«Dringende Bitte»: Bhutto-Bericht bleibt vorerst im Schrank
Aktualisiert

«Dringende Bitte»Bhutto-Bericht bleibt vorerst im Schrank

Der UNO-Bericht soll klären, weshalb und von wem Pakistans Ex-Ministerpräsidentin 2007 ermordet wurde. Kurz bevor das Papier veröffentlicht werden soll, macht Pakistan einen Rückzieher.

Die ermordete Benazir Bhutto wird in Pakistan als Heldin verehrt.

Die ermordete Benazir Bhutto wird in Pakistan als Heldin verehrt.

Die Vereinten Nationen halten den Untersuchungsbericht zum Mord an der früheren pakistanischen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto auf Wunsch von deren Mann zwei Wochen lang zurück. Der Bericht werde erst am 15. April veröffentlicht, erklärte ein UN-Sprecher am Dienstag in New York. Die Entscheidung wurde nur zwei Stunden vor einer geplanten Pressekonferenz über die Ergebnisse der Ermittlungen bekanntgegeben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon habe damit einer dringenden Bitte des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari entsprochen, sagte UN-Sprecher Martin Nesirky. Zardari wolle, dass der Bericht nicht vor Mitte April der Regierung in Islamabad vorliege.

Ban hatte die Kommission aus dem chilenischen Botschafter Heraldo Munoz, dem indonesischen Ex-Justizminister Marzuki Darusman und dem irischen Polizisten Peter Fitzgerald im Juni 2009 berufen. Nach neunmonatiger Arbeit hatte das Gremium am Dienstag den Abschlussbericht vorlegen sollen. Wenige Stunden vorher kam dann die «dringende Bitte».

Weder die Regierung in Islamabad noch Ban selbst kennen nach Angaben des Sprechers den Inhalt des Berichtes. «Er ist nach wie vor in der Obhut der Kommission und in deren Schrank wird er auch bis zum 15. April unter Verschluss bleiben.»

TV-Sender zeigt Bilder von Bhutto-Attentätern

Er betonte aber mehrfach, dass «alle Fakten und Quellen überprüft wurden und der Bericht fertig zur Veröffentlichung» sei. Dennoch hätten die Vereinten Nationen nicht die Absicht, den Bericht vorab nach Islamabad zu schicken.

Hintergründe unklar

Bhutto wurde am 27. Dezember 2007 bei einem Anschlag nach einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadt Rawalpindi getötet. Mit der Chefin der Pakistanischen Volkspartei (PPP) starben mehr als 20 weitere Menschen. Nach dem Anschlag hatte die Regierung den Chef der radikal- islamischen Bewegung Tehrik-e-Taliban, Baitullah Mehsud, zum Hauptverdächtigen erklärt, der jedoch die Tat bestritt. Bhuttos Partei deutete mehrfach an, Musharraf oder seine Verbündeten könnten in das Attentat verwickelt sein, und forderten eine UN-Untersuchung. (sda/dapd)

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