Burnout: Bewegung beugt dem Stress vor
Aktualisiert

BurnoutBewegung beugt dem Stress vor

Ausgebrannt und niedergeschlagen. Burnout ist fatal und für die Wirtschaft drastisch. Was können Unternehmen dagegen tun?

von
Gabriel Aeschbacher
Tägliche Bewegung am Arbeitsplatz als Gesundheitsprävention. (Bild: FOTOLIA)

Tägliche Bewegung am Arbeitsplatz als Gesundheitsprävention. (Bild: FOTOLIA)

Mütter, Studenten, Politiker - auch sie erleiden heute Burnouts, von der WHO als multifaktorielle Befindlichkeitsstörung definiert. Bekannt geworden ist Burnout als «Managerkrankheit». Man spricht von einem Erschöpfungssyndrom, das sich über längere Zeit schleichend durch Überforderung wie Stress entwickeln kann. Häufig trifft es gerade sehr engagierte Personen.

Burnout ist eine schwere Erkrankung, die typisch für unsere leistungsorientierte und ungeduldige Zeit ist. Und sie kommt – neben der persönlichen Tragik – die Schweiz teuer zu stehen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco schätzt die volkswirtschaftlichen Kosten auf 4,2 Milliarden Franken pro Jahr. Allein der Produktionsausfall wegen Absenzen am Arbeitsplatz wird mit 2,4 Milliarden Franken beziffert.

Rechtzeitig reagieren

Immer mehr Unternehmen haben heute zur Kenntnis genommen, dass das körperliche und seelische Wohlbefinden der Mitarbeitenden auch am Arbeitsplatz der wichtigste Erfolgsfaktor ist. Sie schulen die Vorgesetzten, das gesundheitsgefährdende Verhalten zu erkennen, und sind bereit, die entsprechenden Voraussetzungen am Arbeitsplatz zu schaffen.

Wer von Burnout verschont bleiben will, muss selbst dafür sorgen. «Als Angestellter ist es sinnvoll, auftretenden Signale des Körpers wie beispielsweise andauernde Erschöpfung, ungewöhnliche Schmerzen oder Rückzug aus dem Privatleben, achtsam wahrzunehmen und diese Hinweise nicht zu ignorieren, sondern mit Hilfe von Fachpersonen die Ursachen herausfinden und proaktiv anzugehen», betont Matthias Augustin, Coach, Trainer und verantwortlicher Partner für das Thema betriebliche Gesundheitsförderung bei der CTS Group AG. «Oft werden auch Warnungen aus dem eigenen Umfeld nicht ernst genommen. Meistens bemerken Arbeitskollegen, enge Freunde oder Familienangehörige viel früher als man selbst, dass etwas nicht stimmt.»

Unternehmesführung nimmt wichtige Rolle ein

Aber auch Unternehmen sind in der Pflicht. «Aus Sicht der Führungskraft gilt es, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern öfters ein ehrliches und wertschätzendes Feedback zu geben», sagt Matthias Augustin. Er verweist auf eine Langzeitstudie in Skandinavien mit dem Ergebnis, dass die Anzahl der Absenzen und die Fluktuationsrate in Unternehmungen, in denen eine ausgesprochen wertschätzende Feedback-Kultur gelebt wird, deutlich unter dem Durchschnitt liegen. «Daneben muss sich der Manager bewusst sein, dass er in der Burnout-Prävention eine entscheidende Vorbildrolle einnimmt. Burnout-Prävention ist ein Thema, das in der Firma von der Führungsspitze durchgängig durch alle Hierarchiestufen glaubwürdig gelebt werden muss.»

Mehr Effizienz bei der Arbeit müsse nicht zwingend mehr Belastung bedeuten, sagt Ole Petersen, Geschäftsführer des auf betriebliche Gesundheitsförderung spezialisierten Unternehmens fit im job. «Denn nahezu jede und jeder kann mit einfachen Massnahmen am Arbeitsplatz, zum Beispiel mit kurzen Bewegungspausen, Frischluftzufuhr und vollwertigen Nahrungsmitteln, Konzentration und Kreativität steigern.» Über viele Jahre im selben Job leistungsfähig zu bleiben, bedinge aber auch, dass man den Job wirklich gerne mache und dass man sich mit den Werten des Unternehmens identifiziere. Und auch Ole Petersen erklärt: «Wichtig ist, dass der Wert meiner Arbeit geschätzt wird und im Unternehmen eine offene Feedback-Kultur herrscht.»

Weiterführende Informationen:

www.seminare.ch/burnout-info/

www.ctsgroup.ch

www.fitimjob.ch

Massnahmen: Stressreduktion im Unternehmen

Abbau von Stress am Arbeitsplatz:Vermeiden Sie ständige Unter- oder ÜberforderungBauen Sie belastende Zusammenarbeitsprozesse abOptimieren Sie die äusseren ArbeitsbedingungenAusbau und Entwicklung von Schutzfaktoren

Erweitern Sie Ihren TätigkeitsspielraumÜbernehmen Sie mehr EigenverantwortungSchaffen Sie angemessene Mitsprachemöglichkeiten

Deine Meinung