In einem offenen Brief: Betroffene warnen Bundesrat vor Corona-Langzeitfolgen
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In einem offenen BriefBetroffene warnen Bundesrat vor Corona-Langzeitfolgen

Corona-Opfer intervenieren beim Bundesrat mit einem offenen Brief. Sie fordern einen Kurswechsel, um Langzeitfolgen von Corona-Infektionen zu vermeiden.

von
Pascal Michel
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Bis Mitte Dezember 2020 starben in der Schweiz rund 6000 Menschen mehr als prognostiziert.
Insgesamt haben sich seit Ausbruch der Pandemie in der Schweiz 442 481 Personen infiziert.

Insgesamt haben sich seit Ausbruch der Pandemie in der Schweiz 442 481 Personen infiziert.

Tamedia AG
Eine Gruppe von Betroffenen hat deshalb einen offenen Brief an den Bundesrat lanciert.

Eine Gruppe von Betroffenen hat deshalb einen offenen Brief an den Bundesrat lanciert.

Franziska Rothenbuehler

In der Schweiz haben sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie 442’481 Personen mit dem Virus infiziert. 6909 sind seither gestorben. Bis Mitte Dezember 2020 starben in der Schweiz rund 6000 Menschen mehr als prognostiziert.

Für einige, die die Infektion überlebt haben, ist an Normalität jedoch nicht zu denken. So berichtete etwa der Aktivist Che Wagner auf Twitter über das Schicksal seiner 26-jährigen Frau, die seit einer Corona-Infektion im Rollstuhl sitzt. «Momentan kann sie nicht mehr als 50 Meter laufen, ohne völlig k. o. zu sein. Wir hätten nie gedacht, dass die Krankheit so einschneidend sein könnte.»


Zusammen mit Dutzenden weiteren Betroffenen, die an den Langzeitfolgen leiden, rufen Aktivisten aus der Zivilgesellschaft nun den Bundesrat in einem offenen Brief zu einem Strategiewechsel auf. «Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu einem Drittel der Erkrankten unter ‹Long Covid› leiden», heisst es im Brief. Gemäss einer britischen Studie leide einer von zehn Betroffenen an massiven Schäden, die noch Monate später therapeutische Pflege nötig machten.

«Für die Zehntausenden Menschen, die es in der Schweiz bereits betrifft, hat die Politik noch immer kein Betreuungs- und Reintegrationskonzept», kritisieren die Betroffenen. Sie fordern «einen sofortigen Kurswechsel». «Wir müssen jetzt handeln und verhindern, dass unzählige weitere Menschen am Coronavirus sterben oder möglicherweise an schweren Langzeitfolgen leiden. Das ist die Verantwortung, die der Bundesrat und wir als Gesellschaft jetzt übernehmen müssen», so Che Wagner, Mitorganisator des offenen Briefs.

Bundesrat solle Rat der Experten ernst nehmen

Die Köpfe hinter dem offenen Brief fordern vom Bundesrat eine «Long-Covid-Strategie». Die Regierung müsse dazu die nötigen Gelder der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Zudem solle eine Anlaufstelle für Betroffene geschaffen werden. «Alle positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Personen müssen einen freiwilligen und kostenfreien Check-up, der eine Beratung zu Langzeitschäden und zu den entsprechenden Behandlungsmethoden ermöglicht, erhalten.» Daneben fordern sie, dass die Stimmen der Taskforce-Experten mehr Gehör erhalten, der Staat die von weitergehenden Massnahmen betroffenen wirtschaftlichen Akteure zeitnah entschädigt sowie das Gesundheitspersonal adäquat entlöhnt.

Den Aufruf unterzeichnet haben neben dem Epidemiologen Christian Althaus auch der Schriftsteller Lukas Bärfuss, der Künstler Patrick Frey und der Schriftsteller Jonas Lüscher, der nach einer Covid-Infektion neun Wochen auf der Intensivstation verbrachte.

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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