Aktualisiert

GlaubensfanatismusBeten statt Arzt holen

Ein amerikanisches Ehepaar liess seine kranke Tochter sterben: Die beiden gläubigen Christen beteten lieber, als den Arzt zu holen. Jetzt wurden sie verurteilt.

von
dhr

Madeleine «Kara» Neumann war erst elf Jahre alt, als sie sterben musste. Das Kind, dessen strenggläubige Familie in Weston im US-Staat Wisconsin wohnt, litt an einer Form von Diabetes. Doch es war nicht wirklich diese Krankheit, die dem Mädchen zum Verhängnis wurde — es war die religiöse Verblendung ihrer Eltern. Als Komplikationen eintraten, riefen Dale und Leilani Neumann nicht einen Arzt, der ihrer Tochter mit einer einfachen Insulingabe das Leben hätte retten können. Die beiden tiefgläubigen Christen zogen es vor, für die kranke Madeleine zu beten. Die Elfjährige starb im März 2008 zu Hause im Kreise ihrer betenden Angehörigen, wie der Online-Dienst postcrescent.com berichtet.

Sechs Monate Gefängnis

Jetzt mussten Dale und Leilani Neumann ihre verfehlte Hilfeleistung vor Gericht verantworten. Den beiden drohte eine Freiheitsstrafe von maximal 25 Jahren; aber Richter Vincent Howard fällte ein — zumindest für die Gepflogenheiten der amerikanischen Justiz — erstaunlich mildes Urteil. Die Eltern erhielten je sechs Monate Gefängnis, die sie über die nächsten sechs Jahre hinweg absitzen müssen. Jedes Jahr wandert der eine Ehepartner im März für einen Monat ins Gefängnis, der andere im September. Die Bewährungszeit erstreckt sich über zehn Jahre; die anderen drei Kinder des Ehepaars müssen sich zudem bis zu ihrem 18. Lebensjahr in regelmässigen Abständen medizinisch untersuchen lassen.

Göttliche Lektion

Howard zeigte viel Verständnis für die Angeklagten. Sie seien «sehr gute Menschen», erklärte der Richter, die «eine Familie grossgezogen, aber eine schlechte Entscheidung getroffen haben, eine undurchdachte Entscheidung.» Nun hätten sie beide genug Zeit, um «über Kara nachzudenken, und darüber, was Gott euch daraus lernen lassen möchte». Schliesslich erklärte Howard dem Ehepaar, «Gott wirkt wahrscheinlich mittels anderer Menschen; einige von ihnen sind Ärzte.»

Deine Meinung