Aktualisiert 14.01.2017 09:24

Fake-LuxusappartementBetrüger vermiesen Zürchern die Ferien

Zwei Zürcher Familien wollten den Jahreswechsel in einem luxuriösen Ferien-Appartment in Österreich feiern. Doch als sie dort ankamen, wohnten da schon andere Gäste.

von
lüs
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Zwei Zürcher Familien freuten sich ganz besonders auf Silvester: Sie hatten ein luxuriöses Ferien-Appartement in den österreichischen Alpen gemietet. Doch als die fünf Erwachsenen mit drei Kleinkindern vor Ort in Kappl im Tirol ankamen, stellten sie fest: Das Appartement war schon von anderen Feriengästen bewohnt. Sie waren auf Internet-Betrüger hereingefallen.

Zwei Zürcher Familien freuten sich ganz besonders auf Silvester: Sie hatten ein luxuriöses Ferien-Appartement in den österreichischen Alpen gemietet. Doch als die fünf Erwachsenen mit drei Kleinkindern vor Ort in Kappl im Tirol ankamen, stellten sie fest: Das Appartement war schon von anderen Feriengästen bewohnt. Sie waren auf Internet-Betrüger hereingefallen.

Skihaeuser.com
Auf dieser Online-Plattform war das Appartement angeboten worden. Doch die Bilder wurden aus den echten Inseraten für die Wohnung kopiert. Die im Voraus bezahlte Miete von über 600 Euro haben die Schweizer verloren.

Auf dieser Online-Plattform war das Appartement angeboten worden. Doch die Bilder wurden aus den echten Inseraten für die Wohnung kopiert. Die im Voraus bezahlte Miete von über 600 Euro haben die Schweizer verloren.

Screenshot Skihaeuser.com
Die Indoor-Badelandschaft der Apartment-Siedlung in Kappl: Betreten konnten die Betrugsopfer sie nicht. Stattdessen mussten sie gleich wieder nach Zürich zurückkehren, weil am Silvestertag keine Unterkunft in Kappl frei war.

Die Indoor-Badelandschaft der Apartment-Siedlung in Kappl: Betreten konnten die Betrugsopfer sie nicht. Stattdessen mussten sie gleich wieder nach Zürich zurückkehren, weil am Silvestertag keine Unterkunft in Kappl frei war.

Skihaeuser.com

Daniel Ignjatovic (25) und seine Frau wollten den vergangenen Silvester gemeinsam mit ihrem Kind und einer befreundeten Familie in den Bergen verbringen. Nach längerem Suchen fanden sie auf einem Online-Portal ein Objekt, das perfekt schien: Ein edles Appartment in Kappl im Tirol, zu dem unter anderem eine Sauna und ein Pool gehören. Kostenpunkt: 650 Euro für zwei Übernachtungen.

Bereits Anfang Dezember zahlten sie die Miete im Voraus. «Einen Monat lang waren wir voller Vorfreude», sagt Ignjatovic. Diese hielt auch noch an, als die beiden Familien am 31. Dezember den dreieinhalb Stunden langen Weg von Zürich nach Kappl zurücklegten.

«Wir waren total schockiert»

Am Ziel wurden sie dann jedoch stutzig: «An der Adresse, an der das Appartmenthaus sich befinden sollte, stand ein Gebäude, das eher wie eine Hütte aussah», berichtet Ignjatovic. Umso grösser war die Erleichterung, als sie das Haus, das sie von den Online-Fotos kannten, in der Nähe entdeckten. «Dort beschied man uns aber, es sei schon alles ausgebucht. Wir seien auf Internet-Betrüger hereingefallen. Wir waren total schockiert.»

Offenbar waren sie nicht die ersten Opfer. Johann Jehle, ein Einheimischer, der in der Nähe des Luxusgebäudes wohnt, sagt zu 20 Minuten: «Seit Herbst tauchen hier immer wieder Leute auf, die bei Internet-Betrügern ein Appartment gebucht haben und dann vor verschlossener Tür stehen.» Teilweise hätten die Betroffenen deutlich über 1000 Euro bezahlt.

Zwar versuchten die beiden Zürcher Familien noch im Ort eine andere Unterkunft zu finden. «Doch am letzten Tag des Jahres war natürlich alles ausgebucht – es blieb uns nichts anderes übrig, als gleich wieder in die Schweiz zurückzukehren», sagt Ignjatovic. Erst knapp vor Mitternacht trafen sie in Zürich ein. Aufs neue Jahr stiessen sie dann nicht wie geplant in einem Luxus-Feriendomizil, sondern in einer engen Privatwohnung an.

Fake-Inserat ist weiterhin online

Mittlerweile hat Ignjatovic bei der Polizei Anzeige erstattet. Wer hinter dem Betrug steckt, ist unklar. Betrieben wird das Portal Skihaeuser.com, über das der Betrug lief, angeblich von einer Firma in Berlin. Ruft man dort an, kommt nur der Anfrufbeantworter. Als Besitzer der Website ist eine Person in Costa Rica eingetragen.

Online ist die Website noch immer, das Appartment in Kappl ist weiterhin aufgeführt, zusammen mit Luxus-Ferienwohnungen in St. Moritz, Pontresina und Kitzbühel. Die Bilder stammen von den echten Inseraten, mit denen die Wohnungen tatsächlich zur Miete angeboten werden.

Fälle häufen sich in der Ferienzeit

Beim Bundesamt für Polizei (Fedpol) kennt man die Masche. Im Jahr 2015 gingen bei Fedpol 246 Meldungen zu betrügerischen Immobilienanzeigen ein. «Wir beobachten in diesem Bereich einen Anstieg», sagt Sprecherin Cathy Maret. «Gerade in der Ferienzeit im Winter und Sommer häufen sich die Fälle.» Betroffenen rät Maret dazu, verdächtige Websites bei Fedpol zu melden. «Dann können wir Massnahmen ergreifen und gegebenenfalls auch die zuständigen Behörden im Ausland informieren.» Zudem rät Maret in jedem Fall zu einer Anzeige bei der Polizei. «Die Aussichten, das verlorene Geld zurückzuerhalten, sind jedoch gering.»

«Beim kleinsten Zweifel nicht buchen»

Wie aber schützt man sich davor, überhaupt zum Opfer zu werden? Maret: «Man sollte sich umfassend über den Anbieter informieren. Es empfiehlt sich, mit der Google-Bildersuche zu prüfen, ob die im Inserat gezeigten Fotos auch woanders auftauchen.» Mit Google Maps könne man zudem prüfen, ob die abgebildete Immobilie auch tatsächlich an der genannten Adresse steht. Generell gelte: «Immer misstrauisch sein und beim kleinsten Zweifel auf die Buchung verzichten.»

Betrüger werden immer professioneller

Laut dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) werden die betrügerischen Websites, mit denen Ferienunterkünfte angeboten werden, immer professioneller und sind daher schwierig einzuschätzen. Typisch für sie ist, dass sie im Ausland betrieben werden und ein dürftiges Impressum aufweisen. Die Korrespondenz wird bevorzugt per E-Mail abgewickelt, die Zahlungsaufforderung folgt nach kurzer Zeit. Die Kontoangaben des Anbieters weichen nicht selten von seinem angeblichen Wohnort oder Geschäftssitz ab. Wer Zweifel habe, könne bei der örtlichen Tourismusinformation Auskünfte zum angebotenen Mietobjekt einholen, rät Fedpol. (lüs)

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