Rassismus-Vorwurf: Bevorzugt Twitter weisse vor dunkelhäutigen Gesichtern?
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Rassismus-VorwurfBevorzugt Twitter weisse vor dunkelhäutigen Gesichtern?

Ein Twitter-Nutzer hat ein Bild auf das soziale Netzwerk geladen, auf welchem ein dunkelhäutiger und ein hellhäutiger Mann zu sehen sind. In der Bildvorschau erscheint aber nur das weisse Gesicht. Das Problem liege tief, so der User.

von
Dominique Zeier
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Colin Madland, Universitätsmanager aus Vancouver, war bei einem Zoom-Meeting mit einem Kollegen etwas aufgefallen. 

Colin Madland, Universitätsmanager aus Vancouver, war bei einem Zoom-Meeting mit einem Kollegen etwas aufgefallen.

Foto: Twitter
Und zwar wurde dessen Gesicht immer wieder aus dem Bild geschnitten. 

Und zwar wurde dessen Gesicht immer wieder aus dem Bild geschnitten.

Foto: Twitter
Als Madland den Screenshot auf Twitter postete, fiel ihm erneut auf, dass sein Kollege ständig aus der Vorschau des Bildes geschnitten wurde. 

Als Madland den Screenshot auf Twitter postete, fiel ihm erneut auf, dass sein Kollege ständig aus der Vorschau des Bildes geschnitten wurde.

Foto: Twitter

Darum gehts

  • Dem Twitter-Algorithmus wird vorgeworfen, rassistische Vorurteile zu haben.
  • So soll er weisse Gesichter schwarzen Gesichtern vorziehen.
  • Das behauptet ein weisser Twitter-Nutzer, nachdem er ein Bild von sich und einem dunkelhäutigen Arbeitskollegen getweetet hatte.
  • In der Bildvorschau war allerdings nur sein eigener Kopf zu sehen.

Eigentlich hatte Colin Madland, Universitätsmanager aus Vancouver, seiner Frustration auf Twitter Luft machen wollen. Ihm war nämlich aufgefallen, dass der Kopf eines dunkelhäutigen Arbeitskollegen bei Zoom-Meetings ständig aus dem Bild geschnitten wurde. Wie Madland vermutet, geschieht dies, weil der Video-Call-Dienst seinen Kollegen für einen Teil des virtuellen Hintergrunds hält und ihn deshalb absichtlich ausblendet. «Zoom hat ein ganz schlechtes Gesichtserkennungsprogramm», schreibt Madland.

Auf Twitter postete er also einen Screenshot, auf welchem er selbst und der dunkelhäutige Arbeitskollege zu sehen sind.

Ärger auch auf Twitter

Nur wenig später fiel Madland aber ein neues Problem auf, dieses Mal auf Twitter. Dort wurde in der mobilen Vorschau für den Screenshot oft nämlich nur sein Kopf angezeigt; sein Arbeitskollege war wieder einmal – von ihm ungewollt – aus dem Bild geschnitten worden. Um zu testen, ob dies Zufall war, spiegelte Madland das Bild und postete es erneut auf Twitter. Auch beim gespiegelten Bild wurde sein eigenes Gesicht als Teaser-Bild
für den Screenshot ausgewählt.

Grösseres Problem

Durch Madland wurden auch andere Twitter-Nutzer auf das Problem aufmerksam und führten ihre eigenen Experimente mit verschiedensten Bildern durch. So behauptet ein Twitter-Nutzer, dass das Gesicht des US-Senators Mitchell McConnell gegenüber dem Bild des früheren US-Präsidenten Barack Obama bevorzugt werde (mit Klick auf die beiden Bilder im unten stehenden Tweet kann dies selbst getestet werden). Ein weiterer User teilt mit, dasselbe Phänomen bei einem Stock-Foto eines weissen Mannes gegenüber einem ähnlichen Bild eines dunkelhäutigen Mannes beobachtet zu haben.

Twitters Chief Design Officer, Dantley Davis, hat sich mittlerweile zu den Anschuldigungen, dass Twitter weisse Gesichter bevorzuge, geäussert. Ebenfalls in einem Tweet schreibt er: «Aufgrund einiger Experimente, die ich durchgeführt habe, bin ich zum Schluss gekommen, dass die Gesichtsbehaarung von Madland den Versuch beeinflusst, da der Bart einen so starken Kontrast zu seiner Haut hat.» Davis hat daher den Bart von Madland aus dem Bild herauseditiert. Tatsächlich sei ihm anschliessend der dunkelhäutige Mann in der Vorschau angezeigt worden. «Unser Team hat das Modell auf rassistische Vorurteile geprüft, bevor wir es veröffentlicht haben», so Davis.

Weitere Analysen

Er nimmt die Kritik aber auf. «Ich weiss, dass es für euch lustig ist, über mich herzuziehen – aber es nervt mich genauso sehr wie euch. Ich bin jedoch in einer Position, aus der ich das reparieren kann, und das werde ich auch tun.»

Auch Twitter selbst hat sich über ihr soziales Netzwerk zu Wort gemeldet. In einem Tweet heisst es: «Wir haben das System auf Vorurteile getestet und keine Hinweise auf rassistische oder geschlechterspezifische Verzerrung gefunden. Aber es ist klar, dass wir noch weitere Analysen durchführen müssen.»

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