Romance Scam: Betrüger geben sich als US-Soldaten aus

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Romance ScamBetrüger geben sich als US-Soldaten aus

Um an Geld zu kommen, beweisen Internetbetrüger Geduld und konstruieren eine Geschichte, die glaubwürdig erscheint. Gerade wenn Gefühle im Spiel sind, ist Vorsicht geboten.

von
vro
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Eine Leserin wurde über Facebook von einem Mann kontaktiert, der sich als US-Soldat ausgab. Er schickte ihr auch entsprechende Fotos.

Eine Leserin wurde über Facebook von einem Mann kontaktiert, der sich als US-Soldat ausgab. Er schickte ihr auch entsprechende Fotos.

zvg
Er nannte sich John Hannett und flirtete über Monate hinweg mit der Schweizerin.

Er nannte sich John Hannett und flirtete über Monate hinweg mit der Schweizerin.

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Nach vier Monaten wollte er ihr Geld schicken, das er angeblich bei einem Einsatz gefunden hatte. Sie sollte es verwahren und die Spesen für die Überweisung bezahlen. Die Leserin lehnte jedoch ab.

Nach vier Monaten wollte er ihr Geld schicken, das er angeblich bei einem Einsatz gefunden hatte. Sie sollte es verwahren und die Spesen für die Überweisung bezahlen. Die Leserin lehnte jedoch ab.

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Die 41-jährige Sabrina Fuller* wurde vor ein paar Monaten auf Facebook von einem Mann kontaktiert. Dieser gab an, US-Soldat und in einer Provinz in Afghanistan stationiert zu sein. Die beiden flirteten über Monate hinweg. «Er hat auch in Aussicht gestellt, dass er mich besucht. Es war kein Bedrängen. Nach drei Monaten habe ich gedacht, wenn er Geld wollte, hätte er das bestimmt längst gefordert.»

Die beiden kommunizierten über Facebook und via E-Mail. Auch die angebliche Tochter schaltete sich ein. «Er sagte, Telefonate oder Videochats seien wegen seines Einsatzes zu gefährlich», sagt Fuller. Der Mann geizte nicht: «Er schickte mir Blumen und Pralinen für rund 120 Franken.»

«Tochter» appelliert an Muttergefühle

Nach vier Monaten dann die Wende: Er habe während eines Einsatzes Geld gefunden, das er in Sicherheit bringen wolle. Sie solle es für ihn verwahren. Das Überweisen kostete allerdings Spesen, die Fuller hätte bezahlen müssen. «Für mich war klar, dass das Geldwäscherei ist. Ich sagte ihm, er müsse mir das Geld nicht schicken. Daraufhin versuchte er, mir ein schlechtes Gewissen zu machen.»

Auch die «Tochter» redete auf Fuller ein. Erst am Muttertag schrieb sie: «Guten Morgen, Mom ... Ich wünsche dir einen schönen Muttertag, Mom ... Mom, seit ich deine Nachricht gelesen habe, bin ich am Weinen. [...] Mom, bitte verlasse meinen Dad nicht. Er sagt, er liebt dich immer noch. Und ich liebe dich auch. Mom, ich bete, dass du deine Meinung änderst. [...]»

«Man wird emotional ausgebeutet»

Doch Fullers Misstrauen war längst wieder geweckt. Sie fand heraus, dass sich Betrüger schon öfter als US-Soldaten ausgegeben hatten. Die Blumenbestellung sei zudem in Australien aufgegeben worden, wie sie erfahren hat. In der US-Botschaft in Bern habe man ihr erklärt, dass solche Betrugsfälle bekannt seien.

Die Betrüger verwenden meist echte Fotos von Soldaten. Bereits 2013 warnte Soldat Gordon Hannett in US-Medien vor den Betrügern – mit seinen Bildern und in seinem Namen wurden damals über 300 Frauen hinters Licht geführt, ohne dass er davon wusste. In Fullers Fall nennt sich der «Soldat» ähnlich: John Hannett.

Die Methoden sind unterschiedlich: Einmal findet der Soldat Geld, das er überweisen will, ein anderes Mal braucht er finanzielle Hilfe für eine Spitalrechnung oder den Heimflug. «Bei der Botschaft in Bern hat man mir gesagt, dass sich ein US-Soldat darüber nie Sorgen machen müsse», erzählt Fuller. «Das ist das Brutale, man wird emotional ausgebeutet.»

Wer hereinfällt, muss nicht naiv sein

Im Jahr 2016 wurden dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) 140 Fälle eines solchen Romance Scams gemeldet, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Die Opfer seien meist weiblich. Und die Täter könnten reichlich Geld verdienen, wie Fedpol-Sprecherin Lulzana Musliu sagt. «Deshalb haben sie auch Geduld. Hohe Schadenssummen sind nicht selten.»

Internetbekanntschaften sind heute nichts Ungewöhnliches mehr. Und wer auf Betrüger hereinfällt, kann nicht unbedingt als naiv bezeichnet werden. «Die Täter gehen professionell vor und Geldforderungen kommen oft erst nach Wochen, in denen Vertrauen aufgebaut wurde», so Musliu.

Musliu rät, immer vorsichtig zu bleiben. «Auch wenn Gefühle im Spiel sind, sollte man bei Internetbekanntschaften gesunden Menschenverstand walten lassen.» Auch bei einem Treffen solle man nicht leichtsinnig werden. «Man sollte im Voraus jemanden informieren, sich in der Öffentlichkeit treffen und bestenfalls jemanden mitnehmen.»

*Name geändert

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