Rosatom – Axpo bezieht trotz Ukraine-Krieg weiter Uran von Russland

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RosatomAxpo bezieht trotz Ukraine-Krieg weiter Uran von Russland

AKWs der Axpo beziehen noch immer atomare Brennstoffe vom russischen Staats-Konzern Rosatom. Für die Abhängigkeit von Russland gerät das Schweizer Unternehmen nun in Kritik.

von
Dominik Fischer
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Die Axpo will ihre laufenden Verträge mit dem russischen Atom-Konzern Rosatom erfüllen. 

Die Axpo will ihre laufenden Verträge mit dem russischen Atom-Konzern Rosatom erfüllen. 

20min/Marco Zangger
Das Kernkraftwerk Beznau hängt vom russischen Brennstoff der Rosatom ab.

Das Kernkraftwerk Beznau hängt vom russischen Brennstoff der Rosatom ab.

20min/Marco Zangger
Auch der Reaktor in Leibstadt wird zu grossen Teilen mit russischem Uran betrieben.

Auch der Reaktor in Leibstadt wird zu grossen Teilen mit russischem Uran betrieben.

REUTERS

Darum gehts

Der Schweizer Atomkraftwerkbetreiber Axpo bezieht noch immer russische Brennstoffe von der Firma Rosatom. Mit den Brennstoffen betreibt Axpo die Kernkraftwerke in Beznau und Leibstadt. Der Staatskonzern Rosatom ist jedoch nicht nur Russlands Behörde für zivile Atomenergie, sondern stellt auch die russischen Atomsprengköpfe her.

Als die russische Armee am vierten März das ukrainische Atomkraftwerk in Saporischschja eroberte, wurde das Militär von elf Rosatom-Technikern begleitet, wie das SRF berichtet. Rosatom beteiligt sich folglich aktiv an der Invasion der Ukraine und ist ein wesentlicher Teil von Putins Kriegsmaschine.

«Es gibt natürlich eine Abhängigkeit»

Wieso also arbeitet Axpo noch immer mit Rosatom zusammen, wenn die Gewinne des Staatskonzerns indirekt den Krieg in der Ukraine begünstigen? «Wenn Sie einen bewährten Lieferanten haben, der die Qualität liefert, die Sie brauchen – aus sicherheitstechnischen und qualitätstechnischen Gründen – dann wechselt man nicht so einfach», sagte Willibald Kohlpaintner, Leiter der Division Kernkraft der Axpo gegenüber der «Rundschau». 

So würden die laufenden Verträge erfüllt, jedoch keine neuen Verträge mehr abgeschlossen. Gleichzeitig muss Kohlpaintner eingestehen: «Es gibt natürlich eine Abhängigkeit, wir prüfen zurzeit intensiv, wie wir die Abhängigkeit von russischem Brennstoff verringern können.»

Die Axpo-Reaktoren in Beznau hängen derzeit komplett vom russischen Brennstoff ab, das AKW der Axpo in Leibstadt bezieht laut Angaben des SRF die Hälfte ihres Urans von Rosatom. Damit ist die Schweiz und Axpo nicht allein. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs stecken westliche Länder in der Zwickmühle, da sie Russland mit Sanktionen belegen wollen, jedoch noch immer auf russische Energielieferungen angewiesen sind. So hatte die Energieministerin Simonetta Rommaruga Anfang März gesagt, der Krieg zeige, wie abhängig Europa und auch die Schweiz vom russischen Gas seien. In der Schweiz stammen derzeit rund 50 Prozent des Brennstoffs aus Russland.

Andere handeln konsequenter

Jedoch haben andere Länder und Konzerne weitaus konsequenter auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine reagiert als die Axpo. So reagierten die USA und die EU auf die russische Invasion, indem sie Erdölimporte stoppten oder reduzierten. Als Reaktion auf den Krieg wurde zudem das Zertifizierungsverfahren für die Nordstream 2 Pipeline eingestellt.

Auch im Bereich Atomenergie gibt es Vorbilder: So hat der schwedische Vattenfall-Konzern nur wenige Tage nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine seinen Liefervertrag mit Rosatom ausgesetzt, wie das SRF berichtet. Gegenüber der «Rundschau» sagte der Konzern: «Die russische Invasion hat Vattenfall zur Entscheidung geführt, so schnell wie möglich die Beziehungen zu allen russischen Lieferanten zu beenden oder auf ein Minimum zu reduzieren.»

«Finanzieren die neuen Waffensysteme»

Axpo hingegen will die laufenden Verträge erfüllen. Der Staatskonzern Rosatom untersteht direkt der russischen Regierung. Solange die Verträge laufen, begünstigt die Axpo somit indirekt Putins Krieg in der Ukraine. FDP-Ständerat Ruedi Noser kommentiert zu den laufenden Geschäften mit Rosatom: «Da ist es doch offensichtlich, dass wir diese Bomben finanzieren mit solchen Verträgen.» Mit Blick auch auf die französische Abhängigkeit der russischen Lieferungen fügt er hinzu: «Wir finanzieren einfach die neuen Waffensysteme dieser Firma.»

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