Bezirksgericht: Gefängnis für Hotelräuber
Aktualisiert

Bezirksgericht: Gefängnis für Hotelräuber

Um seine Geldsorgen zu lösen, hat ein ehemaliger Sicherheitsangestellter ein Zürcher Hotel - seinen ehemaligen Arbeitgeber - zwei Mal überfallen und rund 26 000 Franken erbeutet. Jetzt muss er für 27 Monate ins Gefängnis.

Das Bezirksgericht Zürich folgte in den meisten Punkten der Bezirksanwaltschaft. Es verurteilte den heute 29-jährigen Mann wegen mehrfachen Raubes sowie falscher Anschuldigung.

Fest steht der Tathergang: In einer Nacht Mitte April 2003 betrat der maskierte Räuber ein Hotel an der Badenerstrasse, das er früher selbst bewacht hatte. Er bedrohte zwei Hotelangestellte mit einer Plastikpistole der Marke «007» und verlangte Geld.

Die überraschten Opfer öffneten die Schubladen und überreichten dem Unbekannten eine erhebliche Summe. Der Täter packte einen Teil der Geldnoten hastig in seine Jacke ein und flüchtete mit rund 15 000 Franken aus der Hotelhalle.

Roter Plastiksack als Maske

Drei Monate später schlug der Räuber am gleichen Tatort erneut zu. Diesmal mietete er vor dem Überfall ein Hotelzimmer. Als Maske verwendete er einen roten Plastiksack mit Luftlöchern. Erneut bedrohte er mit seiner Spielzeugpistole einen Hotelangestellten und nahm eine Beute von über 10 000 Franken mit.

Ein Zeuge konnte sich jedoch an den Hotelgast und den roten Plastiksack erinnern. Sechs Tage später war der Täter ermittelt. Der Ex-Securitas-Mann stritt zunächst die Vorwürfe ab und bezichtigte gar einen ehemaligen Berufskollegen. Später legte er ein umfassendes Geständnis ab.

Verteidigung: «Amateur-Räuber»

Während die Anklage eine unbedingte Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren forderte, setzte sich der Verteidiger für eine bedingte Gefängnisstrafe von 18 Monaten ein. Der Rechtsanwalt sprach von einem einmaligen Blödsinn eines Amateur-Räubers, der sich mit seinem Spielzeug höchstens selber gefährdet habe.

Zudem habe er sich vor den Überfällen in einer emotionalen Ausnahmesituation befunden. Ende 2002 verlor er zuerst seinen Job. Kurz darauf verliess ihn seine Frau. Der Angeklagte wollte jedoch weiterhin für seine Familie aufkommen. Deshalb habe er die Verbrechen begangen, sagte er.

Da der erste Coup so einfach gelaufen sei, habe er auch den zweiten in Angriff genommen. Die Beute habe er seiner ahnungslosen Ex-Frau gegeben. Heute wolle er reinen Tisch machen und ein neues Leben mit einer neuen Freundin beginnen, erläuterte er.

Gericht: «Erhebliches Verschulden»

Der Gerichtsvorsitzende ging allerdings von einem erheblichen Verschulden des Täters aus: Als ehemaliger Sicherheitsangestellter, der auch am späteren Tatort im Einsatz gewesen sei, habe er einen schweren Vertrauensbruch begangen.

Zudem habe der Angeschuldigte seine finanziellen Probleme selber zu verantworten: er habe luxuriöse Anschaffungen getätigt. Schliesslich betrachtete das Gerich die falsche Bezichtigung eines unschuldigen Kollegen als schwerwiegend.

Geständnis und Reue brachten deshalb eine Strafsenkung von bloss drei Monaten Gefängnis ein. Ob der Angeklagte das Verdikt akzeptiert, war am Dienstag noch unklar.

(sda)

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