Aktualisiert 12.03.2011 18:20

Reaktionen

«Beznau würde Stärke 5 wohl nicht überstehen»

Experten und Politiker reagieren unterschiedlich auf die Ereignisse in Japan. Schweizer Atomkraftwerke würden einem starken Erbeben aber wohl nicht standhalten, so der Tenor.

Für die Betreiber der Schweizer Atomkraftwerke besteht nach dem Vorfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 kein direkter Handlungsbedarf. Das sagte Georg Schwarz, Leiter des Bereichs Kernkraftwerke beim Eidgenössischen Nuklearinspektorat (ENSI).

Zwar könne es auch in der Schweiz Erdbeben geben - «aber auf einem ganz anderen Niveau», sagte Schwarz am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Würde die Erde allerdings in der Schweiz unerwarterterweise doch so fest beben wie in Japan, hätten auch die hiesigen Atomkraftwerke mit Problemen zu kämpfen.

«Unsere Atomkraftwerke sind nicht für so starke Erdbeben gebaut» , sagte Schwarz. Seit einigen Jahren sei die Schweiz aber daran, die Erdbebenfestigkeit der Werke zu verbessern. Allenfalls müssten nach der Analyse der Ereignisse in Japan Anpassungen ins Auge gefasst werden.

«Strahlung bliebe in Anlage»

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen, Vorstandsmitlgied des Nuklearforums Schweiz, sagte auf Anfrage, dass es keine absolute Sicherheit gebe - das gelte für die Kernenergie, aber auch für alle anderen Bereiche im Leben. Wichtig sei, dass es nach einer allfälligen Kernschmelze zu keinem Austritt von radiokativer Strahlung komme.

«Das Gemisch von radioaktiver Strahlung muss innerhalb der Anlage bleiben - das ist das oberste Ziel». Gemäss Wasserfallen, wäre diese Sicherheit auch bei Erdbeben der Stärke, wie sie Japan erlebt hat, gewährleistet.

Abschaltung von Mühleberg gefordert

Geri Müller, grüner Nationalrat aus dem Aargau und Präsident der Energiestiftung Schweiz, zeigte sich über die Vorkommnisse im japanischen Atomkraftwerk beunruhigt. «Das macht mir grosses Bauchweh», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Mit dem Erdbeben sei ein Fall eingetreten, der nicht so selten ist.

Auch in der Schweiz sei es schon zu starken Erdbeben gekommen, zuletzt eines mit Stärke 7 in Basel vor 600 Jahren. «Unsere Atomkraftwerke würden höchstens Erdbeben der Stärke 5 unbeschadet überstehen - Mühleberg und Beznau wohl nicht einmal dies.»

Die Grüne Partei der Schweiz forderte noch am Samstag, dass der Bundesrat das laufende Verfahren für den Bau von drei neuen AKW in der Schweiz sistiere. Zudem soll er auf seinen Entscheid, dem AKW Mühleberg eine unbefristete Betriebsbewilligung zu geben, zurückkommen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) habe im Jahr 2002 in ihrem Gutachten festgehalten, dass Mühleberg keinem Erdbeben standhalten würde, teilten die Grünen mit. Mühleberg solle deshalb, wie ursprünglich vorgesehen, 2012 den Betrieb einstellen. Auch die SP Bern forderte am Samstag die rasche Stilllegung von Mühleberg. (sda)

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