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«Betrug war ein Element bei Blatters Wiederwahl»

Das Fifa-kritische Buch «Foul!» von Andrew Jennings ist in aller Munde - und in der Schweiz vorläufig verboten. 20 Minuten.ch sprach mit dem Journalisten, der dem Weltfussballverband und seinem Präsidenten die heftigsten Kopfschmerzen bereitet.

Geht es nach Jennings ist die Fifa eine Seilschaft skrupelloser Männer. In der Organisation mit dem Miliardenumsatz sollen Bestechung und Wahlbetrug an der Tagesordnung liegen. «Korruptionsgerüchte existieren bereits seit über 20 Jahren», gibt der Autor den Grund für seine Recherchen an. Mit einer Erfahrung von über 36 Jahren im Journalismus brachte er Fifa-Insider zu Geständnissen über die dunklen Seiten des Verbands. Jennings präsentiert auf fast 400 Seiten nach fünfjähriger Arbeit seine hochbrisanten Enthüllungen gestützt auf Zeugenaussagen und Dokumente.

Blatters Wiederwahl ein Betrug

«Betrug war ein Element für die erfolgreiche Wiederwahl von Blatter», weiss Jennings betreffend der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 1998. Zeugen bestätigen, dass der Vertreter aus Haiti von der Teilnahme zur Wahl abgehalten und durch einen Blatter-Wähler ersetzt wurde. Zu verantworten habe dies Jack Warner, ein Freund des Fifa-Präsidenten und Vorsteher des amerikanischen Pendants zur Uefa. Ob Blatter der richtige Präsident sei, muss der Fussball selber entscheiden meint Jennings trocken.

Geheimnisvolle Zahlungen

Offene Fragen bleiben vor allem mit Zahlungen an das Vermarktungsinstitut ISL in Zug. So sei in diesem Zusammenhang auf dem Fifa-Konto ein Betrag von einer Million Franken von der ISL aufgetaucht, welcher wohl direkt für einen Fussballoffiziellen gedacht war. Der Zuger Untersuchungsrichter Thomas Hildbrand beschäftigt sich momentan mit dem Fall ISL. Jennings wartet auf seine Ausführungen und ist gespannt darauf, was mit der Weltorganisation Fifa danach passiert.

Jennings hofft auf nationale Verbände

Dank der Publikation von «Foul!» spekuliert Jennings, welcher von der Fifa ein Hausverbot erhielt, auf weitlaufende Unterstützung: «Ich hoffe, die wahren Enthüllungen in meinem Buch werden die nationalen Verbände ermuntern die Fifa kritischer zu hinterfragen. Denn dass die Fifa sich selber heilt, ist unwahrscheinlich.» Dies zeige das Verhalten der Organisation bei den Bestechungsanschuldigungen im Zusammenhang mit der ISL.

Fifa äussert sich nicht

Nach wie vor will die Fifa zu den Anschuldigungen keine Stellung nehmen. Das Buch enthalte Unwahrheiten und Persönlichkeitsverletzungen ist der einzige Kommentar aus dem Fifa-Sitz vom Sonnenberg. «Foul!» wurde vom Zürcher Obergericht vorläufig verboten. Ob das Buch jemals in der Schweiz erscheint, ist noch unklar. «Ich finde es erstaunlich, wie der Richter ein Buch verbieten kann, welches er noch nicht gelesen hat», wundert sich Jennings über diese Massnahme.

(fox)

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