20.09.2019 09:45

Algorithmus

Bevorzugen Amazon und Co. ihre Eigenmarken?

Händler wie Amazon bieten ihre eigenen Marken an. Die sind teils von niedriger Qualität und lohnen sich auch für den Anbieter nicht immer.

von
bsc
1 / 8
Plattformen wie Amazon und Zalando setzen auf Eigenmarken. Denn ohne Zwischenhändler können die Produkte günstiger verkauft werden.

Plattformen wie Amazon und Zalando setzen auf Eigenmarken. Denn ohne Zwischenhändler können die Produkte günstiger verkauft werden.

20 Minuten
Amazon verkauft mehr als 10'000 Produkte unter seinen Eigenmarken, zu denen die Namen AmazonBasic, Presto, Mama Bear und Lark & Ro. gehören. Doch nur diejenigen mit dem Amazon Markennamen rentieren auch.

Amazon verkauft mehr als 10'000 Produkte unter seinen Eigenmarken, zu denen die Namen AmazonBasic, Presto, Mama Bear und Lark & Ro. gehören. Doch nur diejenigen mit dem Amazon Markennamen rentieren auch.

Obwohl nicht alle Eigenmarken bei Amazon rentieren, soll der Onlineriese Eigenprodukte mit einem Algorithmus gepusht haben. Amazon weist die Vorwürfe zurück.

Obwohl nicht alle Eigenmarken bei Amazon rentieren, soll der Onlineriese Eigenprodukte mit einem Algorithmus gepusht haben. Amazon weist die Vorwürfe zurück.

epa/Waltraud Grubitzsch

Wer auf Amazon etwas sucht, erhält in den ersten Suchergebnissen oft Produkte, die der Onlinehändler selber herstellt. In einem Bericht des «Wall Street Journal» heisst es nun: Der Konzern habe den Suchalgorithmus verändert, damit Eigenmarken an vorderster Stelle gezeigt werden.

Amazon weist diesen Vorwurf zurück. Das Unternehmen habe die Kriterien, anhand derer es Suchergebnisse bewertet, nicht geändert, sagt Ole Wulff, Sprecher von Amazon Deutschland, zu 20 Minuten: «Wie jeder andere Anbieter achten wir auf die Profitabilität der Produkte, die wir anbieten, aber das ist nur ein Faktor und in keiner Weise entscheidend für das, was wir unseren Kunden zeigen.»

Eigenmarken floppen

Eigenmarken rentierten beim Onlinehändler nur, wenn sie auch den Namen Amazon trügen, heisst es in einer Analyse von Marketplace Pulse. Tausende andere Produkte, die Amazon lanciert hat, floppen hingegen bei den Kunden. Und oft lässt auch die Qualität zu wünschen übrig (siehe Box).

Die Anschuldigung, Amazon würde seine Eigenmarken bevorzugen, kommt für den Händler ungelegen, denn in den USA und Europa steht das Unternehmen unter Beobachtung. Der Grund: Amazon nimmt eine Doppelrolle ein – als Betreiber eines Marktplatzes und Verkäufer von Produkten mit Eigenmarken.

Deshalb gilt: «Als Plattformbetreiber sollten die Unternehmen nicht die eigenen Produkte bevorzugen», sagt Michael Klaas, Leiter der Fachstelle Digital Marketing an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die Benachteiligung von Partnern führe immer zu Vertrauensverlust auf Seiten anderer Anbieter: «Es gibt aber keine gesetzlichen Vorschriften, wie ein Suchalgorithmus gestaltet werden muss.»

Ohne Zwischenhändler wird die Ware günstiger

Auch Galaxus und Zalando sind Marktplätze und zugleich Verkäufer von Eigenmarken. «Es ist im Onlinehandel durchaus üblich, Produkte anzubieten, die als Eigenmarken direkt beim Produzenten eingekauft werden», erklärt Tobias Billeter, Sprecher von Galaxus.

Denn ohne Zwischenhändler können die Produkte günstiger verkauft werden. Bei Galaxus sei der Anteil an Eigenmarken derzeit aber sehr klein, so Billeter. Und sie würden auch nicht durch einen Suchalgorithmus bevorzugt behandelt.

Zalando will weniger Eigenmarken

Zalando verzichtet ebenfalls auf Algorithmen, um Eigenmarken zu pushen, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. Der Moderiese plane, sein Eigenmarken-Angebot bis 2020 sogar zu verkleinern.

Damit setzt Zalando vermehrt auf das Plattform-Business. «Wir wollen unseren Kunden alle relevanten Marken auf unserer Plattform bieten», erklärt Julia Zweigle, Zalando-Sprecherin. Das Eigenmarken-Sortiment soll das Angebot lediglich ergänzen.

Sind Eigenmarken qualitativ schlechter?

«In den meisten Fällen handelt es sich bei Amazon-Eigenmarken um günstige Alternativprodukte aus dem asiatischen Raum. Diese sind daher oft nicht so qualitativ hochwertig wie das Markenprodukt», erklärt Michael Klaas, Leiter der Fachstelle Digital Marketing an der ZHAW. Würden die Reviews der Produkte betrachtet, seien die meisten Kunden aber durchaus zufrieden. Bei Galaxus werden Eigenmarken geprüft und müssen die Qualitätsanforderungen der Schweiz erfüllen, wie Sprecher Tobias Billetter sagt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.