Zürich: Betrunkene können keine Anzeige erstatten
Aktualisiert

ZürichBetrunkene können keine Anzeige erstatten

Immer wieder erscheinen Betrunkene
auf den Wachen der Stadtpolizei, um Anzeige zu erstatten – sie werden in der Regel wieder nach Hause geschickt.

von
David Torcasso

In der Nacht auf letzten Sonntag geriet C.K.* in eine Rangelei mit einem Türsteher. Gleich nach dem Vorfall wollte der junge Mann Anzeige bei der Stadtpolizei gegen den Security erstatten. Weil der Mann Alkoholsymptome aufwies, aber bestritt, betrunken zu sein, musste er ins Röhrchen blasen. «Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich angetrunken war», sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Deshalb wurde der Mann nach Hause geschickt. Da er nicht sichtbar verletzt gewesen sei, habe man ihn aufgefordert, erst tags darauf Anzeige zu erstatten. Das komme immer wieder vor, besonders am Wochenende. «Wir nehmen solche Anzeigen in der Regel nur von nüchternen Personen entgegen», sagt Cortesi. Aussagen von Betrunkenen seien gerichtlich nur schwer verwertbar. Ausnahmen gebe es bei schweren Fällen: «Wenn jemand beispielsweise eine Gewalttat beobachtet hat, wird er selbstverständlich auch dann ein erstes Mal befragt, wenn er betrunken ist», so Cortesi.

Auch bei der Kapo kommen ab und zu Betrunkene auf die Wachen: «Sie sind aufgewühlt und möchten am liebsten gleich Anzeige erstatten», sagt Sprecher Martin Sorg. Wenn der Beamte aber sehe, dass sie zu betrunken sind, vereinbare man einen Termin auf den nächsten Arbeitstag. Einige würden jedoch nicht mehr erscheinen.

*Name der Redaktion bekannt

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