Fake-Angebot - Betrüger lockt auf Social Media mit käuflichen Covid-Zertifikaten
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Fake-AngebotBetrüger lockt auf Social Media mit käuflichen Covid-Zertifikaten

Auf Telegram werden Schweizer Covid-Impfzertifikate zum Kauf angeboten. Diese würden wohl selten halten, was sie versprechen, sagt IT-Spezialist Martin Steiger.

von
Noah Knüsel
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Solche Angebote gibt es auf Telegram viele: Angeblich echte Covid-Zertifikate werden zum Kauf angeboten.

Solche Angebote gibt es auf Telegram viele: Angeblich echte Covid-Zertifikate werden zum Kauf angeboten.

Screenshot Telegram
Ein Bestellversuch führt aber ins Leere: Nachdem 20 Minuten ein Impfzertifikat bestellt und bezahlt hatte, tauchte der Händler ab und reagierte nicht mehr auf Nachrichten.

Ein Bestellversuch führt aber ins Leere: Nachdem 20 Minuten ein Impfzertifikat bestellt und bezahlt hatte, tauchte der Händler ab und reagierte nicht mehr auf Nachrichten.

Screenshot Telegram
Der Betrüger gab vor, in einer Arztpraxis zu arbeiten. Weil er nur so viele Impfpässe ausstellen könne, wie die Praxis Dosen erhalte, sei das Angebot aber begrenzt, schrieb er.

Der Betrüger gab vor, in einer Arztpraxis zu arbeiten. Weil er nur so viele Impfpässe ausstellen könne, wie die Praxis Dosen erhalte, sei das Angebot aber begrenzt, schrieb er.

Screenshot Telegram

Darum gehts

  • Betrüger bieten auf Social Media angeblich echte Impf-Zertifikate an.

  • Ein Bestellversuch führt aber ins Leere.

  • Laut IT-Experte Martin Steiger liegt das Betrugspotenzial weniger bei den grossen Impfzentren, sondern bei den Hausärzten.

Während in der ganzen Schweiz die Nachfrage nach Impfterminen sinkt, gibt es auf Telegram viele Händler, die angeblich echte Impf-Zertifikate verkaufen – und das, ohne dass man je ein Impfzentrum von innen gesehen haben muss.

Was beim gelben WHO-Impfpass funktionierte, klappte beim Schweizer Covid-Impfzertifikat aber nicht: Nachdem 20 Minuten ein Impfzertifikat bestellt und bezahlt hatte, tauchte der Händler ab und reagierte nicht mehr auf Nachrichten.

Die meisten Angebote dürften fake sein

Der Betrüger gab vor, in einer Arztpraxis zu arbeiten. Weil er nur so viele Impfpässe ausstellen könne, wie die Praxis Dosen erhalte, sei das Angebot aber begrenzt, schrieb er. Als «Beweis» schickte er ein Foto eines angeblich schon ausgestellten Impfnachweises.

Der angebliche Zertifikate-Händler ist längst nicht der Einzige, der solche Angebote online stellt. Wie ein Leser berichtet, brüsten sich einige sogar damit, Personen in Impfzentren eingeschleust zu haben. Laut Anwalt und IT-Experte Martin Steiger dürften aber die meisten der kursierenden Angebote für Impf-Nachweise fake sein.

Lücke bei Hausärzten?

Das Schweizer Covid-Zertifikat mit dem QR-Code sei technisch unfälschbar, heisst es beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT): «Das Thema Sicherheit ist beim Projekt zentral», sagt Sprecherin Sonja Uhlmann. Das sieht auch Steiger so. Das Betrugspotenzial liege woanders: «Personen, die zur Ausstellung von Zertifikaten berechtigt sind, könnten das missbrauchen.»

Man könne aber ermitteln, welche Person ein Zertifikat ausgestellt habe, so Steiger: «Darum geht man ein grosses Risiko ein, wenn man tatsächlich ein Impf-Zertifikat ohne Impfung ausstellt.»

Der IT-Experte sieht eine mögliche Lücke im System weniger bei den grossen Impfzentren, sondern eher bei Hausarztpraxen: «Massnahmen- oder coronaskeptische Ärzte könnten für ihre Patienten Nachweise ohne Impfung ausstellen.» Dabei müssten diese nicht einmal besonders strenge Strafen befürchten: «Wie die Vergangenheit gezeigt hat, geht man in der Schweiz mit fehlbaren Hausärzten sehr nachsichtig um.»

Diese Strafen drohen

Stelle man einer Person ohne Anspruch darauf ein Covid-Zertifikat aus, erfülle das den Tatbestand der Urkundenfälschung, so Steiger. «Dafür drohen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe», sagt er. Als Ersttäterin oder Ersttäter komme man vermutlich mit einer bedingten Geldstrafe davon, müsse aber voraussichtlich eine Busse und die Verfahrenskosten bezahlen.

Verkauft man dagegen ein Covid-Zertifikat, obwohl man gar keines besitzt, sei das Betrug, so Steiger: «Darauf steht Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren.» Der Kauf eines Covid-Zertifikats alleine sei wohl nicht strafbar, sagt Steiger: «Die Verwendung stellt aber eine weitere Urkundenfälschung dar.»

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