Aktualisiert 06.02.2014 08:07

Youporn-Falle

«Betroffene sollten nicht bezahlen»

Wer übers Smartphone unfreiwillig einen Vertrag abschliesst, muss die Kosten nicht begleichen. Das sagen Konsumentenschützer und erheben Vorwürfe gegen die Mobilfunkanbieter.

von
nj
Youporn verdient sein Geld vor allem mit Bannerwerbungen – die tückische Kostenfallen sein können.

Youporn verdient sein Geld vor allem mit Bannerwerbungen – die tückische Kostenfallen sein können.

Er klickte auf der mobilen Seite von Youporn ein vermeintliches Video an, hinter dem sich ein Werbebanner versteckte. Ohne es zu merken, soll ein Leser-Reporter so einen Vertrag über die Zusendung von Hardcore-Filmchen abgeschlossen haben. Ein Service, für den ihm der Anbieter via Swisscom Fr. 9.90 pro Woche in Rechnung gestellt habe. Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz rät, nicht zu bezahlen. «Wenn nicht klar eine Leistung gegen einen bestimmten Preis angeboten und vom Betroffenen als Offerte angenommen wurde, besteht laut Gesetz kein gültiger Vertrag.» Ein Fakt, um den sich einige Anbieter offenbar wenig scheren: Täglich gehen Reklamationen von Geschädigten ein. «Uns wurden schon Fälle gemeldet, in denen kostenpflichte SMS-Dienste verschickt wurden, ohne dass jemand auch nur irgendwo ein Feld angeklickt hätte. Hier wurde offenbar blindlings an verschiedene Handynummern versandt», sagt Stalder.

In vielen Fällen würden die Geschädigten erst nach Wochen oder gar Monaten merken, dass auf der Handyrechnung regelmässig ein unbekannter Posten auftaucht.«Dann sollten sie die Kosten für den Dienst nicht mehr bezahlen und dies in einem eingeschriebenen Brief ihrem Mobilfunkanbieter mitteilen», sagt Stalder. Einkassiert wird nämlich nicht von den Anbietern der sogenannten Mehrwertsdienste, sondern unter anderem durch Sunrise und Swisscom.

Swisscom und Sunrise verdienen selber mit

Sollte der Mobilfunkanbieter auf der Summe bestehen und Mahnungen versenden, empfiehlt sich der Gang zur Ombudscom – der Ombudsstelle der Telekommunikationsbranche. «In der Regel wird während des Schlichtungsverfahrens ein Mahnstopp beim Fernmeldedienstanbieter eingerichtet, so dass der Kunde die bestrittenen Gebühren nicht bezahlen muss», sagt Ombudsmann Oliver Sidler. Er macht Betroffenen Hoffnung: «Wird im Rahmen des Schlichtungsverfahrens festgestellt, dass zwischen dem Kunden und dem Mehrwertdienstleister kein Vertrag rechtsgültig zustande gekommen ist, muss der Kunde keine Kosten an den Fernmeldedienstanbieter bezahlen.»

Wer diesen Weg geht, läuft jedoch Gefahr, dass er in der Zwischenzeit betrieben oder die Forderung an eine Inkassofirma weitergegeben wird. «Das macht natürlich vielen Angst», sagt Stalder. Für sie steht deshalb fest, dass Firmen, die unlauter vorgehen, verboten werden müssen. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg. Es bleibe kurzfristig also nur der Appell an die Mobilfunkfirmen. Diese könnten etwa eigene Bestätigungsseiten einrichten. Auf diesen müsste der Kunde sein Interesse an einem Service nochmals klar mitteilen, bevor ein Vertrag entsteht. «Die Unternehmen sind aber nicht immer gleich kulant, schliesslich verdienen sie ja selbst an den Premium-SMS-Diensten mit.»

Die Swisscom hat Kundenschutz bereits erhöht

Die Swisscom hat vor einigen Monaten reagiert. Alle Mehrwertdienste hätten seit einem Beitrag zum Thema in der Sendung «Kassensturz» eine transparente Kaufbestätigungsseite, heisst es auf Anfrage. Bei den kostenpflichtigen Premium-SMS-Nachrichten werde zudem ein sogenanntes Opt-in verlangt. Dabei handelt es sich um ein SMS, das vom Handy des Kunden aus gesendet wird. «Der Anbieter muss dieses Opt-in gegenüber dem Kunden vorlegen können, um so zu beweisen, dass ein Kunde diesen Dienst einmal bestellt hat», sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. Fehlt ein Beweis mittels Opt-in, sollten Kunden die Swisscom informieren. «In solchen Fällen mahnen wir den Diensteanbieter ab und prüfen die verrechneten SMS.»

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