Sieg oder Gewalt: Bewaffnete «Fans» bedrohen Spieler

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Sieg oder GewaltBewaffnete «Fans» bedrohen Spieler

Argentiniens Fussball wird von einem neuen Skandal erschüttert. «Fans» bedrohten Spieler des akut abstiegsgefährdeten San Martin Tucuman mit Waffen im Training. Doch was genau vor sich ging, weiss niemand so genau.

Mit 0:3 ging San Martin gegen die Boca Juniors unter. Drei Spieltage vor Schluss droht dem Verein der Abstieg aus der obersten Spielklasse. Fast noch schlimmer ist, dass ausgerechnet Erzfeind Atlético de Tucuman vor dem Aufstieg steht. Um dieses Horrorszenario zu verhindern, braucht die Mannschaft von Carlos Roldan noch mindestens sechs Punkte. Bei drei Siegen ist der Ligaerhalt für San Martin auf jeden Fall geschafft. Diese drei Siege haben die Fans – vermutlich von der «banda del Camión» - jetzt deutlich von der Mannschaft gefordert: «Wenn wir nicht die neun Punkte holen, werden wir die Konsequenzen spüren», so der chilenische Angreifer Cristian Canio gegenüber dem Radiosender «ADN». «Sie werden ihren Ärger an uns, unseren Autos und unseren Familien auslassen», so der Stürmer weiter. Die aufgebrachte Menge habe die Spieler beschimpft und ihnen die mitgebrachten Schusswaffen gezeigt. Als Warnung gaben sie einen Schuss in die Luft ab und legten Patronenhülsen auf die Autos der Spieler. Dabei machten die «Fans» gemäss Canio vor allem einen Grund für ihr Verhalten verantwortlich: «Sie sagten, das wir sie ‚bestehlen'. Sie würden uns bedingungslos unterstützen und uns überall hin begleiten, ohne je einen Peso dafür zu verlangen. Wir Spieler würden aber unser Engagement vermissen lassen.»

Vorfall wird kaum kommentiert

Canio ist der einzige, welcher sich detaillierter über die Vorfälle äusserte. Gemäss Medienberichten wollen aber viele Spieler den Verein so schnell wie möglich verlassen. Trainer Carlos Roldan bestätigte gegenüber dem «Clarin» lediglich, dass es im Morgentraining zu einem Zwischenfall kam, am Nachmittag aber alles normal verlief. Auch Roberto Dolascio, ein Vereinsverantwortlicher, spielte die Vorfälle herunter: «Waffen waren keine im Spiel. Es gab eine Diskussion zwischen Fans und den Spielern, so wie das im Fussball nicht nur in San Martin vorkommt.»

Klarheit am Freitag?

Sergio Marchi, der Generalsekretär des Verbands, äusserte sich bisher ebenfalls nur knapp: «Die Polizei muss die Verantwortung für die Sicherheit der Fussballer übernehmen.» Aber wieso weiss im sonst so fussballbegeisterten Argentinien niemand genau Bescheid über die Vorfälle? Das Training der Mannschaft fand zum Zeitpunkt der Konfrontation mit den Fans im «Natalio Mirkin» statt, einem Trainingsort, an dem die Medien im Normalfall keinen Zutritt haben. So wird in Argentinien weiter spekuliert, was denn nun tatsächlich vorgefallen ist. Gut möglich, dass es am Freitag mehr Klarheit gibt, denn der Verein möchte anscheinend dann mit einem Statement auf die jüngsten Vorfälle reagieren.

(fox)

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