Aktualisiert 26.02.2010 18:43

Geschlossene GesellschaftBesucher geschockt - Kino wird zum Gefängnis

Rund eine halbe Stunde waren sämtliche Besucher des Basler Kino Rex 2 im Saal eingeschlossen. Obwohl das Personal informiert worden war, hatte sich niemand um die Eingesperrten gekümmert.

von
Annette Hirschberg
In diesem Kinosaal im Rex 2 in Basel, waren Kinogänger unfreiwillig eine halbe Stunde lang eingesperrt.

In diesem Kinosaal im Rex 2 in Basel, waren Kinogänger unfreiwillig eine halbe Stunde lang eingesperrt.

Für Simon S.* ist das Vorgefallene auch zwei Wochen später noch unglaublich: Am Ende der Vorführung des Films «It's Complicated», wollten er und ein Dutzend weitere Besucher den Saal verlassen. Doch sie mussten feststellen, dass der Filmtitel Programm war: Sämtliche Türen liessen sich nicht öffnen. Heftiges Klopfen und laute Hilferufe nützten nichts: Niemand schien zu bemerken, dass sie eingesperrt waren. «Wir blickten sogar durch die Projektionsluke, doch der Projektionsraum war menschenleer», so Simon S. Gleichzeitig fiel allen auf, dass die Lüftungsanlage, die sich noch vor Filmende mit einem Knall eingeschaltet hatte, mit lautem Geräusch lief.

Kein Handyempfang

Nun griffen die Besucher zu den Handys, doch die meisten hatten gar keinen Empfang. Einer Frau gelang es nach einiger Zeit, die Verbindung zur Kino Theater Basel AG (Kitag) herzustellen, wurde dort aber in die Warteschleife geschickt und konnte mit niemandem reden. «Die Situation wurde langsam verzweifelt», so Simon S. Denn die Luft im Saal war merklich dünn geworden. Schliesslich konnte eine Besucherin den allgemeinen Notruf 112 anwählen und die Rettungskräfte darüber informieren, dass mehrere Besucher im Kinosaal eingesperrt waren.

Defekt in der Lüftung

Mittlerweile war eine halbe Stunde vergangen. Da bemerkten die Kinogänger, dass das Geräusch der Lüftungsanlage leiser wurde. Wieder versuchten sie die Türen aufzumachen und stellten fest, dass diese ein wenig nachgaben. «Mit grosser Kraftanstrengung konnten wir die Türen aufstemmen», sagt Simon S.

Wegen Vorpremiere keine Zeit

Mit der Befreiung war der Ärger aber noch nicht vorbei. Verwundert mussten die Eingesperrten feststellen, dass die nächsten Kinogänger das Klopfen und die Hilferufe gehört und das Kinopersonal informiert hatten. «Doch dort hatte sich niemand wirklich darum gekümmert.» Im Rex 1 fand nämlich an jenem Abend eine Vorpremiere mit grossem Publikumsandrang statt, die offenbar die ganze Aufmerksamkeit des Personals beanspruchte.

Zwei Freikarten als Entschuldigung

Erst nachdem die Befreiten mit Nachdruck den Chef verlangten, kam dieser und liess sich die Situation schildern. Für die Unannehmlichkeiten offerierte die Kitag jedem Kinobesucher zwei Freikarten. «Dies akzeptierten wir als Entschuldigung», so Simon S. Zudem reagierte die Kitag nach eigenen Angaben sofort auf das Problem und untersuchte den Saal.

Klappe ging nicht auf

Spezialisten fanden schnell die Ursache: Die Lüftungsanlage war defekt. «In der Zuluftanlage des Kinos war ein Klappenmotor kaputt. Dadurch blieb die Klappe zu und es konnte keine Luft ins Kino gelangen», , sagt Kitag-Geschäftsführer Daniel Gschwind. Weil die Abluft lief, sei ein Unterdruck entstanden und die Türen hätten sich nur schwer öffnen lassen. «Wie gefährlich die Situation insbesondere durch die rapide sinkende Luftqualität war, wurde uns erst bewusst, als wir draussen waren», sagt Simon S.

«Das Personal muss immer die Türen öffnen»

Das Problem sei innert zwei Tagen behoben und mittlerweile von der Feuerpolizei wieder abgenommen worden, sagt Gschwind von der Kitag. Dazwischen habe das Personal die Lüftung manuell bedient. Für Simon S. bleibt dennoch das mulmige Gefühl, dass lange niemand im Kino etwas bemerkt hat. Auch Gschwind ist das gar nicht recht. «Ich habe das Personal angewiesen, am Ende der Vorstellung immer die Türen zu öffnen», sagt Gschwind. Dieser Service gehöre sich für ein Kino. «Ich weiss nicht, wieso dies an jenem Abend nicht gemacht wurde.»

*Name der Redaktion bekannt

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