Bhutto kündigt Massenproteste gegen Musharraf an
Aktualisiert

Bhutto kündigt Massenproteste gegen Musharraf an

Pakistan am vierten Tag des Ausnahmezustands: Rechtsanwälte werfen Steine auf Polizisten, diese gehen mit dem Schlagstock gegen die regierungsfeindlichen Protestanten vor.

Derweil hat die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto Massenproteste gegen Staats- und Armeechef Pervez Musharraf angekündigt. Dieser müsse unverzüglich den Ausnahmezustand aufheben, forderte Bhutto.

Sie werde die Anhängerschaft ihrer Pakistanischen Volkspartei PPP zu Protesten aufrufen, erklärte sie der britischen Zeitung «The Times» (Dienstagsausgabe). Zudem wolle sie in der Hauptstadt Islamabad Führer anderer Oppositionsgruppen treffen und eine Massenkundgebung für den kommenden Freitag in der Stadt Rawalpindi vorbereiten.

«Wenn wir nichts unternehmen, könnte Musharraf denken, die Nation unterstützt, was geschehen ist, doch das tut die Nation nicht», sagte Bhutto nach einer Beratung mit Funktionären der PPP in Karachi.

Verhaftungswelle rollt weiter

Während Staatschef Pervez Musharraf mit seinem Kabinett über einen Termin für die geplante Parlamentswahl berät, geht die Verhaftungswelle weiter. Nach Angaben von Regierungsbeamten wurden bislang mehr als 2500 Personen festgenommen, die Opposition spricht von rund 3000 Verhaftungen.

In der südwestlich von Islamabad gelegenen Stadt Multan gingen am Dienstag etwa 1000 Juristen auf die Strasse und lieferten sich nach Berichten von Augenzeugen schwere Zusammenstösse mit der Polizei. Mindestens drei Menschen wurden verletzt. Die Anwälte warfen mit Steinen, als sie von mehreren Hundertschaften der Polizei daran gehindert wurden, das Gelände des Bezirksgerichts zu verlassen. Die Polizei warf Steine zurück und ging mit dem Schlagstock gegen die Demonstranten vor. Ausserdem drangen Polizisten in den High Court von Multan ein und nahmen mindestens sechs Anwälte fest. Der Präsident der Anwaltsvereinigung von Multan, Habibullah Shakir warf den Behörden ein brutales Vorgehen und willkürliche Festnahmen vor.

Auch in der Hauptstadt Islamabad zogen mehrere hundert Anwälte zum Bezirksgericht und beschimpften Musharraf als Verbrecher. Der von Musharraf abgesetzte Vorsitzende Richter am Obersten Gerichtshof, Iftikhar Mohammed Chaudhry, sagte: «Der Tag wird kommen, an dem die Verfassung wiederhergestellt wird. Es wird keine Diktatur geben.» Kurz nach der telefonisch übermittelten Ansprache Chaudhrys vor demonstrierenden Anwälten wurden mehrere Mobilfunknetze in Islamabad abgeschaltet. Die Juristen sind besonders aufgebracht über die Entmachtung des Obersten Gerichtshofs, der in dieser Woche über die Zulässigkeit der Wiederwahl Musharrafs entscheiden wollte.

Musharraf rief sein Kabinett am Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Dabei soll es unter anderem um den Zeitplan für die geplante Parlamentswahl gehen. Der Präsident wolle an dem vorgesehenen Termin im Januar festhalten, sagte Kabinettsmitglied Sheikh Rashid Ahmad. Es gebe aber andere «Elemente, die eine Verschiebung um ein Jahr befürworten».

Die EU und die USA haben sich besorgt über die Entwicklung in Pakistan geäussert. US-Präsident George W. Bush rief Musharraf auf, als Armeechef zurückzutreten und an der Wahl im Januar festzuhalten. Zu Sanktionen haben sich bislang nur die Niederlande entschlossen, die den grössten Teil ihrer Entwicklungshilfe für Pakistan einfroren. (dapd)

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