noch nicht perfekt ist, hält aber fest: «Wir leisten damit einen Beitrag für einen qualitativ hochstehenden Kulturtourismus.» Deshalb stünde zur Diskussion, ob die Kirche beispielsweise eine Stunde pro Tag nur für Gläubige offen sein solle oder ob die freiwilligen Spenden der Touristen in einfache Eintrittsgebühren umgewandelt werden.

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