Aktualisiert 03.04.2020 03:34

Personalmangel

Betriebe können Lernende von der Schule nehmen

Wegen der Corona-Krise können Betriebe ihre Lernenden bei Bedarf von der Berufsschule dispensieren.

von
zoa
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Seit Dienstag können Lehrbetriebe bei den Kantonen Dispensationen vom Unterricht der Lernenden beantragen.

Seit Dienstag können Lehrbetriebe bei den Kantonen Dispensationen vom Unterricht der Lernenden beantragen.

Jacoblund
Das Berufsbildungsamt Zürich hat bisher zehn Dispensations-Anträge erhalten. Die meisten kamen von Apotheken, Drogerien und Kindertagesstätten.

Das Berufsbildungsamt Zürich hat bisher zehn Dispensations-Anträge erhalten. Die meisten kamen von Apotheken, Drogerien und Kindertagesstätten.

Alvarez
«Noch vor rund zwei Wochen war der Ansturm auf die Apotheken enorm», erzählt der Präsident des Apothekerverbands des Kanton Zürich (AVKZ), Dr. Lorenz Schmid. Mittlerweile habe sich die Lage beruhigt.

«Noch vor rund zwei Wochen war der Ansturm auf die Apotheken enorm», erzählt der Präsident des Apothekerverbands des Kanton Zürich (AVKZ), Dr. Lorenz Schmid. Mittlerweile habe sich die Lage beruhigt.

Seit Dienstag können Lehrbetriebe bei den Kantonen Dispensationen vom Unterricht der Lernenden beantragen. Die Betriebe müssen mittels eines Formulars begründen, weshalb die Lernenden im Zusammenhang mit dem Coronavirus vom Unterricht befreit werden sollen.

Lernende sollen nicht darunter leiden

Ziel sei es, zum Beispiel Spitäler, Drogerien, Apotheken oder Lebensmittelläden die Möglichkeit zu geben, allfällige temporäre Personalmängel durch den Einsatz von Lernenden abzudecken, erklärt Tiziana Fantini vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (BFSI). Solche Dispensationen seien jedoch nur temporär und der Unterricht an der Berufsfachschule müsse zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden – zulasten der Arbeitszeit im Betrieb.

«Die Ausbildung und die Lehrabschlussprüfungen haben natürlich Priorität», sagt Laura Perret vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Man müsse für die Lehrlinge sowie für die Unternehmen eine gemeinsame Lösung finden. Zudem seien die Lernenden jetzt schon unter Druck, da sie Homeschooling machen und mehr selbstständig zuhause lernen müssen. Würden sie in der Schule und im Betrieb nun doppelter Belastung ausgesetzt sein, hätte das schlechte Auswirkungen auf die Lernenden. Die Jungen dürfen nicht die Notleidenden des Coronavirus sein.

Normalität in den Apotheken

«Noch vor rund zwei Wochen war der Ansturm auf die Apotheken enorm», erzählt der Präsident des Apothekerverbands des Kanton Zürich (AVKZ), Dr. Lorenz Schmid. «Wir empfehlen den Mitgliedern nicht aktiv, ein Gesuch für Schuldispensen zu beantragen.» Trotzdem: Es gebe Apotheken, die auf die Lernenden angewiesen seien, so Schmid. Klar sei aber, dass die Lernenden nicht darunter leiden dürfen. Zudem habe sich die Lage in den letzten sieben Tagen wieder beruhigt. Die Menschen blieben zu Hause. Es gebe sogar Apotheken, die Kurzarbeit beantragt hätten.

Betriebe verzichten auf Antrag

Das Berufsbildungsamt Zürich hat bisher zehn Dispensationsanträge erhalten. Die meisten kamen von Apotheken, Drogerien und Kindertagesstätten. Laut Christophe Nydegger von der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz sind jedoch nicht einmal bei der Hälfte aller Kantone solche Dispensationsanträge eingegangen. Weiter betroffen seien Betriebe aus der Gesundheits- und Detailhandelsbranche.

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