Aktualisiert 21.04.2006 17:39

Bewegung im Metall-Tarifkonflikt

Im festgefahrenen Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland sind beide Seiten am Freitag einen deutlichen Schritt aufeinander zugegangen.

Die IG Metall reduzierte in der siebten Verhandlungsrunde im Pilotbezirk Nordrhein-Westfalen ihre Forderung von 5 auf 3,4 Prozent mehr Geld, verlangte aber ausserdem eine Einmalzahlung von 0,4 Prozent. Die Arbeitgeber legten ihrerseits ein neues Angebot vor, das zwei Lohnerhöhungen um 2,0 Prozent plus Einmalzahlungen vorsieht.

Vor Ablauf des Streik-Ultimatums am Montag kamen die Tarifparteien in Düsseldorf am frühen Nachmittag zur wahrscheinlich bundesweit entscheidenden Verhandlungsrunde zusammen. Die IG Metall will den ersten Streik in der Branche mit ihren 3,4 Millionen Beschäftigten seit vier Jahren einleiten, sollte bis Montag, 24.00 Uhr, keine Einigung erreicht sein. Die Anwesenheit des IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters und des Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, unterstrich die Bedeutung der Gespräche, die lange dauern und möglicherweise am Wochenende fortgesetzt werden könnten.

Am Nachmittag reduzierte die IG Metall ihre Forderung, die sich aber nach wie vor auf zwölf Monate bezieht. Die Arbeitgeber dagegen legten ihre Offerte für bis zu 30 Monate vor. Beide Seiten lehnten ihre Vorschläge umgehend gegenseitig ab. Die Arbeitgeber hatten zuvor 1,2 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie Einmalzahlungen angeboten.

«Die Arbeitgeber haben zwar die Prozentzahl erhöht, aber die Laufzeit dafür verlängert. Das ist für uns ein unzureichendes Angebot», sagte IG-Metall-Sprecher Wolfgang Nettelstroth. Zudem hätte die Offerte bereits vor zwei Verhandlungsrunden gemacht werden können. Die IG Metall sehe keine substanziellen Veränderungen.

Arbeitgeber-Verhandlungsführer Michael Jäger zeigte sich dennoch optimistisch, zu einer Einigung zu kommen. «Wir haben zwar bei den Lohn- und Gehaltsforderungen noch eine ordentliche Differenz zu überwinden, aber wir unternehmen weiterhin alle Anstrengungen, zu einem Ergebnis zu kommen». Jäger hatte die Forderung nach mindestens drei Prozent mehr Lohn und Gehalt bereits zu Beginn der Gespräche strikt zurückgewiesen: «Eine Drei vor dem Komma ist mit uns keinesfalls machbar.»

Laut Jäger ist bei anderen bislang strittigen Themen eine Einigung möglich: Er sagte, die Arbeitgeber wollten dem Vorschlag der IG Metall folgen und die vermögenwirksamen Leistungen zu einem Rentenbaustein umbauen. Auch im Bereich Qualifizierung und Weiterbildung sei man bereit, sich zu einigen.

Der IG-Metall-Vorsitzende Peters appellierte zu Beginn der Gespräche an die Metallarbeitgeber, die «letzte Chance zu nutzen und gemeinsam einen Kompromiss zu erarbeiten, den beide Seiten tragen können». Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser betonte: «Wir sind hier, weil wir uns eine Chance ausrechnen, zu einem Ergebnis zu kommen.»

880.000 Warnstreikende seit Ende März

Auch am Freitag begleiteten wieder Warnstreiks die Tarifverhandlungen. Rund 26.000 Beschäftigte, vor allem in Bayern, machten nach Mitteilung der IG Metall mit kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen Druck. Insgesamt hätten seit dem Ende der Friedenspflicht am 29. März bundesweit knapp 880.000 Metaller an Warnstreiks teilgenommen, berichtete die Gewerkschaft. (dapd)

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