Zürich: Bewerbungen landen in Billiglohnländern
Aktualisiert

ZürichBewerbungen landen in Billiglohnländern

Billiglohnländer sind nicht mehr bloss Auslagerungsorte für die IT, sondern auch für das Personalmanagement von Schweizer Konzernen.

Personalchefin Anna Huber* staunte bei diesem Bewerber nicht schlecht: «Brauchen Sie wirklich ein Zeugnis oder genügt eine Arbeitsbestätigung? Obwohl ich das Zeugnis vor einigen Wochen in Auftrag gegeben habe, liegt es – Outsourcing sei Dank – noch irgendwo im Ausland», schrieb ihr der kaufmännische Angestellte eines Schweizer Finanzdienstleisters. Er ist kein Einzelfall: Immer häufiger wird nicht nur die IT, sondern auch die Personaladministration aus Kostengründen in Billiglohnländern abgewickelt. So bestätigt die Credit Suisse, dass bestimmte Aufgaben nach Breslau in Polen ausgelagert werden. Und wer sich bei Axa Winterthur etwa als kaufmännische Fachkraft bewirbt, muss damit rechnen, dass sein Dossier seit Anfang Monat zuerst in der indischen Millionenstadt Pune landet. Zwei (allerdings des Deutschen mächtige) Inderinnen sichten, kategorisieren und priorisieren hier die Massenbewerbungen und lösen unter anderem den Versand von Eingangsbestätigungen aus, bestätigt Sprecher Pascal Hollenstein.

Max Scheidegger, Geschäftsführer des Fachverbands HR Swiss, setzt Fragezeichen: «Für die Flut von Massenbewerbungen mag das Sinn machen.» Für anspruchsvollere Stellen reiche es nicht, allein nach standardisierten Schlüsselwörtern in der Bewerbung zu suchen. Hier sei von Anfang an der persönliche Kontakt – etwa bei Graduate Events – nötig. Auch bei Zeugnissen werde es kritisch, sobald vorgegebene Elemente allein nicht reichten.

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