07.09.2020 14:59

Online-BetrugBetrüger schickt statt iPhone ein Paket mit Griess und Tomatenmark

Für 1000 Franken hatte N. A. ein neues iPhone 11 ersteigert. Im Paket lagen aber bloss 500 Gramm Hartweizengriess und eine Dose Tomatenmark.

von
Nathan Keusch, Daniel Krähenbühl
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Anstelle eines neuen iPhones bekam N.A. Hartweizengriess und Tomatenmark im Paket zugestellt.

Anstelle eines neuen iPhones bekam N.A. Hartweizengriess und Tomatenmark im Paket zugestellt.

Privat
Mit dem Bild wollte der Verkäufer beweisen, dass er das iPhone tatsächlich in Besitz hat.

Mit dem Bild wollte der Verkäufer beweisen, dass er das iPhone tatsächlich in Besitz hat.

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1000 Franken hat er für die Mogelpackung bezahlt. Zunächst ging er noch von einem kleinen Schnäppchen aus. Im Detailhandel bezahlt man rund 1200 Franken für das Smartphone.

1000 Franken hat er für die Mogelpackung bezahlt. Zunächst ging er noch von einem kleinen Schnäppchen aus. Im Detailhandel bezahlt man rund 1200 Franken für das Smartphone.

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Darum gehts

  • N. A.* hat auf der Auktionsplattform Ricardo ein neues iPhone ersteigert.
  • Geschickt hat ihm die Verkäuferin S. T.* aber Hartweizengriess und Tomatenmark.
  • A. hat Anzeige gegen S. T. erstattet. Ricardo hat reagiert und das Konto des Verkäufers blockiert.

Zunächst hatte sich N.A. noch über ein kleines Schnäppchen gefreut. Vergangene Woche habe er für 1000 Franken über Ricardo ein neues iPhone 11 Pro Max gekauft. «Ich dachte, ich mache ein gutes Geschäft», sagt A. gegenüber 20 Minuten. Im Detailhandel geht das Smartphone für rund 1200 Franken über den Tisch.

Den Betrag habe er sofort per E-Banking an die Verkäuferin S. T.* überwiesen und anschliessend auf sein neues Handy gewartet, sagt A. Das heiss ersehnte Paket sei zwei Tage später in seinem Briefkasten gelegen. Beim Öffnen habe er seinen Augen kaum getraut: «Anstelle eines iPhones waren 500 Gramm Hartweizengriess und eine Dose Tomatenmark im Päckchen.»

Daraufhin hätte er sich bei der Verkäuferin beschweren wollen, sagt A. Auf ihrem Profil habe er zwei am gleichen Tag geschriebene Bewertungen entdeckt, in der zwei andere Ricardo-Nutzer berichteten, von der Verkäuferin ebenfalls Griess zugeschickt bekommen zu haben. A. ist wohl auf einen Fake reingefallen: «Die Verkäuferin hat eine falsche Adresse angegeben – aber die Bankdaten und den Namen habe ich noch.»

Ricardo: «Umgehend Anzeige erstatten»

Wütend habe er mit dem Kundendienst von Ricardo Kontakt aufgenommen. «Sie rieten mir, zur Polizei zu gehen.» Die Plattform Ricardo, die wie 20 Minuten zur TX Group gehört, hat seinerseits sofort reagiert. Wie Sprecher Simon Marquard auf Anfrage sagt, sei das Verkäuferkonto von S.T. bereits am 18. August aufgrund eines verdächtigen Angebots blockiert worden. «Der Anbieter konnte dann Ricardo mit einer Kaufquittung nachweisen, dass er im Besitz des angebotenen Produkts war.» Daraufhin sei das Konto kurzzeitig wieder eröffnet worden. «Das Konto wurde dann jedoch am 25. August von Ricardo definitiv blockiert, weil Übereinstimmungen mit einem anderen bereits blockierten Konto gefunden wurden», sagt Marquard.

