100 Mio. pro Flugzeug: Bezahlt die Schweiz zu viel für den Gripen?
Aktualisiert

100 Mio. pro FlugzeugBezahlt die Schweiz zu viel für den Gripen?

Laut einer Fachzeitschrift bekommt die schwedische Armee den Gripen deutlich günstiger als die Schweiz. Gegner des Kaufs fordern deshalb Transparenz über die Kosten.

von
Simon Hehli
3,1 Milliarden würde die Schweiz für die Gripen-Jets bezahlen, falls das Volk dazu am 18. Mai Ja sagt. Ginge es auch günstiger?

3,1 Milliarden würde die Schweiz für die Gripen-Jets bezahlen, falls das Volk dazu am 18. Mai Ja sagt. Ginge es auch günstiger?

Fünf Wochen vor der Gripen-Abstimmung kommt der Verdacht auf, dass sich die Schweiz möglicherweise über den Tisch ziehen liess. «Man kann sich fragen, ob wir pro Gripen nicht massiv zu viel bezahlen», sagt der grünliberale Sicherheitspolitiker Beat Flach, der im bürgerlichen Nein-Komitee sitzt.

Grund für Flachs Skepsis ist ein Artikel auf Aviation Week. Die amerikanische Website schreibt, die schwedische Armee, die selber 60 Gripen beschaffen wolle, bezahle dafür pro Stück nur 43 Millionen Dollar, umgerechnet rund 38 Millionen Franken. Allerdings handelt es sich dabei um einen «Flyaway price» – also den Preis des Fliegers ohne Entwicklungs- und Betriebskosten.

Auch Brasilien kommt billiger weg

Für die Schweiz lässt sich ein solcher Stückpreis nur indirekt berechnen: Der Bundesrat schreibt in seiner Botschaft, die ausländischen Lieferanten verpflichteten sich, den Vertragswert zu 100 Prozent bei der Schweizer Industrie zu kompensieren – bei Gripen-Hersteller Saab sind das 2,2 Milliarden. Daraus ergibt sich, dass Saab pro Stück 100 Millionen Franken kassiert.

Das VBS weist hingegen lediglich die 3,126 Milliarden Franken für das Gesamtpaket aus, das neben den 22 Gripen auch Zubehör, Simulatoren, Bewaffnung und Supportsysteme umfasst. Auf das einzelne Flugzeug heruntergerechnet ergibt das einen Preis von 140 Millionen.

Das wiederum lässt einen Vergleich mit Brasilien zu: Das Land hat sich ebenfalls dafür entschieden, den Gripen zu kaufen – und rechnet für 36 Flieger mit Gesamtbeschaffungskosten von umgerechnet knapp vier Milliarden Franken. Pro Jet wären das 110 Millionen Franken – also 30 Millionen weniger als beim Schweizer Deal.

Wieso die Schweden günstiger wegkommen

«Wie viel Schweden und Brasilien für ihre Gripen genau bezahlen, ist eine Blackbox», sagt Flachs Parteikollege Roland Fischer. Auch für ihn steht deshalb der Verdacht im Raum, dass die Schweiz zu viel berappe – wenn auch die Differenz kaum so gross sei wie von Aviation Week suggeriert. Die Schweden haben kommuniziert, dass sie sich ihre 60 Gripen inklusive Betrieb über 30 Jahre hinweg 12,5 Milliarden Franken kosten lassen wollen. Fischer geht davon aus, dass die reinen Beschaffungskosten rund einen Drittel ausmachen – pro Flieger wären das dann 69 Millionen Franken.

Für eine solche Kostendifferenz zwischen Schweden und der Schweiz kann es laut Fischer zwei plausible Gründe geben: Erstens rüste Schweden ältere Gripenmodelle zum neuen Flugzeugtyp E auf – und spare somit Geld. Und zweitens trieben die vereinbarten Gegengeschäfte die Kosten für die Schweiz in die Höhe.

«Es geht um unsere Sicherheit»

Beat Flach verweist darauf, dass niemand den Vertrag zwischen Gripen-Hersteller Saab und dem schwedischen Staat zu sehen bekommen habe. In Bezug auf den Brasilien-Deal kann er nur spekulieren, dass die Südamerikaner den Preis drücken konnten, indem sie einen Teil der Montage selber vornehmen. Dass Brasilien im Gegensatz zur Schweiz und zu Schweden einen Doppelsitzer anschaffen will, dürfte sich hingegen in höheren Kosten niederschlagen. «Da wir nicht wissen, wie sich die Preise für die einzelnen Länder genau zusammensetzen, sind Vergleiche sehr schwierig», so Flach.

Es sind solche Unsicherheiten, die den Gripen-Gegnern sauer aufstossen. SP-Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé spricht angesichts der intransparenten Preisgestaltung von «einer Ungereimtheit mehr». CVP-Nationalrat und Gripen-Befürworter Jakob Büchler hingegen mahnt, man dürfe sich nun nicht in Details verlieren. «Es geht am 18. Mai um die Sicherheit unseres Luftraums, nicht um Fragen des Was-wäre-wenn.»

Alles nur Strategie der Gegner?

BDP-Nationalrat Lorenz Hess, der ebenfalls im Pro-Komitee sitzt, hält Quervergleiche zwischen den Gripen-Deals der drei Länder für unseriös: Dafür müsse man viel mehr Details kennen. «Rüstungsgeschäfte sind sehr komplex, kein Wunder, brauchten wir für die Evaluation neuer Jets zehn Jahre.» Dass die Gripen-Gegner immer neue Zahlen streuten, sei bloss Strategie, um die Bürger im Abstimmungskampf zu verunsichern, kritisiert Hess.

Der Grünliberale Roland Fischer antwortet, es sei legitim, ein Geschäft kritisch anzuschauen, wenn neue Zahlen auftauchten. «Eigentlich wäre das für die Gripen-Befürworter ein guter Anlass, endlich Transparenz über die genauen Kosten des Geschäfts zu schaffen.»

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