Die Abwahl Beyelers: «Bevölkerung hätte seine Wahl nicht verstanden»
Aktualisiert

Die Abwahl Beyelers«Bevölkerung hätte seine Wahl nicht verstanden»

SVP-Nationalrat Christoph Mörgerli kämpfte unermüdlich gegen die Wiederwahl Beyelers. Als Genugtuung für Holenweger will er die Abwahl nicht sehen.

von
Lukas Mäder
«Man kann sachlich darlegen, dass Beyeler grosse Fehler gemacht hat»: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

«Man kann sachlich darlegen, dass Beyeler grosse Fehler gemacht hat»: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.

Bundesanwalt Erwin Beyeler verpasst das absolute Mehr in der Bundesversammlung. Hat Sie dieses Resultat überrascht?

Christoph Mörgeli: Ich bin eher überrascht. Denn aufgrund der Parolen, die die Fraktionen im Voraus herausgegeben haben, konnte man die Abwahl nicht erwarten.

Alle Fraktionen ausser der SVP haben Beyeler zur Wiederwahl empfohlen. Wer hat sich nun nicht an diese Wahlempfehlung gehalten?

Es gab wohl in allen Parteien Parlamentarier, die gegen Beyeler gestimmt haben. Auf massiven Widerstand dürfte er bei der SP und den Grünen gestossen sein. Aber ich vermute, dass auch einige Ständeräte den Bundesanwalt nicht gewählt haben. Sie haben meinen Argumenten vor der Wahl aufmerksam zugehört.

Haben Sie persönlich im Vorfeld der Wahl gegen Beyeler geweibelt?

Überhaupt nicht. Ich habe mit keinem Parlamentarier aus einer anderen Partei darüber gesprochen. Einzig mit dem Präsidenten der Gerichtskommission, CVP-Nationalrat Reto Wehrli, habe ich gesprochen, aber eher über die technischen Aspekte der Wahl. Aber ich habe die eigene Partei überzeugt.

Die SVP-Fraktion hat sich einstimmig gegen Beyeler ausgesprochen, obwohl bei den Vorberatungen in der Gerichtskommission noch zwei SVP-Mitglieder für die Wiederwahl waren.

Man kann sachlich darlegen, dass Beyeler grosse Fehler gemacht hat, Unwahrheiten gesagt hat und eine Mitverantwortung für die Verpflichtung von Drogenboss Ramos hatte. Diese hat einen unbescholtenen Bürger acht Jahre seines Lebens gekostet.

Sie sprechen den Fall des Bankiers Oskar Holenweger an. Ist die Abwahl des Bundesanwalts auch eine Genugtuung für ihn?

Eine Abwahl ist immer unerfreulich. Niemand hat gejubelt bei der Verkündigung des Wahlresultats. Aber Beyelers Abwahl war nötig. Wir müssen nach der Reorganisation der Bundesanwaltschaft einen Neuanfang machen mit einem neuen Kopf an der Spitze.

Bringt eine neue Führung nicht Unruhe in die Bundesanwaltschaft, wie die Gerichtskommission argumentiert hatte?

Überhaupt nicht. Das ist eine absurde Aussage. Mit dieser Begründung hätte man auch argumentieren können, als es um die Absetzung des damaligen Armeechefs Roland Nef ging. Ausserdem zeigen die vielen personellen Abgänge in der Bundesanwaltschaft, dass bereits Unruhe vorhanden ist.

Sie haben sich unermüdlich gegen Beyeler engagiert. Ist die Abwahl Ihr Verdienst?

Das weiss ich nicht. Es ist der Verdienst des Parlaments, dass es seine Verantwortung wahrgenommen hat. Die Bevölkerung hätte nicht verstanden, wenn wir jemanden weiterbeschäftigt hätten, der einen Bürger so in die Bredouille gebracht hat.

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