Stimmung ist aufgeheizt – «Bewohner in Uri haben schlaflose Nächte wegen Sawiris’ Projekt»

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Stimmung ist aufgeheizt«Bewohner in Uri haben schlaflose Nächte wegen Sawiris’ Projekt»

Samih Sawiris möchte nach dem Resort in Andermatt am Urnersee Bootshäfen realisieren. Doch nun regt sich Widerstand aus der Bevölkerung. In der Kritik steht auch die Regierung. 

von
Daniela Gigor
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Samih Sawiris plant zwei Bootshäfen zu bauen, einen davon neben dem Reussdelta. Bevölkerung und Umweltverbände sehen dies kritisch.

Samih Sawiris plant zwei Bootshäfen zu bauen, einen davon neben dem Reussdelta. Bevölkerung und Umweltverbände sehen dies kritisch.

Baudirektion Uri
Ein neues Komitee will die aktuellen Pläne von Samih Sawiris verhindern. 

Ein neues Komitee will die aktuellen Pläne von Samih Sawiris verhindern. 

Joseph Khakshouri 
Darum wird in den nächsten Tagen eine Petition lanciert, wie das Komitee am Freitag mitteilte. 

Darum wird in den nächsten Tagen eine Petition lanciert, wie das Komitee am Freitag mitteilte. 

Elias Bricker

Darum gehts 

  • Ein neues 43-köpfiges Komitee hat den Plänen von Sawiris den Kampf angesagt. 

  • «Ein so grosses Projekt passt nicht nach Flüelen und nach Isleten», so die Meinung des Komitees.

  • Es sei noch zu früh, das Projekt zu bekämpfen, weil der Inhalt noch nicht bekannt ist. Dies sagt Isidor Baumann, Leiter des geplanten Projekts. 

  • Der Regierungsrat begrüsst die Absichten von Samih Sawiris. 

In Flüelen gibt es Widerstand gegen die aktuellen Pläne von Samih Sawiris am Urnersee. In der Gemeinde hat sich ein 43-köpfiges Komitee mit Vertretern und Vertreterinnen aus der Landwirtschaft, dem Gewerbe und der Bevölkerung formiert. Unter dem Titel «Der Urnersee gehört uns» wird in den nächsten Tagen eine Petition lanciert, wie das Komitee am Freitag mitteilte. Geht es nach den Plänen des ägyptischen Investors Samih Sawiris, sollen in Isleten und Flüelen zwei Bootshäfen gebaut werden. Neben den Häfen will der Investor zusätzlich Dreisternehotels, Wohnungen, Geschäfte sowie Restaurants bauen lassen. 

«Ein so grosses Projekt passt gar nicht nach Flüelen und nach Isleten», sagt Elias Bricker, Mitglied des Komitees und CVP-Bürgerrat von Flüelen auf Anfrage. Das Komitee stört sich laut Bricker vor allem daran, dass die Landschaft durch Sawiris Projekt zerstört würde. «Unter Druck ist auch bereits die Landwirtschaft, weil es begrenzt Land gibt im Urner Talboden. Auch würde die Weiterentwicklung des Gewerbes behindert.» Hinzu kommt, dass der Seezugang an den meisten Orten im Kanton Uri noch für alle frei zugänglich ist und dies nach der Realisierung der Häfen auf der Kippe stehen würde. 

«Um das Projekt zu bekämpfen, ist es noch zu früh»

«Die Stimmung in Flüelen ist aufgeheizt und die Leute haben teilweise schlaflose Nächte», so Bricker weiter. Das Gebiet zählt laut Bricker zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Dennoch befürchtet der 33-Jährige, dass Sawiris bei der Regierung mit seinen Plänen auf offene Türen stossen könnte: «Es würde mich nicht überraschen, wenn es Lösungen für sein Vorhaben geben würde.» Mit der Petition soll der Widerstand der betroffenen Bevölkerung verdeutlicht werden. Auch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz äusserte sich im November 2021 kritisch zu dem Projekt und eine Grüne Landrätin hatte eine Anfrage eingereicht.

«Wir verstehen den Widerstand und die Ängste der Bevölkerung», sagt Isidor Baumann, Alt-CVP-Ständerat aus dem Kanton Uri. Er leitet für Investor Sawiris das geplante Projekt. Laut Baumann ist es zu früh, dem Projekt eine Absage zu erteilen, ohne den Inhalt zu kennen. Es handle sich nach wie vor erst um eine Idee. Um diese Ideen umzusetzen, sei es noch ein weiter Weg. Baumann: «Es gilt die verschiedensten Interessen abzuwägen und dem Ergebnis Rechnung zu tragen.» 

Regierungsrat verneint bevorzugte Behandlung von Sawiris 

«Der Regierungsrat begrüsst die Absicht von Samih Sawiris, das Areal der ehemaligen Sprengstofffabrik Cheddite im Gebiet Isleten zu entwickeln. Das Gebiet befindet sich grösstenteils in der Industriezone und war bisher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es geht hier um die Transformation einer Industriebrache hin zu einem touristisch und für die Einheimischen nutzbaren Gebiet», schreibt der Urner Justizdirektor Daniel Furrer auf Anfrage. 

Das Gebiet um den Urnersee ist laut Furrer in touristischer Hinsicht, neben Andermatt, das zweite grosse Schwerpunktgebiet im Kanton Uri: «Es verfügt mit den kulturgeschichtlichen Stätten, dem See, der Schifffahrt, den Ortschaften, den Bergen und der umgebenden Landschaft über viele Aspekte, die die Region bereits heute für Einheimische und Gäste sehr attraktiv machen.» Das Projekt habe das Potenzial, einen Mehrwert für die ganze Region zu generieren und den Tourismus-Raum Urnersee als Ganzes zu stärken. «Gleichzeitig ist das Gebiet auch für die Naherholung der Bevölkerung wichtig», so Furrer weiter.

Auf die Frage, ob Samih Sawiris wegen seiner Finanzkraft gegenüber den Einheimischen bevorzugt behandelt wird, teilt Furrer mit: «Nein, die Realisierung derartiger Projekte erfordert in jedem Fall die Abwicklung sämtlicher von der Gesetzgebung vorgeschriebenen planungs- und baurechtlichen Verfahren.» 

 

 

 

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