Aktualisiert 06.07.2016 16:32

Dägerlen ZHBewohner ziehen wegen Kuhmist vor Gericht

Der Geruch von Kuhfladen stinkt den Anwohnern der kleinen Gemeinde Dägerlen. Doch weder der Kanton noch das Gericht schenken ihrem Anliegen Gehör.

von
som
Ortseingang von Dägerlen: Hier ist wegen eines Kuhstalls ein Streit ausgebrochen. Um welchen Bauernhof es sich handelt, ist nicht bekannt.

Ortseingang von Dägerlen: Hier ist wegen eines Kuhstalls ein Streit ausgebrochen. Um welchen Bauernhof es sich handelt, ist nicht bekannt.

Kein Anbieter/DidiWeidmann/Wikipedia

Dägerlen bei Winterthur zählt gerade mal 1000 Einwohner. Sieben davon stören sich an einem Kuhstall, konkret an einem Anbau aus Laufhof und 25 gedeckten Boxen. Vom Geruch fühlen sie sich in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Zudem beklagen sie eine übermässige, widerrechtliche Ammoniakbelastung.

Sie fordern, dass der Laufstall geschlossen wird, da ebenfalls der erforderliche Mindestabstand zwischen dem Stall und ihren Wohnhäusern unterschritten werde. Aus Sicht der Nachbarn soll der Bauer den Laufhof mindestens alle zwei Stunden entmisten, jeden Abend gründlich mit Wasser abspritzen und das Güllenloch bedecken.

Unverhältnismässiger Aufwand für den Bauern

Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft kam den Nachbarn in mehreren Punkten entgegen, die Baudirektion von Regierungsrat Markus Kägi (SVP) liess jedoch nur die dauernde Abdeckung des Güllenlochs gelten. Dies akzeptierte der Landwirt. Den Laufstall alle zwei Stunden zu entmisten und regelmässig mit Wasser zu spülen, ist laut der Baudirektion unzweckmässig, für die Kühe wegen des Ausrutschens gefährlich und für den Bauern ein unverhältnismässiger Aufwand.

Die Nachbarn zogen ans Verwaltungsgericht und warfen der Baudirektion unter anderem vor, den Mindestabstand falsch berechnet zu haben. Doch auch diese Beschwerde lehnte das Gericht in einem kürzlich publizierten Urteil ab. Die Berechnungen seien keineswegs rechtsverletzend. Der Bauer habe zudem eine Palisade erstellt, welche die Geruchsverfrachtung teilweise reduziere.

Die Belastungsobergrenze für Ammoniak ist in der Luftreinhalteverordnung des Bundes nicht geregelt. Hier schreibt das Verwaltungsgericht, es sei nicht Aufgabe des Richters, die Interessen der Landwirtschaft und der Wohnnutzung gegeneinander abzuwägen und zu normieren. Das sei vielmehr Aufgabe des Gesetzgebers. Die Erfahrung, insbesondere die der Gerichte, habe gezeigt, dass Wahrnehmung von Immissionen sehr unterschiedlich sei.

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