«Time-out»: «Betrüger» beim besten Spengler Cup aller Zeiten
Aktualisiert

«Time-out»«Betrüger» beim besten Spengler Cup aller Zeiten

Der HC Davos und der HC Fribourg-Gottéron stehen beim besten Spengler Cup aller Zeiten im Halbfinale. Die NLA ist die beste Liga der Welt.

von
Klaus Zaugg

Der Spielbetrieb in der NHL ruht. Die NHL ist mit 30 Teams und einem Umsatz von 3,3 Milliarden Dollar die sportlich und wirtschaftlich beste Liga der Welt.

Weil in der NHL der Spielbetrieb ruht, sind mehr als 20 NHL-Superstars beim Spengler Cup engagiert. Das halbe Team Canada besteht aus NHL-Superstars. Noch nie haben die Kanadier zu Hause den Spengler Cup so aufmerksam verfolgt. Endlich, endlich sehen sie ein paar ihrer Lieblinge in Aktion.

Es geht um mehr als nur Spass

Die Präsenz der NHL-Titanen hat starken Einfluss auf das Turnier. Erstens einmal stehen mehr Weltklassespieler als je zuvor im Einsatz. Und zweitens geht es gerade wegen dieser hockeyweltweiten Aufmerksamkeit um mehr als einfach ein bisschen Spass. Für Team Canada ist der Turniersieg sozusagen eine heilige Pflicht. Es hat wahrscheinlich beim Spengler Cup noch nie so viele so hochstehende und intensive Partien gegeben wie 2012. Auch wenn wir mit diesem Superlativ vorsichtig sein sollten – ich wage die Behauptung: 2012 ist der beste Spengler Cup aller Zeiten. Und: Die NLA ist mit zwei Teams im Halbfinale vertreten und so lange in der NHL nicht gespielt wird, eine der besten Ligen der Welt. Vielleicht an einem guten Tag sogar die beste.

Mannheim, der Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga DEL war gegen den NLA-Leader Gottéron chancenlos und verlor 2:5. Ufa, Russlands Meister von 2011, ist vom HC Davos gar gedemütigt worden. 5:1 nach einem Drittel, nach zweimaligem Goaliewechsel der Russen endete das Spektakel mit einem 7:5 für Davos. Es ist die schlimmste Niederlage für eine russische Mannschaft gegen ein Schweizer Team seit der Champions-League-Finalniederlage von Magnitogorsk gegen die ZSC Lions (0:5) im Januar 2009. Gottéron spielt heute gegen Team Canada, Davos gegen Vitkovice um den Finaleinzug.

Die Davoser «Betrüger»

Zugs Trainer Doug Shedden, hier Cheftrainer von Team Canada, pflegt die Davoser als «Cheater» zu bezeichnen. Wörtlich übersetzt bedeutet dieser Ausdruck «Betrüger». In der Eishockeysprache ist indes etwas anderes gemeint: Es ist das Lob für eine taktisch schlaue Spielweise. Also eine hockeytechnische Schlaumeierei. Als «Cheater» werden gerne jene Teams bezeichnet, die blitzschnell kontern. Es gibt sogar eine wissenschaftliche Untersuchung, die beweist, dass eine Kontertaktik immer besser ist als wuchtiges Powerhockey.

Während der WM 1985 in Prag haben Studenten jedes Tor analysiert und dabei herausgefunden, dass mehr als ein Drittel aller Treffer nicht nach Druckphasen erzielt werden. Sondern nach schnellen Gegenangriffen.

Der HC Davos ist an einem guten Abend die beste Kontermannschaft ausserhalb der NHL. Schlauheit, Präzision, Disziplin und Tempo sind die Elemente für diese Kontertaktik. Das 3:1 gegen Ufa ist in Entstehung und Vollendung das perfekte Kontertor: Der lange Pass von Josef Marha aus der eigenen Zone heraus und dann das Zusammenspiel zwischen Dario Bürgler und Joe Thornton, der die Scheibe nur noch ins leere Tor schieben musste.

Brunner und Diaz in der Nebenrolle

Die Russen spielten viel zu naiv vorwärts, riskierten zu viele Diagonalpässe – sie waren der ideale Gegner für eine schlaue Kontermannschaft und bereits nach 20 Minuten war alles vorbei (5:1) – am Ende stand es 7:5. Es ist auch kein Zufall, dass die Verstärkungs-Spieler (Diaz, Brunner) in der alles entscheidenden Startphase eine Nebenrolle spielten. Die Partie wurde bis zur Entscheidung geprägt durch die die in jahrelanger Trainingsarbeit ins System eingefuchsten HCD-Spieler, zu denen auch Joe Thornton gehört – schliesslich trainiert er jeden Sommer mit den Davosern.

Trainer Arno Del Curto steht nun im Halbfinale gegen Vitkovice vor einer ganz besonderen Herausforderung: Dieses tschechische Spitzenteam spielt nach dem gleichen Konterschema wie der HCD.

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