«In solchen Fällen soll man frühzeitig mit Ricardo Kontakt aufnehmen und einen Käuferschutzantrag stellen. Gleichzeitig empfehlen wir, jeweils bei der Polizei umgehend Anzeige zu erstatten», sagt Marquard. Im Verhältnis zu allen Transaktionen passierten solche Fälle selten, jedoch liessen sie sich leider trotz täglichen automatisierten sowie manuellen Kontrollen der Angebote sowie dem Prüfen von Mitgliederhinweisen nie ganz verhindern.

«Geld nicht vorab überweisen»

Dass Online-Betrügereien ein grosses Problem darstellen, sagt auch Nicole Kumli von der Schweizerischen Kriminalprävention. Die Gefahr sei vor allem bei Gratis-Kleinanzeigenportalen gross, da die Transaktion – im Gegensatz zu Einkäufen auf Ricardo.ch – nicht über die Plattform selbst abgewickelt wird. «Die physische Distanz und die Tatsache, dass Käufer und Verkäufer nur online miteinander in Kontakt stehen, macht es böswilligen Menschen leicht, Opfer zu finden.» Grundsätzlich sollte man das Geld bei kostspieligen Transaktionen nicht vorab überweisen, sondern nur persönlich im Tausch gegen das gekaufte Objekt übergeben.

Wieso der Betrüger aber ein Paket mit Griess und Tomatenmark verschickt hat, sei jedoch auch für sie nicht nachvollziehbar, sagt Kumli. «Ich kann nur mutmassen, dass der Betrüger die Pakete als Markenzeichen oder zur ‹Belustigung› – also als Jux – verschickt hat.»

*Name der Redaktion bekannt

Wie erkennt man Online-Betrug?

Auf den Domainnamen und die Rechtschreibung des Onlineshops achten: Ein ungewöhnlicher Domainnamen sowie eine fehlerhafte Rechtschreibung weisen auf einen unseriösen Onlineshop hin. Auffällig viele Rechtschreibfehler auf einer Website deuten nämlich darauf hin, dass die Texte maschinenübersetzt sind. Folglich ist der Onlineshop unseriös gestaltet und gehört einem entsprechenden Anbieter. Seriöse Unternehmen, die ihre Produkte online verkaufen, achten darauf, dass ihre Websites immer mit orthografisch korrekten Texten versehen sind.

Das angebliche Schnäppchen-Angebot sehr genau prüfen: Erkundigen Sie sich über den Anbieter und über mögliche Zusatzkosten wie Zoll oder Mehrwertsteuer, die bei einer Bestellung aus dem Ausland immer zusätzlich anfallen. Obwohl Schnäppchen auch online zu finden sind, verschenkt kein Händler seine Ware. Handelt es sich beim angeblichen Schnäppchen zudem um Originalware, oder wird hier gefälschte Markenware angeboten?

Fotos des Verkaufsgegenstands sehr kritisch betrachten: Erscheinen ausschliesslich unscharfe Fotos des Verkaufsgegenstands, so möchte der Anbieter vermutlich dessen mangelhafte Qualität verschleiern. Oft kopieren unseriöse Anbieter jedoch auch unerlaubt das Bildmaterial des Originalherstellers und benutzen es, um ihrem Onlineshop einen Hauch von Authentizität zu geben.

In Online-Foren über den Anbieter informieren: Getäuschte und enttäuschte Käufer und Käuferinnen tauschen sich oftmals online in Foren aus und warnen vor unseriösen Anbietern. Das Lesen von negativen oder neutralen Bewertungen und Kommentaren zu einem Anbieter liefert oftmals eindeutige Hinweise zu dessen Geschäftspraktiken.

Quelle: Schweizerische Kriminalprävention (SKP)

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411 Kommentare
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Fratzenhans

08.09.2020, 15:30

Leider kann man nicht überall mit PayPal bezahlen. Warum ist es nicht möglich das Geld erst auszuzahlen, nachdem das Paket beim Käufer angelangt ist. Jedes Paket hat einen Post Cod und kann nach verfolgt werden. Somit kann nicht behauptet werden, das Paket nicht erhalten zu haben.

Jo Blocher

08.09.2020, 07:19

Na, immerhin gabs etwas.......

Besseresser

08.09.2020, 06:47

Darum nutzt man eBay mit PayPal