09.08.2019 19:43

330'000 Dollar Gewinn

Betrüger schicken Amazon Abfall zurück

Mit einer erstaunlich einfachen Masche haben zwei junge Spanier dem Internetriesen 330'000 Euro abgenommen. Jetzt sind die beiden aufgeflogen.

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Zwei Spanier ergaunerten sich 330'000 Euro.

Zwei Spanier ergaunerten sich 330'000 Euro.

AP/David Zalubowski
Dies taten sie mithilfe von Amazon-Lieferungen.

Dies taten sie mithilfe von Amazon-Lieferungen.

Hans Klaus Techt
Sie bestellten teure Elektroartikel, kündigten aber an, diese wieder zurückzuschicken.

Sie bestellten teure Elektroartikel, kündigten aber an, diese wieder zurückzuschicken.

ina Fassbender

Um Geld zu verdienen, überlegte sich James Gilbert Kwarteng eine besondere Masche. Mittel zum Zweck war für den 22-jährigen Spanier das wertvollste Unternehmen der Welt: Amazon. Gemeinsam mit seinem Freund Juan beging er den grössten Amazon-Betrug, der je in Europa aufgeflogen ist. Rund 330'000 Euro kassierten die beiden.

Die Masche von James und Juan war einfach: Sie bestellten teure Elektronikartikel und schickten mit Abfall gefüllte Kartons zurück. Der Trick dabei war, dass die retournierten Kartons exakt das gleiche Gewicht wie die Amazon-Sendung haben mussten. Die Elektronikartikel verkauften die beiden weiter. Dafür gründete Kwarteng einen eigenen Online-Shop namens «Kwartech Electronics», eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Ruinen davon stehen jetzt noch im Internet.

Nachsichtiger Richter

Mehr als zwei Jahre lang funktionierte der Betrug, dann dämmerte Amazon, dass etwas nicht stimmte. James und Juan wurden zu Wochenbeginn verhaftet. Der Untersuchungsrichter war nachsichtig: Er liess James Gilbert Kwarteng, den jungen Mann mit ghanaischem Vater und Wohnsitz in Marratxí bei Palma de Mallorca, gegen eine Kaution von 3000 Euro vorerst frei.

Offenbar imponierte ihm die Schlichtheit, mit der James die Sicherheitssysteme der Amazon-Retourenabteilung überlistet hatte. Der Ablauf war stets der gleiche. James bestellte beispielsweise ein iPhone. Als Amazon-Prime-Kunde bekam er es am nächsten Tag. Dann wog James das Paket ab und schrieb das Gewicht auf.

Er nahm das Handy anschliessend aus der Verpackung und behielt es. Via Amazon-App teilte er dem Online-Riesen mit, dass er das Produkt nicht wolle. Der leere Amazon-Karton wurde mit Abfall angefüllt, bis das Paket genau das gleiche Gewicht wie bei seiner Ankunft hatte. Dann wurde der verschlossene Karton per Post zurückgeschickt.

Dann flogen sie auf

Die beiden hatten also Amazons Achillesferse entdeckt: Der Onlinehändler scannte und wog die Rücksendungen nur. Wenn das Paket das gleiche Gewicht wie beim Versand an den ursprünglichen Käufer hatte, gab Amazon sofort die Kaufsumme zurück. Die zurückgegebenen Artikel wanderten ins Lagerregal. Lange Zeit fiel der Betrug nicht auf.

Erst als Amazon seine Rückgaberichtlinien verschärfte, wurde man stutzig. Der Onlineriese untersuchte die Gründe für die zahlreichen Retoursendungen von James und kam ihm auf die Schliche.

Rekordbetrug

James und Juan halten übrigens nicht den Betrugsrekord in der Amazon-Geschichte. Den beansprucht die Familie Finan aus Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana. Erin und Leah Finan, beide 38 Jahre alt, nahmen Amazon mit einem ähnlichen Trick 1,2 Millionen Dollar ab. Dabei war Amazon der Betrug gar nicht aufgefallen.

Erst der Postdienst von Indianapolis machte die Polizei auf das Ehepaar aufmerksam. Erin und Leah Finan wurden verhaftet und und sie wurden zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Ausserdem müssen sie 2,4 Millionen Dollar Geldstrafe zahlen.

Auf James und Juan wartet jetzt eine ähnlich hohe Strafe. Neben Betrug wird ihnen die Gründung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. (20 Minuten)

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