Georgien-Krise: Bewohner von Gori kehren zurück
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Georgien-KriseBewohner von Gori kehren zurück

Zwei Wochen nach Beginn des Krieges um Südossetien sind am Samstag die Bewohner der georgischen Stadt Gori in ihre Häuser zurückgekehrt.

Russische Panzer waren in der Stadt nicht mehr zu sehen, allerdings beanspruchten die Truppen das Recht für sich, zehn Kilometer nördlich eine sogenannte Sicherheitszone mit Kontrollpunkten und hunderten Soldaten zu errichten. Russland hatte am Freitag den Abzug aus Georgien für abgeschlossen erklärt.

Russische Soldaten verblieben auch in der Umgebung der Hafenstadt Poti und errichteten einen Kontrollpunkt nahe Senaki, das einen wichtigen georgischen Militärstützpunkt beheimatet. Ein Sprecher des georgischen Innenministeriums erklärte, die russischen Soldaten hätten den Stützpunkt geplündert und sogar Fernseher und Klimaanlagen mitgenommen.

In Igojeti schwenkten die Bewohner georgische Flaggen, als zwei russische Panzer abzogen. Ihnen folgten georgische Polizisten in mehr als 100 Autos und Lastwagen. «Wir sind überglücklich, unsere Polizei wieder auf den Strassen zu sehen», sagte ein 77-jähriger Bewohner.

Frankreich und die USA kritisierten den russischen Truppenabzug als unzureichend. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und US-Präsident George W. Bush erklärten nach einem Telefongespräch am Freitag in einem gemeinsamen Kommuniqué, Russland habe die Bedingungen der Waffenstillstandsvereinbarung nicht erfüllt. Sie forderten Moskau auf, das Abkommen vollständig umzusetzen.

Auch Grossbritannien besorgt

Auch Grossbritannien erklärte, Russland habe seine Verpflichtungen in Georgien nicht erfüllt. Aussenminister David Miliband bezeichnete Berichte über einen Truppenabzug am Freitagabend als gute Nachrichten. Er sei aber besorgt darüber, dass sich die russischen Soldaten nicht wie vereinbart auf die Positionen zurückgezogen hätten, die sie vor Ausbruch der Kämpfe innehatten.

Russland hatte nach langem Zögern am Freitagnachmittag mit seinem Truppenabzug aus Georgien begonnen und schon am Abend dessen weitgehenden Abschluss verkündet. Der Rückzug in die abtrünnige Region Südossetien sei vollzogen, erklärte Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow.

Nach dem von der EU ausgehandelten Waffenstillstandsabkommen muss sich Russland auf die Stellungen zurückziehen, die es vor Beginn der Kämpfe am 7. August innehatte. Die Regierung hat allerdings angekündigt, Soldaten in einer Pufferzone zwischen Georgien und Südossetien zu stationieren. US-Aussenamtssprecher Robert Wood kritisierte, Kontrollpunkte und Pufferzonen seien «definitiv kein Teil des Abkommens». (dapd)

Russland kritisiert NATO

Russland erfüllt nach eigenen Angaben alle Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens im Georgien- Konflikt. «Wir verhalten uns entsprechend der Erklärungen führender Politiker», betonte der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn heute bei einer Pressekonferenz. Das Vorgehen der russischen Friedenssoldaten stehe im Einklang mit den Prinzipien des von Frankreich vermittelten Waffenstillstandsabkommens.

Nogowizyn kritisierte die Präsenz von NATO-Kriegsschiffen im Schwarzen Meer. «Die NATO verstärkt unter dem Vorwand der humanitären Hilfe ihre militärische Präsenz im Schwarzen Meer», sagte Nogowizyn. «Das dient nicht dazu, die Lage in der Region zu stabilisieren.»

Der US-Zerstörer «USS McFaul» nimmt derzeit mit Hilfsgütern an Bord Kurs auf Georgien. Das Marineschiff passierte am Freitagabend den Bosporus. (Quelle: SDA)

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