Bewegung im Kaschmir-Konflikt
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Bewegung im Kaschmir-Konflikt

Der Pakistanische Präsident Musharraf erklärte, er könne sich ein unabhängiges Kaschmir vorstellen. Im jahrzehntelangen Konflikt mit Indien ein historisches Statement.

Mit einer Kehrtwende in seiner Kaschmir-Politik hat der pakistanische Präsident Pervez Musharraf Bewegung in den fast 60 Jahre alten Streit mit Indien gebracht.

Überraschend sprach er sich für einen neuen Status aus.

Musharraf hatte am Montagabend vor Journalisten, Beamten und Diplomaten unter anderem eine gemeinsame indisch-pakistanische Kontrolle oder eine Kontrolle der Vereinten Nationen über die bislang geteilte Region ins Spiel gebracht.

Er schlug ausserdem eine schrittweise Demilitarisierung Kaschmirs vor und rückte von der bislang zentralen pakistanischen Forderung nach einem Referendum in Kaschmir ab.

Im Gegenzug schloss er wiederum kategorisch aus, die so genannte Kontrolllinie zwischen der pakistanischen und der indischen Zone der Kaschmir-Region zu einer dauerhaften Grenze zu erklären. Seine Vorschläge sollten das Land anregen, sich Gedanken über die Zukunft der umstrittenen Region zu machen.

Beherrschendes Thema in Pakistan

Seine Vorschläge beherrschten am Dienstag die Titelseiten der Zeitungen und die Fernsehnachrichten in Pakistan. Die islamistische Allianz Muttahida Majlis-e-Amal (MMA), eine der wichtigsten Oppositionsparteien im Parlament, wies Musharrafs Ansinnen als «Rückschlag» zurück.

Die Rebellengruppe Jamiat-ul-Mujahedin beharrte auf einem Referendum. Es gebe keine andere Lösung als die Selbstbestimmung, erklärte die Organisation. Ein Aktivist der verbotenen militanten Bewegung Jaish-e-Mohammad erklärte, seine Gruppe könne keine andere Option ausser dem «Heiligen Krieg» akzeptieren.

Die Befreiungsfront von Jammu und Kaschmir (JKLF) erklärte, die Vorschläge Musharrafs öffneten «neue Perspektiven». Auch die pakistanische Menschenrechtskommission äusserte sich positiv. In den Strassen der Sommerhauptstadt von Indisch-Kaschmir, Srinagar, begrüssten ebenfalls viele Menschen Musharrafs Vorstoss.

Delhi bleibt reserviert

Indien reagierte eher zurückhaltend auf den Vorstoss. Islamabad solle «offizielle Kanäle» für seine Vorschläge nutzen, anstatt eine Diskussion über die Medien zu führen, erklärte das Verteidigungsministerium.

«Wir haben diese Kommentare gehört», sagte ein Ministeriumssprecher in Neu Delhi in einer ersten offiziellen Reaktion aus Indien. Seine Regierung glaube aber, dass das Thema Kaschmir nicht in den Medien diskutiert werden dürfe.

Konkurrierende Ansprüche

Der Fürst von Kaschmir entschied sich 1947 bei der Teilung der britischen Kolonie, unabhängig zu bleiben. Muslimische Rebellen wollten jedoch den hinduistischen Fürsten mit Waffengewalt zwingen, das Gebiet mit seiner muslimischen Mehrheit Pakistan anzuschliessen.

Indien besetzte anschliessend das Kernland des Fürstentums und betrachtet seither ganz Kaschmir als Teil Indiens. Pakistan, das die islamischen Mehrheitsgebiete des indischen Subkontinentes umfasst, ist seither nie von seinem Anspruch abgerückt. Die beiden Staaten führten bereits zwei Kriege um das Gebiet.

Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen muslimische Gruppen seit 1989 für die Unabhängigkeit oder den Anschluss an Pakistan. Neu Delhi wirft Islamabad Unterstützung der Rebellen vor. Pakistan weist dies zurück. Da beide Staaten über nukleare Sprengsätze verfügen, hat der Konflikt eine neue Dimension erhalten.

(sda)

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