Messer-Attacke: Bewaffneter Mann greift drei Soldaten in Nizza an
Aktualisiert

Messer-AttackeBewaffneter Mann greift drei Soldaten in Nizza an

Vor dem jüdischen Zentrum sind Soldaten angegriffen und verletzt worden. Brisant: Der Angreifer heisst Moussa Coulibaly – und trägt denselben Nachnamen wie einer der Paris-Attentäter.

von
cho

Vor dem jüdischen Zentrum in Nizza wurden drei Soldaten mit einem Messer attackiert.

Vor einem jüdischen Zentrum in Südfrankreich hat ein Angreifer mit einem Messer am Dienstag drei französische Soldaten attackiert, die dort im Rahmen des französischen Anti-Terror-Plans als Wachpersonal im Einsatz waren. Zwei Soldaten seien bei dem Angriff am Nachmittag im Zentrum von Nizza leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Der Angreifer, über dessen Motiv zunächst nichts bekannt war, wurde festgenommen.

Die Soldaten bewachten in der Mittelmeerstadt ein Gebäude, in dem die israelitische Kultusgemeinde von Nizza, eine jüdische Vereinigung, sowie Radio Shalom untergebracht sind. Kurz nach 14 Uhr habe der Angreifer, der auf dem Bürgersteig vorbeiging, plötzlich mit einem «grossen Messer» auf «das Gesicht oder den Hals» eines Soldaten abgezielt, hiess es bei der Polizei.

Der Soldat erlitt demnach eine tiefe Schnittwunde an der Wange. Als die beiden anderen Soldaten ihrem Kollegen helfen wollten, wurde einer von ihnen am Arm verletzt.

An Grenze abgewiesen

Die Ermittlungen in dem Fall übernahm die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris. Der Angreifer soll erst vergangene Woche von der Türkei – nach französischem Hinweis – an der Grenze abgewiesen worden sein, als er versuchte, mit einem Nur-Hinflug-Ticket dort einzureisen, hiess es aus Ermittlerkreisen.

Er sei daraufhin vom französischen Inlandgeheimdienst bei seiner Rückkehr befragt worden. Der etwa 30-jährige Mann aus dem Grossraum Paris ist bei der Polizei unter anderem wegen Gewalttaten und schweren Diebstahls bekannt.

Der Täter soll nach übereinstimmenden Angaben aus Ermittlerkreisen Moussa Coulibaly heissen, soll aber «auf den ersten Blick» keine Verbindung zu Amédy Coulibaly haben, einem der drei islamistischen Attentäter, die im Grossraum Paris Anfang Januar insgesamt 17 Menschen getötet hatten. Amédy Coulibaly hatte eine Polizistin erschossen sowie bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt vier Menschen.

Zweite Festnahme

Die Polizei nahm im Zusammenhang mit der Attacke in Nizza auch einen zweiten Mann fest, der vor der Tat mit dem Angreifer gesehen worden sein soll, allerdings nicht zum Zeitpunkt der Attacke auf die Soldaten, wie es in Polizeikreisen hiess.

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und Innenminister Bernard Cazeneuve verurteilten die Attacke «aufs Schärfste». In einer gemeinsamen Erklärung hoben sie ihre «Entschlossenheit» zum Schutz der Bevölkerung in Frankreich hervor.

Seit der dschihadistisch motivierten Anschlagsserie stehen jüdische Einrichtungen, Schulen und Medienhäuser in Frankreich verstärkt unter Schutz. Die sozialistische Regierung hat dafür rund 10'500 Soldaten zusätzlich zur Polizei mobilisiert. Im Grossraum Paris gilt nach wie vor die höchste Terrorwarnstufe. (cho/sda)

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