Aktualisiert 05.03.2004 09:32

Bezirksanwalt ignorierte DNA-Gutachten

Gemäss einer internen Untersuchung der Staatsanwaltschaft verhielt sich ein Zürcher Bezirksanwalt bei Ermittlungen in einem Tötungsdelikt «relativ nachlässig».

Der fehlbare Bezirksanwalt habe Anfang 2000 das DNA-Gutachten eines Tatverdächtigen nicht beachtet, bestätigte Hansruedi Müller, der erste Staatsanwalt des Kantons Zürich, auf Anfrage einen Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Freitag. Wenige Wochen später tötete der Tatverdächtige erneut.

Die Disziplinaruntersuchung sei mit dem Verweis gegen den Bezirksanwalt abgeschlossen, erklärte Müller. Weitere Faktoren hätten eine gewisse Rolle gespielt, die Hauptverantwortung für die Nachlässigkeit liege jedoch klar beim Bezirksanwalt. Der Wechsel zum neuen Polizeimodell «Urban Kapo» und damit verbundene neue Abläufe haben gemäss Müller nichts mit der Panne zu tun.

Zweifacher Mord

Wegen der Nachlässigkeit des Bezirksanwaltes blieb ein mutmasslicher Mörder auf freiem Fuss, obwohl dessen DNA-Spuren am Tatort gefunden wurden. Der Tatverdächtige hatte im Juni 1999 einen 55-jährigen Mann mit 49 Messerstichen getötet. Anschliessend flüchtete er mit einer Videokamera und 4000 Franken in bar. Im Januar 2000 erstach er einen zweiten, 66-jährigen Mann.

Die beiden Opfer waren homosexuell. Als Freier hatten sie schon früher mit dem Angeklagten verkehrt, der als Stricher tätig war. Sie liessen ihren Bekannten deshalb auch in ihre Wohnungen ein, wo er sie tötete.

DNA-Spuren an beiden Tatorten

Der Prozess gegen den 29-Jährigen fand im Dezember 2003 vor dem Zürcher Geschworenengericht statt. Er wurde wegen Mordes und Raubes für schuldig befunden. Am stärksten belastet wurde der Angeklagte dadurch, dass an beiden Tatorten DNA-Spuren von ihm gefunden wurden. Über das Strafmass wird Mitte Jahr entschieden.

(sda)

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