Aktualisiert

Schöfflisdorf und OberweningenBewohner müssen Wasser bis morgen abkochen

Es hagelte und regnete wie wild, Keller wurden geflutet, Trinkwasser ist verschmutzt. Allein im Kanton Zürich wird der Schaden auf 10 Millionen geschätzt.

von
sil

Unzählige Leser-Reporter beobachten das Unwetter. (Video: Tamedia/Leser-Reporter)

Die Bewohner der Wehntaler Gemeinden Schöfflisdorf und Oberweningen müssen ihr Trinkwasser bis mindestens am Freitag abkochen. Erst dann werden die Analysen des kantonalen Labors zur Wasserqualität erwartet. Dies teilten die Behörden am Donnerstag mit.

In den beiden Gemeinden war das Trinkwasser nach dem Unwetter vom Mittwochabend stark verschmutzt. Die Behörden ordneten noch in der Nacht auf Donnerstag an, das Trinkwasser abzukochen oder Mineralwasser zu verwenden.

Gemäss Mitteilung, die auf der Homepage von Schoefflisdorf aufgeschaltet ist, gilt die Anordnung bis mindestens am Freitag. Zwar habe das Kantonale Labor für Wasserqualität umgehend Wasserproben erhoben. Die Analyse liege jedoch nicht vor Freitagmorgen vor.

2000 Schadenmeldungen bis Mittag

Die angerichteten Unwetter-Schäden gehen richtig ins Geld. Allein im Kanton Zürich haben die Unwetter voraussichtlich einen Schaden von über 10 Millionen Franken angerichtet.

Bis zum Mittag gingen bei der kantonalen Gebäudeversicherung 2000 Schadenmeldungen ein, wie es auf Anfrage von Radio Zürisee hiess. «In 80 Prozent der Fälle handelt es sich um Überschwemmungen, der Rest sind Hagelschäden», sagte eine Sprecherin der Gebäudeversicherung GVZ.

Von den Unwettern mit Hagel und kräftigem Niederschlag besonders betroffen waren die Kantone Aargau und Zürich sowie die Ostschweiz. Allein im Raum Zürich kam es zwischen 18.30 Uhr und 23.00 Uhr zu über 700 Feuerwehreinsätzen, wie Zürcher Notfallorganisation Schutz & Rettung in der Nacht auf Donnerstag mitteilte.

Besonders betroffen war demnach das Zürcher Unterland, wo mehrere hundert Notrufe eingingen. So traten mehrere Bäche über die Ufer, und Bäume stürzten um. Es seien an einzelnen Orten ganze Strassenzüge überflutet worden, heisst es in der Mitteilung. Wasser sei in hunderte Wohnungen, Keller und Tiefgaragen eingedrungen.

Eine Leser-Reporterin berichtet, dass die Tiefgarage in ihrem Gebäude auch am Tag nach dem Sturm immer noch voller Schlamm sei. Ihre Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden. Wie hoch der Schaden ausfalle, sei noch unklar.

Stillstand am Flughafen

Am Flughafen Zürich-Kloten ging am Abend für 30 Minuten nichts mehr um am Boden stehende Flugzeuge herum, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage sagte. Wegen der Gefahr durch Blitzeinschläge hätten sich weder Personal noch Passagiere den Flugzeugen nähern dürfen.

Deshalb sei weder Einsteigen noch Aussteigen noch Beladen und Entladen möglich gewesen, sagte der Sprecher. Auch das Betanken der Flugzeuge war nicht erlaubt. Mehrere Maschinen mit Ziel Zürich wichen auf andere Flughäfen aus.

Notsirene in Schöfflisdorf ZH

(Quelle: Leser-Reporter)

Die Aufraumarbeiten laufen auf Hochtouren.

Unwetter in Oberweningen ZH

Ein schweres Unwetter fegte über die Schweiz. In Oberweningen finden Aufräumarbeiten statt.

(Quelle: Leser-Reporter)

Stark vom Regen getroffen wurde auch Dielsdorf. Dort wurde laut Polizei ein Hallenbad wegen eines Wassereinbruchs im Keller evakuiert. Zudem drang Wasser in einen Chemiebetrieb ein, und Fässer mit Chemikalien schwammen in den Fluten, wie ein Sprecher von Schutz & Rettung der SDA sagte. Für die Bevölkerung bestand laut Angaben der Polizei keine Gefahr.

Schäden auch im Aargau

Ausserdem legte das Unwetter eine S-Bahn-Strecke im Nordwesten Zürichs lahm: Weil in Dielsdorf und Steinmaur Weichen unter Wasser standen, konnten die Züge der Linie 15 zwischen Dielsdorf und Niederweningen nicht mehr verkehren.

