Aktualisiert 08.10.2014 16:25

Abstimmung zu Hotel Suff

«Betrunkene darf man nicht einfach einsperren»

Die Zürcher stimmen darüber ab, ob Betrunkene weiterhin ins Hotel Suff müssen. Ein Grünen-Politiker wirbt für ein Nein, obwohl seine Partei in der Frage gespalten ist.

von
som

Wer in Zürich sehr tief ins Glas schaut und auf der Strasse aufgegriffen wird, landet seit vier Jahren in der Zentralen Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle. Ende November entscheidet das Stimmvolk, ob das sogenannte Hotel Suff definitiv weitergeführt wird - die Steuerzahler kostet dies 1,2 Millionen Franken pro Jahr.

Doch das Geld ist nicht der Hauptgrund, warum das Komitee «Hotel Suff Nein» die definitive Einführung des Trinker-Knastes in den nächsten Monaten mit diversen Aktionen bekämpfen wird. «Dass man Betrunkene vorübergehend inhaftieren kann, ist ein Eingriff in die Freiheitsrechte», sagt Luca Maggi, Grünen-Politiker und Mitglied des Komitees. Dieses besteht aus den Jungen Grünen, der Juso, der AL, den demokratischen JuristInnen Zürich, Augenauf und Psychex.

«Viele Inhaftierte waren kaum betrunken»

Untragbar ist für das Komitee auch, dass sich die Inhaftierten an den Kosten mit 450 bis 600 Franken beteiligen müssen: «Es ist problematisch, dass man die Polizeikosten auf die Verursacher abwälzt», so Maggi. Damit würden die Türen geöffnet, dass die Polizei beispielsweise den Organisatoren einer Veranstaltung eine Rechnung schicke, wenn es dort zu einem Polizeieinsatz gekommen war.

Maggi kann sich auch nicht vorstellen, dass die 1000 Personen, die jährlich ins Hotel Suff müssen, wirklich alle eine Gefahr für sich selber oder die Allgemeinheit darstellen. «Die Polizei inhaftiert so viele Leute, damit sie ihre Kosten decken kann.» Ihm seien einige Fälle von Leuten bekannt, die eingewiesen worden seien, obwohl sie nur leicht angetrunken gewesen seien. «Vielleicht waren sie etwas frech zur Polizei, das hat dann schon gereicht.»

Maggi kämpft gegen das Hotel Suff , obwohl seine Partei in dieser Frage gespalten ist. Für den Vizepräsidenten der Grünen Schweiz ist das aber kein Problem: «Bei uns muss man sich nicht immer einig sein.»

Parlament ist für das Hotel Suff

Zürichs Stadt- und Gemeinderat wollen, dass stark Alkoholisierte weiterhin zentral und unter medizinischer Betreuung ausgenüchtert werden. Das Parlament sagte im August knapp Ja zur Weiterführung des Hotels Suff.Das letzte Wort hat aber das Volk am 30. November. Früher wurden Betrunkene, die sich selbst oder andere gefährden, auf den Polizeiwachen ohne entsprechende Betreuung untergebracht. Das Stadtparlament war sich bei der Debatte einige, dass das Hotel Suff zur Entlastung von Spitälern, Polizei und Öffentlichkeit beitrage. An der Kostenfrage schieden sich allerdings die Geister.

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