Kommt am Mittwoch das Bettel-Verbot? - «Betteln darf nicht verboten werden. Es ist ein Grundrecht»
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Kommt am Mittwoch das Bettel-Verbot?«Betteln darf nicht verboten werden. Es ist ein Grundrecht»

Der grosse Rat beschliesst am Mittwoch über die Einführung eines ausgedehnten Bettelverbots in Basel. 20 Minuten hat die Meinung von Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker, eingeholt.

von
Alexia Mohanadas
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Am Mittwoch beschliesst der Grosse Rat in der Bündelitagsitzung über die Einführung eines ausgedehnten Bettelverbots in Basel.
Bild: las

Am Mittwoch beschliesst der Grosse Rat in der Bündelitagsitzung über die Einführung eines ausgedehnten Bettelverbots in Basel.
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20 Minuten hat die Meinung von Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter von Gesellschaft für bedrohte Völker, eingeholt. Er kritisiert die Aussagen von Rumänien-Kenner Michael Derrer in einem vergangenen Interview.

20 Minuten hat die Meinung von Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter von Gesellschaft für bedrohte Völker, eingeholt. Er kritisiert die Aussagen von Rumänien-Kenner Michael Derrer in einem vergangenen Interview.

Christoph Wiedmer

Darum gehts

  • Am Mittwoch behandelt der Grosse Rat dringlich die Revision des Bettelverbots.

  • Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker, sagt gegenüber 20 Minuten, weshalb ein Bettelverbot in Basel nicht angebracht ist.

Am Mittwoch beschliesst der Grosse Rat in der Bündelitagsitzung über die Einführung eines ausgedehnten Bettelverbots in Basel. Der Regierungsrat beantragt deshalb ein beschränktes Bettelverbot und legt eine Änderung des Übertretungsstrafgesetzes vor. Mit Busse soll bestraft werden, wer im öffentlichen Raum oder an allgemein zugänglichen Orten bettelt und dabei die öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung stört. Dies ist etwa bei aggressivem Betteln der Fall.

20 Minuten hat die Meinung von Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker, eingeholt. Er kritisiert die Aussagen von Rumänien-Kenner Michael Derrer in einem vergangenen Interview.

Seine Organisation habe viel Erfahrung mit Fahrenden und wisse, dass Bettelnde durchaus versuchen, Fuss zu fassen. «Einige von ihnen arbeiten zum Beispiel als Erntehelferinnen und Erntehelfern auf dem Feld. Allerdings sind sie nach der Saison zwischenzeitlich wieder auf das Betteln angewiesen», so Wiedmer zu 20 Minuten.

«Das Betteln darf auf keinen Fall verboten werden. Es ist ein Grundrecht, dass Menschen in Not betteln dürfen», sagt Wiedmer. Viele dieser Menschen seien wirklich darauf angewiesen und könnten ohne nicht mehr überleben.

Weiter sagt Wiedmer, dass es schlimm sei, den Bettelnden zu unterstellen, dass diese eigentlich gar nicht arbeiten wollen und nur faul herum sitzen. Es sei viel mehr so, dass die Bettlerinnen und Bettler sich aus Angst nicht registrieren lassen würden. «Viele dieser Menschen haben sehr schlechte Erfahrungen mit den Behörden gemacht. In Rumänien ist eine Registrierung bei den Behörden eher ein Nachteil für die Bettler», so Wiedmer. Nach einer Registrierung, würden die meisten verfolgt werden und Gewalt erleben. Auch die Polizei sei gegenüber Bettlerinnen und Bettlern rassistisch und gewalttätig. «Deshalb sind Bettlerinnen und Bettler generell gegenüber der Regierung sehr misstrauisch. Sie denken, man wolle ihnen etwas Schlechtes.»

Vielen Schweizerinnen und Schweizern gehe es finanziell gut und aus diesem Grund könne man sich auch nicht vorstellen wie es ist, in einer Notlage zu sein. «Die Bettelnden machen das nicht freiwillig, sondern leben in Armut. Wer macht das schon freiwillig?», so Wiedmer. In Rumänien bestehe für die Bettlerinnen und Bettler und deren Kinder keine Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erhalten oder einer normalen Arbeit nachzugehen, meint Wiedmer.

«Bei der Bettel-Thematik versagt unser Staat.»

Christoph Wiedmer<strong>,</strong> Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker

«Ich finde, bei der Bettel-Thematik versagt unser Staat. Wir haben nämlich die Möglichkeit, diese Menschen zu begleiten, aber wir tun es nicht», ärgert sich Wiedmer. Mit einem Verbot werde das Problem nicht gelöst.

«Ich bin klar für Regelungen.»

Christoph Wiedmer<strong>,</strong> Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker

Den Gegenvorschlag, den die Linken in Basel fordern, unterstütze Wiedmer. Deren Lösungs-Vorschlag halte auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) stand. «Ich bin für Regelungen und auch der Meinung, dass es wichtig ist für unser Zusammenleben», sagt Wiedmer. «Es wäre gut, wenn die Bettel-Thematik ähnlich wie bei den Stadtmusikanten geregelt würde. Dabei könnte man vielleicht einen zeitlichen Rahmen fürs das Betteln aushandeln oder gewisse Örtlichkeiten besprechen».

«Wenn die meisten Leute davon reden, dass man Bettler immer wieder mit neuen Handys oder Markenkleider sieh, ist das unreflektiert.»

Christoph Wiedmer<strong>,</strong> Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker

Wenn die meisten Leute davon reden, dass man Bettlerinnen und Bettler immer wieder mit neuen Handys oder Markenkleider sehe, dann findet das Wiedmer unreflektiert. «Ein Handy ist meistens der wichtigste Besitz dieser Menschen, weil sie so mit ihrer Familie kommunizieren und sich auf diese Weise austauschen können», so Wiedmer. Es sei nicht korrekt, dass die meisten Menschen glauben, dass die Bettelnden nur in Lumpen herumlaufen müssen.

«Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Schweiz 80’000 Romas leben. Sie sind intergiert und arbeiten auf einem normalen Beruf. Darunter gibt es auch Ärztinnen und Ärzte, Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter oder Lehrerinnen und Lehrer.»

Neben der Durchführung von Kampagnen und Projekten zur Unterstützung von Minderheiten und indigenen Völkern, versteht sich die Gesellschaft für bedrohte Völker auch als Informationsplattform. Die Gesellschaft hat Erfahrungen mit Fahren und unterstützt sie.
Christoph Wiedmer ist Co- Geschäftleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker, Schweiz.

Neben der Durchführung von Kampagnen und Projekten zur Unterstützung von Minderheiten und indigenen Völkern, versteht sich die Gesellschaft für bedrohte Völker auch als Informationsplattform. Die Gesellschaft hat Erfahrungen mit Fahren und unterstützt sie.

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