Wohnprojekt in Zürich: Bewerber müssen ihren Glauben preisgeben
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Wohnprojekt in ZürichBewerber müssen ihren Glauben preisgeben

Schwul? Autofrei? Körperliches oder geistiges Handicap? Das alles und noch viel mehr will der Vermieter einer neuen Siedlung im Kreis 5 von Bewerbern wissen – trotz Datenschutz.

von
20M
Blick auf die Überbauung Kulturpark, die sich direkt neben dem Novotel am Turbinenplatz befindet.

Blick auf die Überbauung Kulturpark, die sich direkt neben dem Novotel am Turbinenplatz befindet.

Kulturpark: So stilvoll klingt der Name eines neuen Projekts mit 54 Wohnungen, das derzeit im Trendquartier Zürich-West hochgezogen wird. Auf der Website heisst es: «Dialog und Begegnung sind fester Bestandteil des Alltags im Kulturpark.» Weniger stilvoll sind die Fragen, die der Vermieter auf dem Bewerbungsformular stellt. So zumindest sieht es ein Interessent. Gemäss einem Bericht in der NZZ findet er das Vorgehen sogar «etwas unheimlich».

Denn wissen will man von den Bewerbern, ob sie beispielsweise in einer eingetragenen Partnerschaft leben – also ob sie schwul oder lesbisch sind. Weiter auch, an welchen Gott sie glauben und ob sie einen Migrationshintergrund haben.

Freiwillig beantworten kann man die Frage nach einem körperlichen oder geistigen Handicap. Ebenso die Frage, ob man autofrei lebt und was einem nachhaltige Entwicklung bedeutet. Und: Wer raucht, braucht das Formular gar nicht erst auszufüllen, denn nicht nur die Wohnungen, sondern auch die Balkone, Terrassen und Treppenhäuser sind rauchfrei.

«Wir wollen ja nicht nur Schweizer»

Katharina Teuscher vom Kulturpark sagt zum Formular: «Die Beantwortung der Fragen ist ja freiwillig. Niemand muss sich für eine Wohnung bewerben, wenn er das Formular nicht ausfüllen will.» Die Fragen hätten mit den ideellen Zielen des Projekts zu tun. So sei eine gute Durchmischung der Bewohner ganz wichtig. «Wir wollen ja nicht nur Schweizer oder nur Christen.»

Trotzdem wundert sich Albert Leiser, Direktor des Zürcher Hauseigentümerverbands: «Wenn jeder Vermieter so detaillierte Fragen stellen würde, hätten gewisse Gruppen keine Chancen mehr auf dem Wohnungsmarkt.» Auch Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbands, findet in der NZZ, das solche Formulare «nicht gehen». Zumal die Fragen des Kulturparks nicht den Vorgaben des Datenschutzbeauftragten entsprechen.

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