Ruth Schweikert - «Ohio»: Beziehungsknatsch
Aktualisiert

Ruth Schweikert - «Ohio»Beziehungsknatsch

Mehrfach wurde sein Erscheinen angekündigt und wieder verschoben. Nun ist «Ohio», der zweite Roman der Zürcher Autorin Ruth Schweikert, endlich da. Die Geschichte beginnt mit einem Ende. Unvermutet ist Merete und Andreas — beide Mitte dreissig, verheiratet, zwei Kinder — die Liebe abhanden gekommen. Warum nur? In einem Hotelbett im südafrikanischen Durban sucht das Paar in den Trümmern ihrer Ehe nach Antworten. So weit, so gut. Doch Schweikert will mehr, als nur einen Beziehungsknatsch schildern. Kühn kreuzt sie Meretes und Andreas' Geschichte mit derjenigen ihrer Eltern und Grosseltern. Besonders die ereignisreiche und konfliktgeladene Geschichte von Andreas' Familie, Kriegsflüchtlinge und Immigranten, gibt viel Erzählstoff her. Meretes Herkunft hingegen liegt im Dunkeln. Sie ist ein Findelkind und kennt ihre richtigen Eltern nicht. Als melancholischer Verschnitt aus Familiensaga und Beziehungskiste ist «Ohio» nur halb geglückt. Die einzelnen Episoden sind zwar brillant geschrieben, aber insgesamt wirkt der Roman überladen.

mwe

Ruth Schweikert, «Ohio», Ammann, 214 Seiten, 34.90 Franken.

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