Gletscher-Schmelze: Beten in Zeiten des Klimawandels
Aktualisiert

Gletscher-SchmelzeBeten in Zeiten des Klimawandels

Die Walliser Katholiken wünschen der Schweiz zum Geburtstag nur das Beste. Seit jeher beten sie deshalb am Tag vor dem 1. August dafür, dass der Aletschgletscher nicht mehr wächst - bis zu diesem Jahr.

von
jbu

Seit Jahrhunderten beteten die Katholiken in Fiesch dafür, dass der Aletschgletscher nicht mehr wächst. Jetzt beten Sie dafür, dass er nicht weiter schrumpft.

Es ist paradox: Während Jahrhunderten haben die Bewohner von Fiesch VS Jahr für Jahr für die Gletscherschmelze gebetet. Mit durchschlagendem Erfolg: Der Aletschgletscher hat sich stark zurückgezogen. In diesem Jahr bitten die Fiescher erstmals, der Gletscher möge nicht mehr schmelzen.

Dieser Bruch mit der Tradition musste aber erst vom Papst abgesegnet werden. Herbert Volken, Präfekt des Bezirks Goms, war schon vor drei Jahren bei Papst Benedikt XVI. mit der Bitte vorstellig geworden, das Gelübde umkehren zu dürfen. Im August 2010 traf der positive Bescheid aus Rom ein: Fortan darf die Erderwärmung in die Prozessions-Fürbitten eingeschlossen werden.

Gletscherschmelze im Zeitraffer

Gelübde geändert

Nachdem der 31. Juli im letzten Jahr auf einen Sonntag gefallen und die Prozession deshalb nicht durchgeführt worden war, ist es nun soweit: Am kommenden Dienstag findet die frühmorgendliche Prozession von Fiesch zur Kapelle im Ernerwald erstmals unter geänderten Vorzeichen statt.

Wassermassen aus dem Märjelensee, einem typischen Gletscherrandsee, hatten einst wiederholt Zerstörung über die Walliser Gemeinde gebracht. 1678 legten die Katholiken von Fiesch deshalb ein vom damaligen Papst Innozenz XI. genehmigtes Gelübde ab, den Naturgewalten ein Ende zu setzen. Seither wurde jeweils am 31. Juli jeden Jahres eine Prozession mit Gebeten gegen das Wachstum des Gletschers durchgeführt.

Die Fiescher blieben in der Folge tatsächlichen vor grösseren Katastrophen verschont, wie Renato Julier von Eggishorn Tourismus auf Anfrage sagte. Durch den steten Rückgang des Gletschers hat sich das Gelübde allerdings überholt. Heute gilt es, den Gletscher als Trinkwasserreservoir und insbesondere als Touristenattraktion zu erhalten.

(jbu/sda)

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