Aktualisiert 28.05.2019 11:28

40 Monate Gefängnis

Betrüger-Casanova bringt Frauen um 180'000 Fr

Er brachte Frauen mit Charme und Lügen um ihr Geld. Nun verurteilte das Obergericht Zürich den Betrüger-Casanova zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten.

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Das Obergericht Zürich verurteilte am 28. Mai 2019 einen ausgebildeten Chirurg zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten.

Das Obergericht Zürich verurteilte am 28. Mai 2019 einen ausgebildeten Chirurg zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten.

Keystone/Ennio Leanza
Der heute 62-Jährige erschwindelte sich zwischen Frühling 2013 und Anfang 2016 von drei Frauen insgesamt über 180'000 Franken.

Der heute 62-Jährige erschwindelte sich zwischen Frühling 2013 und Anfang 2016 von drei Frauen insgesamt über 180'000 Franken.

Keystone/Ennio Leanza
Das Geld gab er für seine persönlichen Bedürfnisse aus.

Das Geld gab er für seine persönlichen Bedürfnisse aus.

Keystone/Ennio Leanza

Ein heute 62-Jähriger erschwindelte sich zwischen Frühling 2013 und Anfang 2016 von drei Frauen insgesamt über 180'000 Franken. Das Geld gab der ausgebildete Chirurg für seine persönlichen Bedürfnisse aus. Die Frauen lernte er jeweils über Kontaktinserate kennen – teilweise führte er mehrere Beziehungen gleichzeitig.

Das Bezirksgericht Winterthur hatte den Schweizer deshalb im Januar 2018 wegen gewerbsmässigen Betrugs mit 44 Monaten Freiheitsentzug bestraft. Der Beschuldigte hatte das Urteil angefochten. Er wollte vor dem Obergericht Zürich gestern einen Freispruch erreichen. Zudem plädierte sein Verteidiger für eine ambulante Massnahme, zu deren Gunsten der Strafvollzug aufgeschoben werden sollte.

Voll schuldfähig

Mit beiden Forderungen blitzte er jedoch gestern ab ab. Für die Anordnung einer Massnahme, also einer Therapie, fehle die Voraussetzung einer schweren psychischen Störung, sagte der Gerichtsvorsitzende. Gemäss psychiatrischem Gutacher ist der Beschuldigte voll schuldfähig. Am Ende senkte das Obergericht die Freiheitsstrafe leicht auf 40 Monate.

Der Fall kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden. Der Staatsanwalt erklärte sich zufrieden mit dem Obergerichtsurteil. Die leichte Strafreduktion könne er nach den mündlichen Ausführungen des Gerichtsvorsitzenden gut nachvollziehen.

Einschlägig vorbestraft

Der Beschuldigte hatte jahrelang Frauen dazu gebracht ihm teils hohe Geldsummen anzuvertrauen. Er war deswegen bereits 2013 im Kanton Bern zu einer teilbedingten Strafe verurteilt worden. Dort waren es sieben Opfer. Den unbedingten Teil der Strafe verbüsste er im offenen Strafvollzug. Die damals bedingt erlassenen 18 Monate wurden vom Bezirksgericht und nun auch vom Obergericht ins Strafmass einbezogen.

Schon während des Verfahrens, in der Probezeit und aus dem Vollzug heraus delinquierte er im Kanton Zürich weiter. Seine Abwesenheit während des Strafvollzugs begründete er gegenüber den Frauen damit, dass er einen Rebberg im Tessin gekauft habe und dort einen Winzerkurs absolviere. Damit habe er «eine selten gesehene Unverbesserlichkeit» bewiesen, sagte der Gerichtsvorsitzende.

Charismatisches Auftreten

Mit seinem «charismatischen Auftreten» und Versicherungen seiner Liebe habe er bei den Frauen Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft geweckt. Er habe sie «schnell emotional an sich gebunden», so der Richter. Die Frauen vertrauten ihm.

Der Mann erzählte den ihnen einen jeweils individuell auf ihre Bedürfnisse angepassten Mix aus Fakten und Lügengeschichten. Er stellte sich als wohlhabenden Chirurgen dar, der in Privatkliniken praktiziere und an der Goldküste wohne. Tatsächlich ging er laut Gericht keiner geregelten Arbeit nach, hatte keine Wohnung und sass auf einem Schuldenberg von mehreren hunderttausend Franken.

Die ihm anvertrauten Gelder versprach er gewinnbringend anzulegen. Er gaukelte seinen Opfern gute Beziehungen zu Brokern vor und brachte sie dazu, ihre «Anlagen» immer wieder aufzustocken. In Wirklichkeit verwendete er die Gelder für seine persönlichen Bedürfnisse.

«Raffiniert und perfide»

Er habe in klarer Bereicherungsabsicht gehandelt, sagte der Gerichtsvorsitzende. Dabei sei er direkt vorsätzlich, «raffiniert und perfide» vorgegangen. Wie schon am Bezirksgericht Winterthur machte der Beschuldigte auch vor dem Obergericht von seinem Recht auf Aussage Verweigerung Gebrauch. (sda)

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