Sturm und Harndrang: Betrunkene reibt Hintern an 30-Millionen-Bild
Aktualisiert

Sturm und HarndrangBetrunkene reibt Hintern an 30-Millionen-Bild

Eine 36-jährige Frau geht in Denver im Museum mit heruntergelassenen Hosen auf ein Gemälde los und versucht, darauf zu urinieren. Der Schaden: 10 000 Dollar.

von
jcg

Noch ist nicht klar, was Carmen Tisch zu ihrer Wahnsinnstat im «Clyfford Still Museum» getrieben hat. Die Geschichte des Gemäldes «1957-J No.2» hat sie mit ihrer Attacke vom Donnerstag vergangener Woche aber für immer verändert. An diesem Tag hat die 36-jährige Frau das berühmte Kunstwerk des abstrakt-expressionistischen Künstlers Clyfford Still zuerst mehrfach mit ihren Fäusten traktiert und zerkratzt, bevor sie ihren entblössten Hintern daran rieb. Auf dem Bild seien Kratzer und andere Schäden zu sehen, gab ein Polizist zu Protokoll.

Der letzte Frevel ist misslungen

Schliesslich versuchte sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Denver, im US-Bundesstaat Colorado, auf das Bild zu urinieren. Dieser letzte Frevel ist ihr aber offenbar nicht gelungen. «Es sieht nicht so aus, als habe sie auf das Bild uriniert und das Bild scheint nicht durch Urin beschädigt worden zu sein. Wir werden ihr das deshalb nicht zur Last legen», sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gemäss der «Denver Post». Angeklagt ist Carmen Tisch aber der schweren kriminellen Sachbeschädigung und sitzt seit dem Vorfall im Gefängnis. Ihre Kaution wurde gestern auf 20 000 Dollar festgesetzt.

Das Museum in Denver hat zwar den Zwischenfall bestätigt, aber keine genaueren Angaben über das Ausmass der Schäden am Bild gemacht, dessen Wert auf 30 bis 40 Millionen Dollar geschätzt wird. Auch wer für die Reparatur des rund vier auf drei Meter grossen Bildes aufkommen wird, wollte das Museum mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Die Schadenssumme wird auf 10 000 Dollar veranschlagt.

Teil der Geschichte

Ob die Schäden den Wert des Bildes beeinflussen werden, hänge von verschiedenen Faktoren ab, erklärte Ivar Zeile, Besitzer der Plus Gallery in Denver, gegenüber der «Denver Post». Sollte die Leinwand nicht gerissen sein, dürfte das Bild gut zu restaurieren sein. Wichtig für die Preisentwicklung sei, ob das Bild auf den freien Markt komme oder ein Museumsstück bleibe. Manchmal könnten solche Vorfälle sogar ein Teil der Geschichte des Bildes werden und damit auch einen Einfluss auf den Wert haben, so Zeile weiter. Das Bild habe aber auf jeden Fall einen Makel, nur schon weil die Leute von dem Vorfall wüssten.

Über das weitere Schicksal von Carmen Tisch, die nach wie vor im Bezirksgefängnis von Denver sitzt, wird am Freitagmorgen im örtlichen Gericht befunden.

Der Künstler

Clyfford Still wurde 1904 in North Dakota geboren und gilt als einer der einflussreichsten amerikanischen Künstler des abstrakten Expressionismus in der Nachkriegszeit, auch wenn er nie den Bekanntheitsgrad eines Jackson Pollock erreicht hatte. Still starb 1980, worauf die Stadt Denver jahrelang zusammen mit seiner Witwe für ein Museum für sein Werk gekämpft hat. Um dieses zu finanzieren, wurden vier Gemälde von Still für 114 Millionen Dollar versteigert.

Nach dem Tod von Stills Witwe 2005 gingen hunderte seiner Werke und sein Nachlass an das Museum, das am 18. November des vergangenen Jahres eröffnet wurde. Viele der dort ausgestellten Bilder, waren zuvor nie in der Öffentlichkeit gezeigt worden.

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