Ersatzbusse seien aufgeboten worden, sagte ein Sprecher der SBB zu einer Meldung der Bahnverkehrsinformation. Die Reisenden mussten etwas längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Am späten Mittwochabend wurde die Strecke der Bahnverkehrsinformation zufolge wieder für den Verkehr freigegeben.

Auch im Kanton Aargau kam es zu Schäden. In der Region Baden, im Zuzibiet und im Mettauertal standen laut Angaben der Aargauer Kantonspolizei vom Donnerstag auf Twitter elf Feuerwehren im Einsatz. Bei der Notrufzentrale gingen über hundert Meldungen ein.

Die Behörden rechnen mit «massiven» Schäden, wie es in der Mitteilung von Schutz & Rettung Zürich heisst. Über verletzte Personen war in der Nacht zunächst nichts bekannt. Um die Situation zu entschärfen, sei neben der Feuerwehr auch der Zivilschutz aufgeboten worden. Die Aufräumarbeiten daurten am Donnerstag an. Für die Feuerwehren sei es der grösste Unwettereinsatz seit dem Sturmtief Burglind Anfang Jahr gewesen.

Schöfflisdorf .... Land unter

(Quelle: Leser-Reporter)

Gewitter auf der A1

Eine Leser-Reporterin, die gerade von der Arbeit nach Hause fuhr, berichtet: «Ich war auf der Autobahn A1 unterwegs und wegen des Hagels und des Regens kam sogar der Verkehr zum Erliegen.»

1 / 39
Ein Leser-Reporter hielt am Donnerstagabend die tiefschwarzen Gewitterwolken bei Aarau fest.

Ein Leser-Reporter hielt am Donnerstagabend die tiefschwarzen Gewitterwolken bei Aarau fest.

Leser-Reporter
Dieser Leser-Reporter sah die Gewitterfront von seinem Balkon aus: «Es war schön, das zu beobachten.» Dieses Bild sei eine Zusammenstellung von 11 Bildern, um die Anzahl der Blitze zu zeigen.

Dieser Leser-Reporter sah die Gewitterfront von seinem Balkon aus: «Es war schön, das zu beobachten.» Dieses Bild sei eine Zusammenstellung von 11 Bildern, um die Anzahl der Blitze zu zeigen.

Leser-Reporter
Auch über Kirchberg BE zeigten sich am Donnerstagabend mehrere Blitze.

Auch über Kirchberg BE zeigten sich am Donnerstagabend mehrere Blitze.

Leser-Reporter

Auch am Bahnhof Zürich sorgte das Gewitter für Überschwemmungen. Ein Leser-Reporter hielt fest, wie die Bahnhofsunterführung bei der Sihlpost des Zürcher Hauptbahnhofs überschwemmt wird:

Unwetter überschwemmt Zürich HB

Video: Tamedia/Leser-Reporter

(Quelle: Tamedia/Leser-Reporter)

Die Strassen wurden vom Wasser überflutet. Leser-Videos zeigen das Verkehrschaos an verschiedenen Orten:

Unwetter sorgt für Verkehrschaos

Video: Tamedia/Leser-Reporter

(Quelle: Leser-Reporter)

In der Zürcher Gemeinde Oftelfingen wurden die Strassen stark überschwemmt. Ein Leser-Reporter berichtet, dass ein Bach das viele Wasser mit sich bringt:

Die Strasse in Otelfingen ZH ist überschwemmt, der Bach überäuft

(Quelle: Leser-Reporter)

Der Bach in Otelfingen Zh überläuft

(Quelle: Leser-Reporter)

Zehntausende Blitze

Wie SRF Meteo mitteilte, zog die Gewitterline am Nachmittag und Abend über die Schweiz hinweg. Sie brachte neben den Überschwemmungen auch bis zu vier Zentimeter grosse Hagelkörner und zehntausende Blitze.

Ein Hagelzug hat die Umgebung von Baden AG vorübergehend winterlich aussehen lassen. Leserbilder von Online-Medien zeigten weisse Strassen und auch überschwemmte Unterführungen und Garagen.

In der Region Baden-Lägeren im Osten des Kantons Aargau fiel am meisten Regen. Innerhalb von einer halben Stunde gab es in Ehrendingen AG 53 Millimeter Regen und insgesamt über 70 Millimeter. Das sind zwei Drittel der Menge, die sonst im gesamten Mai fällt. (sil/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.