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LehrlingsmangelBetriebe machen via Facebook Jagd auf Stifte

In der Schweiz sind noch knapp 10'000 Lehrstellen offen. Die Bau- und Gastrobranche suchen verzweifelt Nachwuchs.

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daw/vb
«Rock the Rössli»: Mit einer Kampagne in den sozialen Netzwerken will das Gastgewerbe den Kochberuf wieder beliebter machen.

«Rock the Rössli»: Mit einer Kampagne in den sozialen Netzwerken will das Gastgewerbe den Kochberuf wieder beliebter machen.

Der Lehrlingsmangel spitzt sich zu: Gemäss dem Lehrstellennachweis der Kantone sind 9'739 offene Lehrstellen in der Schweiz gemeldet – und schon in wenigen Wochen fängt die Berufsschule an. Dieses Jahr dürfte jede zehnte Lehrstelle in der Schweiz nicht besetzt werden. Auch weil weniger Jugendliche eine Lehrstelle suchen als noch letztes Jahr.

Nicht gefragt sind Jobs auf dem Bau, wo 2'344 offene Lehrstellen gemeldet sind. So werden 470 angehende Elektroinstallateure, 150 Maler oder 112 angehende Strassenbauer verzweifelt gesucht. Auch im Bereich Gebäudetechnik (1'298), im Verkauf (1'221) oder im Gastgewerbe (951) fehlen Lehrlinge.

Körperliche Arbeit ist unbeliebt

Tiziana Fantini vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation stellt fest, dass bei Jungen körperlich anstrengende Tätigkeiten weniger gefragt sind. Diese «arbeiten vermutlich lieber im Büro, als sich draussen Hitze, Regen oder Schnee auszusetzen».

Auch André Monhart vom Amt für Jugend und Berufsberatung sagt, dass handwerkliche Berufe nach wie vor ein Image-Problem hätten. «Diese leiden deshalb besonders unter dem Lehrlingsmangel.» Dagegen seien die Schüler in einer komfortablen Position und könnten auswählen.

Werbung auf Facebook und Instagram

Weil in den betroffenen Branchen der Kampf um den besten Nachwuchs immer härter wird, versuchen viele mit Kampagnen, die Ausbildungen besser zu vermarkten. So erinnert etwa Josef Wiederkehr, Präsident der Gerüstbauer, auf Twitter daran, dass Handwerk goldenen Boden habe und buhlt mit einem Youtube-Video um Nachwuchs.

Auch die Gastgewerbe-Verbände Gastrosuisse und Hotelleriesuisse haben eine Social-Media-Offensive gestartet und werben mit einer Kampagne namens «Rock the Rössli» auf Facebook, Instagram und Youtube für ihre Ausbildungen. Im Gastgewerbe fehlen gemäss dem Lehrstellennachweis schweizweit allein 298 angehende Köche. Neben den geburtenschwachen Jahrgängen muss laut Gastrosuisse-Vizedirektor Daniel C. Jung auch wegen der Arbeitszeiten speziell viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. «Das Gastgewerbe findet dann statt, wenn andere frei haben, also auch am Abend und an den Wochenenden.» Zudem sei es gerade für Betriebe auf dem Land oder in den Bergregionen schwieriger, Lernende zu rekrutieren.

Branchen jagen sich beste Talente ab

Beim Baumeisterverband geht man ebenfalls neue Wege: «Die Konkurrenz zwischen den Ausbildungen ist gross und auch die Jugendlichen sind fordernder geworden», sagt Ueli Büchi vom Baumeister-Verband. Er gehe davon aus, dass rund 250 Lehrstellen für die Maurerausbildung nicht besetzt werden können. Man habe darum Pilot-Projekte auf Facebook und Co. lanciert. Daneben setze man auch auf professionelle Info-Filme an Berufsmessen und versuche vermehrt, auch das Umfeld der Jugendlichen zu bearbeiten – von der Mutter bis zum Lehrer.

«Unser Ziel ist es, dass Lehrer, die selbst einen akademischen Hintergrund haben, unsere Berufe und die hervorragenden Karrieremöglichkeiten im Unterricht thematisieren», sagt Büchi. Sollten diese Massnahmen nicht fruchten, müsse darüber nachgedacht werden, wie man vermehrt Quereinsteiger für den Beruf gewinnen könne.

So suchen die Gerüstbauer Nachwuchs:

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