Aktualisiert 17.01.2019 14:41

FrauenfeldBetrunkenen überfahren – Lenkerin frei gesprochen

Lukas B. wurde zu Tode gefahren, als er nachts betrunken auf der Strasse lag. Die involvierte Lenkerin wurde nun auch vom Obergericht freigesprochen.

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Der 26-jährige Lukas B. verunglückte vor vier Jahren tödlich in der Nähe von Neunforn TG.

Der 26-jährige Lukas B. verunglückte vor vier Jahren tödlich in der Nähe von Neunforn TG.

Beat Kälin, newspictures
Auf dem Nachhauseweg von einem Fest war er betrunken auf der Strasse liegengeblieben.

Auf dem Nachhauseweg von einem Fest war er betrunken auf der Strasse liegengeblieben.

Beat Kälin, newspictures
Der Unfallort wurde zur Pilgerstätte.

Der Unfallort wurde zur Pilgerstätte.

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Die Autofahrerin hatte im Dunkeln auf einer Landstrasse im Thurgau einen auf der Strasse liegenden Betrunkenen überfahren. Der junge Mann starb noch auf der Unfallstelle. Nun ist die 47-jährige Frau freigesprochen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

2,36 Promille im Blut

Der Unfall ereignete sich am 20. September 2015 morgens um 6 Uhr. Die heute 46-jährige Beschuldigte wollte mit einem Lieferwagen Brot ausliefern und fuhr auf der Strecke von Unterstammheim in Richtung Dietingen. Als sie in der Dunkelheit eine auf der Strasse liegende Gestalt wahrnahm, versuchte sie noch auszuweichen. Doch der Wagen überrollte den Mann. Der 25-Jährige starb noch am Unfallort an schweren Kopfverletzungen. Gemäss dem Obduktionsbericht hatte er 2,36 Promille Alkohol im Blut.

Das Bezirksgericht Frauenfeld sprach die Autofahrerin vor einem Jahr vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei: Sie habe den Unfall unter keinen Umständen vermeiden können, weil sie den mitten auf der Strasse liegenden Mann nicht rechtzeitig habe sehen können.

Zu diesem Schluss kam das Gericht, nachdem es den Unfall bei einem Augenschein nachgespielt hatte. Die vorsitzende Richterin steuerte den Versuchswagen selber und konnte die auf der Strasse deponierte Puppe nicht rechtzeitig sehen.

Betrunkener war allein

Das Thurgauer Obergericht kam nun zum selben Schluss und hat die Berufungen der Staatsanwaltschaft und der Angehörigen des Opfers abgewiesen. Der Staat muss die Beschuldigte für die Verfahrenskosten entschädigen.

Gemäss dem Polizeibericht war die Frau auf der Überlandstrecke mit einem Tempo von 60 km/h unterwegs. Dies war nicht zu schnell, so das Obergericht. Mit einer quer auf der Strasse liegenden, dunkel gekleideten und deshalb schlecht erkennbaren Person habe die Frau nicht rechnen müssen, auch wenn in der Nähe ein Fest stattfand, bei dem angeblich viel Alkohol getrunken wurde.

«Es ist unüblich, dass sich eine stark betrunkene Person von einer solchen Party allein auf den Weg macht und auf einer Strasse quer zum Liegen kommt», heisst es im Urteil.

Angehörige fordern 100'000 Franken

Der Staatsanwalt und die Familienangehörigen hatten einen Schuldspruch vor dem Thurgauer Obergericht verlangt. Die Frau habe gewusst, dass im Weiler eine Party stattfand und gemäss ihren eigenen Angaben mit Betrunkenen gerechnet. Sie hätte den Unfall verhindern können, wenn sie langsamer gefahren und aufmerksamer gewesen wäre, argumentierte der Staatsanwalt.

Die Familienangehörigen und die Lebenspartnerin des Unfallopfers beantragten Schadenersatz und Genugtuung in der Höhe von über 100'000 Franken. Diese Forderungen hat das Thurgauer Obergericht auf den Zivilweg verwiesen. (sda)

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