Occasionen: Betrüger drehen vor Auto-Verkauf den Tacho zurück

Aktualisiert

OccasionenBetrüger drehen vor Auto-Verkauf den Tacho zurück

Es ist erstaunlich einfach, den Kilometerstand des Autos zu manipulieren. Darum muss man bei Occasionen vorsichtig sein.

von
R. Knecht
1 / 6
Wahrheit oder Betrug? Die Anzeige auf dem Tachometer lässt sich laut der Stiftung Warentest sehr leicht manipulieren.

Wahrheit oder Betrug? Die Anzeige auf dem Tachometer lässt sich laut der Stiftung Warentest sehr leicht manipulieren.

Keystone/Walter Bieri
Auch in der Schweiz kommt Tachobetrug vor. Eine Sprecherin der Kantonspolizei Bern etwa teilt mit, dass es bei ihnen bereits solche Vorfälle gegeben habe. Eine Statistik dazu habe die Kantonspolizei allerdings nicht.

Auch in der Schweiz kommt Tachobetrug vor. Eine Sprecherin der Kantonspolizei Bern etwa teilt mit, dass es bei ihnen bereits solche Vorfälle gegeben habe. Eine Statistik dazu habe die Kantonspolizei allerdings nicht.

AP/Michael Sohn
Je höher der Tacho-Stand und je jünger das Auto, desto eher lohne sich der Betrug, sagt Autoexperte Harry Meier von Comparis zu 20 Minuten

Je höher der Tacho-Stand und je jünger das Auto, desto eher lohne sich der Betrug, sagt Autoexperte Harry Meier von Comparis zu 20 Minuten

Keystone/Gaetan Bally

Beim Kauf eines Gebrauchtwagens ist der Kilometerstand auf dem Tacho ein wichtiger Richtwert für die Einschätzung des Preises. Dieser lässt sich laut der Stiftung Warentest allerdings «kinderleicht» manipulieren. Genaue Zahlen gebe es zwar nicht, Schätzungen zufolge könnten in Deutschland aber bis zu ein Drittel der Occasionen betroffen sein, wie die Stiftung Warentest mitteilt.

Auch in der Schweiz kommt Tachobetrug vor. Die Kantonspolizei Zürich verzeichne nur sehr selten solche Fälle, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Eine Sprecherin der Kantonspolizei Bern teilt mit, dass es bei ihnen ebenfalls schon solche Vorfälle gegeben habe. Eine Statistik dazu habe die Kantonspolizei allerdings nicht.

Tachobetrug in der Schweiz weniger verbreitet

Die Jahresfahrleistung sei in Deutschland rund 40 Prozent höher als in der Schweiz, sagt Autoexperte Harry Meier von Comparis zu 20 Minuten. In Deutschland kommen Autos daher schneller auf hohe Kilometerstände als hierzulande. Je höher der Tacho-Stand und je jünger das Auto, desto eher lohne sich der Betrug, so Meier.

Zudem gebe es noch einen weiteren Grund dafür, dass Tachobetrug in der Schweiz ein vergleichsweise kleines Thema sei: «Die deutschen Konsumenten sind ganz allgemein viel

preisbewusster als die Schweizer und gern mal auf ein Schnäppchen aus. Das sind die besten Voraussetzungen für Betrüger», sagt Meier von Comparis.

Betrug in Banden

Während es laut Stiftung Warentest in Deutschland ganze Banden gibt, die Tachos zurückschrauben und Service-Hefte fälschen, ist der bandenmässige Betrug laut Meier in der Schweiz weniger üblich. Am ehesten lohne es sich, den Kilometerstand bei teuren Luxusautos zurückzudrehen: «Bei einem Ferrari etwa können Betrüger mit Tachomanipulationen Abertausende Franken herausschlagen», so Meier.

Allerdings lassen sich solche Manipulationen mit den richtigen Diagnosegeräten aufdecken. Mit Ultraschall können Spezialisten die Abnutzung des Motors messen. Da diese mit der Kilometerleistung zunehme, würde ein Betrugsversuch laut Meier relativ rasch auffliegen.

Auch der Autoschlüssel verrät den Kilometerstand

Ein Mechaniker sagt zu 20 Minuten, dass viele aktuelle Automodelle den Kilometerstand nicht nur mit der leicht manipulierbaren Tacho-Anzeige festhalten. Er sei in weiteren Steuergeräten wie etwa dem Autoschlüssel gespeichert. In der Autowerkstatt fliege der Beschiss darum schnell auf.

Als Käufer müsse man den gesunden Menschenverstand walten lassen und dürfe nicht zu gutgläubig sein, so Meier. Wenn man beispielsweise ein gebrauchtes Auto mit Ledersitzen kaufen wolle, könnte etwa die Abnutzung der Sitze auf die effektiv gefahrene Strecke hinweisen. Die Einträge im Service-Heft dienen zudem als wichtige Quelle für den Kilometerstand des Fahrzeugs, betont Meier.

Der Mechaniker empfiehlt zudem, auf die Pedale zu achten. «Die werden normalerweise nie ersetzt», erklärt er. Darum sollte deren Abnutzung auf die wahre Kilometerzahl schliessen lassen. Wenn eine Occasion neue Pedale drin hat, würde das den Mechaniker direkt misstrauisch stimmen.

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf die drei Streifen, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für das Wirtschafts-Ressort aktivieren.

So werden Sie nicht zum Opfer von Tachobetrug:

- Bei seriösen Händlern kaufen

- Bei Schnäppchen besonders misstrauisch sein

- Abnutzung der Einrichtung prüfen (z.B. Pedale)

- Tacho mit Service-Heft vergleichen

- Service-Heft mit Ölwechsel-Karte vergleichen

- Vorbesitzer nach Tacho-Stand fragen

- Kaufvertrag auf vage Formulierungen überprüfen

- Spezialisten/Mechaniker zu Hilfe ziehen

Quelle: Stiftung Warentest

Deine Meinung