Gegen den Wildwuchs: Bewilligungspflicht für Spielgruppen gefordert

Aktualisiert

Gegen den WildwuchsBewilligungspflicht für Spielgruppen gefordert

Spielgruppen sollen sich in der Schweiz registrieren müssen. Dies fordert der entsprechende Branchenverband. Politiker befürchten einen bürokratischen Wildwuchs.

von
sma
Der Verband Spielgruppenleiterinnen fordert eine Bewilligungspflicht und die finanzielle Unterstützung des Staats.

Der Verband Spielgruppenleiterinnen fordert eine Bewilligungspflicht und die finanzielle Unterstützung des Staats.

Dutzende Vorgaben an die Räumlichkeiten oder an die Ausbildung des Personals müssen bei einer Krippen-Eröffnung beachtet werden. Nicht so bei einer Spielgruppe: Heute könne jede x-beliebige Person eine Spielgruppe gründen, schreibt der Spielgruppenverband in einer Mitteilung. Diesem Wildwuchs will der Verband der Spielgruppen-Leiterinnen nun ein Ende setzen. Für die rund 2000 Einrichtungen möchten sie eine Bewilligungs- oder zumindest eine Meldepflicht erwirken.

Eine solche existiert laut Anna Lustenberger, Co-Präsidentin des Schweizerischen Spielgruppe-LeiterInnen-Verbands SSLV, momentan nur im Wallis und in Freiburg. «Mit einer Bewilligungspflicht könnten wir sicherstellen, dass jede Spielgruppe diesen Namen auch wirklich verdient - indem Richtlinen zu Weiterbildung oder Gruppengrösse vorgegeben werden, an die sich Spielgruppen halten müssen.» Die am Donnerstag veröffentlichte Studie zeige, dass Spielgruppen eine wichtige Aufgabe bei der Frühförderung von Kindern spielten - demnach würden sie insbesondere die Sprach- und die Sozialkompetenz der Kinder verbessern.

Als Konsequenz fordert der Verband deshalb mehr finanzielle Unterstützung von Gemeinden und Kantonen. «Wir wollen, dass eine zweite Leitungsperson vom Staat finanziert wird.» Dies entspreche jährlichen Mehrkosten in der Höhe von etwa 10'000 Franken pro Spielgruppe. Momentan werden die Spielgruppen hauptsächlich über Elternbeiträge finanziert.

Gegen bürokratische Hürden

Bei Politikern kommen die Forderungen des Verbandes unterschiedlich gut an. SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr, die sich politisch immer wieder für eine stärkere Krippenlandschaft einsetzt, versteht die Spielgruppenleiterinnen. Es sei wichtig, dass die Gesellschaft anerkenne, dass Spielgruppen eine wichtige Rolle bei der Sozialisierung der Kinder spielen: «Ich finde es deshalb wichtig, dass sie finanziell unterstützt werden.» Als Gegenzug müssten sich die Spielgruppen allerdings registrieren lassen. Von einer Pflicht rät Fehr ab: «Jeder soll selbst entscheiden, ob er Gelder beziehen und sich entsprechend registrieren lassen will.» Wichtig sei nur, dass daraus keine hohen bürokratischen Hürden entstehen, wie dies bei Krippen der Fall sei.

Dies findet auch Kathrin Buholzer von der Plattform «Elternplanet». Schon heute würden Eltern für ihre Kinder oftmals keinen Platz in einer nahegelegenen Spielgruppe mehr finden: «Wenn sich also jemand entschliesst, eine solche zu eröffnen, darf diese Person nicht durch bürokratische Auswüchse davon abgehalten werden.» Von übertriebenen Bauvorschriften wie etwa der Mindestgrösse von Toiletten hält sie nichts. «Hingegen finde ich es wichtig, dass Leiterinnen gut ausgebildet sind.» Das Absolvieren eines Kurses sieht sie als Mindestvoraussetzung.

SVP-Nationalrätin Nadja Pieren widerspricht. Die Krippenleiterin hält jegliche Vorschriften für unnötig. Eine Spielgruppe könne es sich sowieso nicht leisten, schlecht geführt zu sein. «Hat eine Spielgruppe einen schlechten Ruf, spricht sich dies unter den Eltern sehr schnell herum und keiner wird seine Kinder mehr dorthin bringen.» Zudem seien die Eltern oftmals mit ihren Kindern vor Ort und könnten die Qualität einer Einrichtung gleich selbst überprüfen. «Da die Kinder wöchentlich nur wenige Stunden in der Spielgruppe sind, ist es zudem nicht so tragisch, wenn einmal nicht alles perfekt ist», so Pieren. Eine Spielgruppe sei schliesslich nicht mit einer Krippe zu vergleichen, wo die Kinder mehrere Tag in der Woche betreut würden.

Jedes zweite Kind in der Spielgruppe

Der SSLV präsentierte am Donnerstag eine wissenschaftliche Studie zu den Spielgruppen in der Schweiz. Fast die Hälfte der Kinder in der Schweiz zwischen drei und fünf Jahren besucht demnach eine Spielgruppe - angeboten werden sie vorwiegend in ländlichen Gebieten in der Deutschschweiz. Spielgruppen sind gemäss der Studie besonders zahlreich in Gebieten mit keinen oder wenig Kindertagesstätten.

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