Bewegende Trauerfeier für Brandopfer von Ludwigshafen
Aktualisiert

Bewegende Trauerfeier für Brandopfer von Ludwigshafen

Mit einer bewegenden Trauerfeier haben in Ludwigshafen etwa 4500 Menschen Abschied von den neun Todesopfern der Brandkatastrophe genommen. Die Särge der vier toten Frauen und fünf Kinder waren vor der Ruine des ausgebrannten Hauses aufgereiht, bedeckt mit türkischen Flaggen.

Die eineinhalbstündige Zeremonie - auf den Tag genau eine Woche nach dem Brand - endete mit einem Totengebet. Beerdigt werden die Todesopfer voraussichtlich bereits am Montag in ihrer türkischen Heimat.

Die Ermittlungen zur Brandursache wurden am Wochenende fortgesetzt, ohne dass entscheidende Erkenntnisse bekannt wurden. Anfang der Woche wollen die Ermittler einen ersten offiziellen Zwischenbericht geben.

Weiterhin schlossen die Behörden weder einen technischen Defekt noch Brandstiftung aus. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch versicherte bei der Trauerfeier: «Wir werden alles tun, damit aufgeklärt wird, wie dieser Brand geschehen konnte.»

Vermutungen über Brandursache

Immer noch gibt es Vermutungen, dass die neun Toten Opfer eines fremdenfeindlichen Anschlags wurden. In dem mehr als hundert Jahre alten Haus hatten ausschliesslich Türken gewohnt. Ein Polizeisprecher äusserte sich zurückhaltend zu Berichten verschiedener Medien über mögliche Brandursachen.

So meldeten «Bild»-Zeitung und «Spiegel», die Elektrik des Hauses sei veraltet gewesen. Das Feuer sei möglicherweise durch einen Kurzschluss ausgelöst worden. Der Sprecher bestätigte lediglich: «Die Elektrik ist Untersuchungsgegenstand».

Die Vermutung einer vorsätzlichen Brandstiftung stützt sich vor allem auf die Aussage zweier Mädchen, die kurz vor Ausbruch des Feuers einen Mann beim Zündeln beobachtet haben wollen.

Das Magazin «Focus» berichtete indes, die Polizei zweifle an der Schlüssigkeit dieser Aussagen. Die acht und neun Jahre alten Kinder hätten nur vage Angaben gemacht und sich bei der Beschreibung des angeblich beobachteten Mannes widersprochen.

«Keine voreiligen Schlüsse»

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der die Unglücksstelle am Donnerstag besucht hatte, warnte erneut vor vorschnellen Urteilen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz mahnte er die Medien in beiden Ländern, zurückhaltend über die Ereignisse berichten.

«Man darf nicht voreilige Schlüsse ziehen. Man darf nicht jetzt schon Urteile fällen.» Die neun Leichen sollten noch am Sonntag mit einer Sondermaschine in die Türkei gebracht werden. Begleitet wurden die Särge von zahlreichen Hinterbliebenen. (sda)

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