Aktualisiert 27.09.2005 17:21

Bewährtes Duo für die deutschen Grünen

Die deutschen Grünen haben mit der Wahl ihrer Fraktionsführung im Bundestag auf ein bewährtes Duo gesetzt.

Die neuen Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn waren vor ein paar Jahren schon gemeinsam die Vorsitzenden der Öko-Partei.

Als Ministerin auf ungewohntem Terrain

Angst vor schwierigen Aufgaben und neuen Herausforderungen kennt Renate Künast nicht. Als das «Grossstadt-Kind» 2001 das Agrar- Ministerium übernahm, stellte sie sich als Reformerin entschlossen den Bauern. Die entsprachen so gar nicht ihrer bisherigen «Klientel».

Als Agrar- und Verbraucherministerin gewann die heute 49-Jährige rasch Profil. Konsequent kämpfte sie für eine Wende in der Landwirtschaftspolitik, für Auflagen beim Anbau gen-veränderter Pflanzen und für mehr Rechte der Konsumenten. Die passionierte Inline-Skaterin kam dabei nie ins Rutschen.

Die ehemalige Sozialarbeiterin und Juristin bewährte sich auch in den schwierigen Macht-Strukturen der Grünen. So war sie Grünen- Fraktionschefin im Regionalparlament von Berlin, als dort 1989/90 eine rot-grüne Koalition regierte.

Von 2000 bis zur Übernahme des Agrar-Ressorts 2001 war sie als Vertreterin des linken Parteiflügels Parteivorsitzende der Grünen - zusammen mit Fritz Kuhn.

Fritz Kuhn: Rückkehr des strategischen Denkers

Für ihn ist die Wahl an die Fraktionsspitze eine Come Back. Die Unvereinbarkeit von Partei-Amt und parlamentarischem Mandat hatte den strategischen Denker 2002 ins vorläufige Abseits gebracht. Damals musste Fritz Kuhn nach zwei Jahren das Amt des Grünen- Parteichefs aufgeben.

Er war kurz zuvor in den Bundestag gewählt worden und musste gemäss Grünen-Statut einen der beiden Posten räumen. Erst in der Folgezeit rückte die Öko-Partei auch von diesem Relikt der Gründer- Jahre ab. Für Kuhn kam der Statuten-Wechsel zu spät.

In der Bundestags-Fraktion fiel es dem Sprachwissenschaftler anfangs nicht leicht, seine Rolle zu finden. im jüngsten Bundestags- Wahlkampf rückte Kuhn aber wieder in die vorderste Reihe der Partei. Er wurde der entscheidende Wahlkampf-Manager.

Nun kann Kuhn auf einen Wahl-Erfolg der Grünen verwiesen: Trotz schlechter Start-Position erlitten sie dank ihres «Super-Stars» Joschka Fischer nur minimale Verluste. Die Partei sieht sich gestärkt, konstruktiv und «bissig» will sie Opposition sein.

Als Verfechter eines eher pragmatischen Kurses gilt Kuhn bei den Grünen als Vertreter der «Realos», selbst wenn diese Etiketten immer mehr verblassen. Der frühere Jungsozialist war 1978 aus der SPD ausgetreten, bei den Grünen ist er seit den Anfangstagen dabei.

(sda)

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