Promillegrenze nötig?: Betrunkener Bootsfahrer rammt Schiff

Aktualisiert

Promillegrenze nötig?Betrunkener Bootsfahrer rammt Schiff

Ein betrunkener Bootsführer rammt auf dem Murtensee ein Boot. Sechs Personen landen im Wasser. Brisant: Eben erst erteilte der Motorboot-Verband einer Alkoholgrenze auf Schweizer Seen eine Abfuhr.

von
zum/tab

Ein angetrunkener Motorbootfahrer ist in Sugiez FR auf dem Murtensee über ein beim Broyebezirk verankertes Boot katapultiert worden. Die sechs Insassen dieses Bootes fielen ins Wasser, konnten aber vom Rettungsdienst Vully unverletzt geborgen und an Land geführt werden.

Gemäss der Freiburger Kantonspolizei hatte der 50-jährige Motorbootfahrer gestern Samstag gegen 18.30 Uhr zunächst absichtlich Wellen um das verankerte Boot kreiert. Während dieser Manöver habe er die Herrschaft über sein Boot verloren und sei über das vor Anker liegende Boot katapultiert worden.

Nach der Kollision sei der Motorbootfahrer weitergefahren, ohne sich um den angerichteten Schaden und die ins Wasser gefallenen Leute zu kümmern. Er wurde später von der Polizei identifiziert und einvernommen.

Motorbootverband gegen klare Promillegrenze

Der neuste Unfall auf dem Murtensee, dürfte dem Bestreben nach einer schweizweit verbindlichen Promillegrenze für Bootsführer Auftrieb geben. Denn mit der Revision der Binnenschifffahrtsverordnung will der Bund klare Blutalkoholgrenzwerte für das Führen von Schiffen festlegen.

Kritiker halten diese Massnahme jedoch für unverhältnismässig: «Aus tiefster Überzeugung sind wir in jedem Fall dagegen, dass unnötige und immer mehr zusätzliche Gesetzesbestimmungen und Verbote erlassen werden», schreibt der Verband Motorboot Schweiz heute Sonntag in einer Stellungnahme zur Vernehmlassung.

So gebe es offiziell keine Statistiken über Unfälle mit Privatschiffen auf dem Wasser, welche schlüssige Ergebnisse in der Alkoholfrage zeigen würde, heisst es weiter. Motorboot Schweiz sieht kein eigentliches Problem und darum auch keinen Handlungsbedarf.

SVP gegen Gesetz

Ähnlich äussert sich die SVP. Die Volkspartei hält die Einführung von schweizweiten Promillegrenze bei der Schifffahrt für wenig sinnvoll - «angesichts des recht überschaubaren Verkehrs auf unseren Seen», heisst es in einer Mitteilung.

Für das Führen eines Schiffes unter Alkoholeinfluss gab es bis anhin keine klare, bundesweite Regelung - etwa die Definition für den Begriff der Angetrunkenheit. So gab es bisher keine Konkretisierung dazu, ab welcher Alkoholkonzentration im Blut Angetrunkenheit vorliegt.

Die Kantone hielten sich meist an die entsprechenden Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr. Dies soll nun schweizweit gelten. Die SP unterstützt diese Angleichung - «auch um Rechtssicherheit zu schaffen und einen einfacheren Vollzug durch die Polizeiorgane zu gewährleisten», wie es in einer Mitteilung heisst. FDP, BDP und CVP haben sich zu diesem Thema nicht geäussert.

Regel für Gummiboote «unsinnig»

Die SVP kritisiert derweil die Änderung. Es sei unsinnig und übertrieben, die gesamte Besatzung eines Freizeitbootes dem Grenzwert zu unterwerfen, wie das gefordert werde. Kritisiert wird auch die breite Anwendung. So sind nicht nur Führer von Motorbooten und Segelschiffen betroffen. Als fahrunfähig gilt nämlich gemäss Verordnungstext, wer ein «motorloses Schiff mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille» steuert. «Das ‹motorlose Schiff› ist indessen nicht klar definiert. Es könnten darunter auch Strandboote und Padelboote verstanden werden, welche wohl kaum von den Vorschriften erfasst werden dürften», hält die Vereinigung der Schifffahrtsämter (vks) fest.

Der vks begrüsst zwar die neuen Bestimmungen über die Fahrunfähigkeit und deren Feststellung, hier bestehe jedoch die dringende Notwendigkeit einer präzisen Umschreibung, heisst es in einer Mitteilung.

Von Ruderbooten, Gummibooten und anderen in der gleichen Art gehe keine Gefahr für Dritte hervor, hält auch Motorboot Schweiz fest. Dass sie dennoch von den geplanten Vorschriften betroffen seien, stehe in keinem Verhältnis und sei unsinnig.

(zum/tab/sda)

Deine Meinung